Arten- & Biotopschutz


Artenschutzprojekte zu Rauhfußhühnern


Die seltenen Raufußhuhnarten gehen europaweit zurück. Die Ursachen für den Rückgang müssen objektiv ergründet und Strategien hinsichtlich des Schutzes erarbeitet werden. Das Ziel ist hierbei die Umsetzung wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse in konkrete Schutzmaßnahmen, die die Erhaltung und Wiederherstellung geeigneter Lebensräume für diese Rote Liste der Arten zum Ziel haben müssen.

Die ThüringenForst-AöR hat sich schon früh der Raufußhuhn-Problematik angenommen, Kernlebensräume der Raufußhuhnarten wurden in großflächige Schutzgebiete einbezogen und es gab intensive Bemühungen zur Stützung des freilebenden Bestandes. Damit ist Thüringen jedoch nicht das einzige Bundesland, das die Problematik angeht. Unter der Federführung der Landesforstverwaltungen wurden auch in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern viele praktische Erfahrungen gesammelt, von denen unser Projekt intensiv profitiert.

Die Raufußhuhnprojekte der ThüringenForst-AöR werden anteilig über ELER Mittel finanziert. Damit ist ein deutlich größerer Umfang der Projektmaßnahmen möglich und es können zusätzliche Projektaktivitäten entwickelt werden.

Günstige Lebensräume für Rauhfußhühner

Auer- und Haselhühner sind ökologisch an unterschiedliche Altersstadien der Waldentwicklung gebunden. Das Auerhuhn gilt als Charaktervogel der alten, lichten Waldbestände mit reichem Heidelbeervorkommen. Es ist in diesen Beständen eine Leitart und sein Vorkommen induziert günstige Lebensbedingungen für eine Vielzahl anderer schützenwerter Arten lichter Wälder. Das wesentlich kleinere Haselhuhn ist an kraut- und strauchreiche Wiederbewaldungsflächen und an Niederwälder gebunden. Doch die gut geeigneten Lebensräume beider Raufußhuhnarten wurden in der Vergangenheit reduziert. Hohe Stickstoffeinträge verändern beispielsweise die kargen Kiefern-Heidelbeerwälder, die als optimale Auerhuhn Lebensräume gelten.

Steigende Zahlen von Fuchs, Marder und Waschbär haben die Bestände beider Arten in allen deutschen Gebieten dramatisch sinken lassen. Die ThüringenForst-AöR setzt nun ein beispielhaftes Artenschutzprojekt um. Lebensräume werden verbessert und neu gestaltet, innovative Bejagungskonzepte entwickelt und der wildlebende Bestand wird durch Auswilderungen gestützt. Damit besteht ein in Thüringen beispielhaftes Artenschutzprojekt in Zusammenarbeit mit privaten und kommunalen Waldbesitzern, dem amtlichen Naturschutz sowie dem Landesjagdverband Thüringen e. V.

Waldbewirtschaftung und die Ausgestaltung von Lebensraumen für Auerhuhn & Co.

In den Waldgebieten des Thüringer Schiefergebirges werden zum Schutz des Auerhuhns spezielle Artenschutzmaßnahmen seitens der ThüringenForst-AöR umgesetzt. Im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung werden lichtere Waldstrukturen hergestellt, die Vorkommen der Heidelbeere gefördert und alte astige Kiefern und Lärchen erhalten. Weiterhin werden Drahtzäune im Wald, welche zu einer tödlichen Falle für die Vögel werden können, durch sogenannte Hordengatter aus Holz ersetzt. Seit 2018 wurden in den Forstamtsbereichen Neuhaus und Sonneberg neue Hordengatter zur Einbringung wichtiger Strukturelemente errichtet, Biotoppflegen zur Förderung der Heidelbeere durchgeführt und neue Biotopflächen kartiert. 

Gründe für die Bejagung von Fressfeinden

Artenvielfalt und Siedlungsdichte der für Auerhühner relevanten Beutegreifer sind in den höheren Mittelgebirgslagen trotz der klimatischen Ungunst vergleichsweise hoch. Eine selektive und intensivierte Bejagung der Beutegreifer durch den Einsatz von Fallen kann den Verlust an Gelegen und Jungvögeln mindern. Die Fallen werden durch den Einsatz modernster Fallenmelder überwacht. Damit werden Fänge sofort registriert und die Bejagung der Beutegreifer kann tierschutzgerecht erfolgen. Zusätzlich sollen die natürlichen Begrenzungsfaktoren bestmöglich genutzt werden, indem insbesondere Wildschweine durch bestehende Kirrungsverbote nicht in höhere Mittelgebirgslagen gelockt werden.

Auerhuhnaufzucht

Ein weiterer Baustein im Schutzkonzept ist die Bestandesstützung. In der Uhlstädter Heide bei Rudolstadt wird die bundesweit einzige Auerhuhnaufzuchtstation in Regie einer Landesforstverwaltung betrieben. Die Station wurde 2012 neu errichtet, damit bietet sie moderne und naturnahe Aufzuchtbedingungen für die Jungvögel und aus den Erfahrungen der Vergangenheit konnte viel über die Aufzucht konkurrenzfähiger Individuen gelernt werden. Die Methoden der Auswilderung unterliegen einer stetigen Weiterentwicklung. Im Sommer 2015 wurde erstmals eine Methode getestet, in deren Umsetzung die Mutterhenne und die Jungvögel in speziell konstruierten Volieren schrittweise „sanft“ ausgewildert werden. Zusätzlich zum Betrieb der Aufzuchtstation und zur Weiterentwicklung der Auswilderungsmethoden wird seit 2017 ein Projekt zur Umsetzung schwedischer Wildvögel nach Thüringen realisiert. 

Biotoppflege für das Haselhuhn

Das Haselhuhn ist das kleinste Waldhuhn und nur wenigen bekannt. Es hat eine sehr versteckte Lebensweise und ist ziemlich scheu. Haselhühner sind sehr ortsfest und ihre Reviere besitzen nur eine Größe von 20-30 Hektar. Im Bereich des Vogelschutzgebietes „Frankenwald-Schieferbrüche um Lehesten“ werden biotopverbessernde Maßnahmen zur Wiederansiedlung des Haselhuhns als gemeinsames Projekt mit der Prinz Reuss´schen Forstverwaltung umgesetzt.

Zusätzlich werden in diesem Bereich wildgefangene Vögel aus Österreich und von Projektpartnern naturnah aufgezogene Vögel ausgewildert. Seit 2018 findet eine Ausweitung der Biotoppflegemaßnahmen für das Haselhuhn im Staatswald von ThüringenForst statt. Hierbei wurden zwei Bachläufe renaturiert und zusätzliches Weichlaubholz auf Kyrill-Flächen eingebracht.


Die Wildkatze: Auf leisen Pfoten durch Thüringens Wälder


Gemeinsam mit dem BUND Thüringen möchte ThüringenForst die Lebensbedingungen für die Wildkatzen in Thüringen verbessern. Das Projektvorhaben sieht vor, neben Wildkatzenkorridoren vorhandene Waldränder in derzeit drei Regionen Thüringens entsprechend der besonderen Bedürfnisse von Wildkatzen zu gestalten und aufzuwerten. Bei all diesen Maßnahmen ist es aber nicht nur die Wildkatze, die davon profitieren wird. Auch viele andere Arten, die an Wälder gebunden sind, nutzen die lichten und strukturreichen Waldränder.

Wildkatzenkorridore

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Schaffung von besonders geeigneten „Wanderkorridoren“, die den Wildkatzen gute Bedingungen zur Erschließung neuer Lebensräume bieten und die Isolation von Teilpopulationen verringern sollen. Dazu werden Verbindungsflächen geschaffen, in denen die Wildkatzen von Wald zu Wald gelangen. Diese Verbindungsflächen zeichnen sich durch eine strukturreiche Vegetation aus und ermöglichen den wilden Samtpfoten ein artgerechtes "Vorankommen".

Durch Verbindungsflächen bekommen die Wildkatzenpopulationen der einzelnen Regionen wieder Kontakt zu einander. Der Austausch ist gut für die genetische Vielfalt und langfristig wichtig für die Erhaltung der Wildkatze in Thüringen und Deutschland. Hierzu beteiligt sich ThüringenForst an der Pflanzung von neuen Waldstreifen im Rahmen des BUND-Projekts „Rettungsnetz Wildkatze“.


Moore: kostbare Klimaschutzhelfer


Die Moore im Thüringer Wald und darüber hinaus sind einzigartige und eigenartige Lebensräume. ThüringenForst ist sich ihrer großen landschaftsökologischen und klimatischen Bedeutung sowie ihrer Bedeutung als Lebensstätte zahlreicher hochspezialisierter – und leider oft sehr seltener – Arten bewusst. Moore wurden in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten durch mehrfache Versuche einer Nutzbarmachung, zum Beispiel durch Torfabbau und Entwässerung, massiv gestört.

Das Moor als Kohlenstoffspeicher

Die etwa 350 Moore im Freistaat können in ihrer mächtigen Torfschicht wesentlich mehr Kohlenstoff speichern als Wälder gleicher Flächengröße. Insofern sind die durch die Landesforstanstalt in den letzten Jahren durchgeführten Moor-Renaturierungsmaßnahmen nicht nur ökologisch wichtig, sondern auch als Klimaschutzmaßnahme äußerst wertvoll. Da ein intakter Moorkörper kontinuierlich wächst, wird die Senkenleistung der Moore nachhaltig erbracht. 

Renaturierung: Erhaltung von Mooren

Seit mehr als 15 Jahren sind die Thüringer Moore nun Gegenstand einer intensiven Renaturierung und liegen im naturschutzfachlichen Fokus von ThüringenForst. So waren neben Entfichtungen, die mit forstlicher Spezialtechnik bodenschonend durchgeführt wurden, in der Vergangenheit auch Grabenverbauungen und Abdämmungen erforderlich, um den Wasserhaushalt im Moor wieder zu stabilisieren. Zukünftig werden jedoch solch „spektakuläre“ Technikeinsätze in den großen Regenmooren zugunsten von Nachpflegen (Entfernung von Fichtennaturverjüngung) mehr in den Hintergrund treten. Parallel dazu sollen in den nächsten Jahren vorwiegend kleinere Hangversumpfungs- und Quellmoore Gegenstand der Renaturierungsbemühungen sein.

Moorschutz und Moorrevitalisierung in den Kammlagen des Thüringer Waldes

Mit Unterstützung von ThüringenForst fand im Juni 2014 in Oberhof – gemeinsam mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) – eine international besuchte Tagung zum Thema Moorschutz in Thüringen statt. Fast 100 Teilnehmer – viele davon aus den Nachbarbundesländern – überzeugten sich von den Fortschritten der Renaturierung der Hochmoore im Thüringer Wald.


Renaturierung von Fließgewässern im Wald


Fließgewässer im Wald sind Lebensadern, die unsere Wälder durchziehen und für den Artenreichtum des Waldes wichtig sind. Leider wurden die Fließgewässer in der Vergangenheit in der Forstwirtschaft nicht immer ausreichend berücksichtigt. Nadelhölzer (vor allem Fichte) wurden bis an die Ufer gepflanzt, wodurch die dort natürlicherweise vorkommenden Baum- und Krautarten verdrängt wurden. Bäume, die ins Gewässer fielen, wurden beräumt, sodass Totholz als wichtiger Förderer einer gesunden Gewässerstruktur zunehmend fehlte.

Projekt Waldbach

Durch die für die Waldbewirtschaftung wichtige Erschließung mit Waldwegen war es häufig nötig, Bäche zu queren. Heute weiß man, dass dafür ausreichend große Durchlässe verbaut werden müssen, um die Durchgängigkeit für die bachbewohnenden Organismen nicht zu unterbrechen. An all diesen Parametern arbeiten wir und verbessern so Schritt für Schritt die ökologischen Bedingungen in unseren Waldbächen.

Aus diesen Gründen engagiert sich ThüringenForst seit der Gründung als Landesforstanstalt aktiv für die Renaturierung der Waldfließgewässer. Gerne arbeiten wir hierbei mit Partnern zusammen, wie aktuell zum Beispiel im Projekt „Waldbach – Erhalt und Entwicklung von Waldbächen im Thüringer Wald“ der Naturstiftung David.


Bildnachweis dieser Seite: Naturdenkmal – Daniela Tröger; Naturdenkmal – Daniela Tröger; Auerhahn – Torsten Rahn; Gelege – Luise Stephani; Gehege – Luise Stephani; Haselhuhn 1 – Christoph Gehrecke; Haselhuhn 2 – Christoph Gehrecke; Wildkatze – Daniela Tröger; Hörselberge – Daniela Tröger; Moorerlebnispfad 1 – Dr. Horst Sproßmann; Moorerlebnispfad 2 – Dr. Horst Sproßmann; Sonnentau – Mathias Streisel / mamonimedia; Waldbach 1 – © juhumbert / Adobe Stock; Waldbach 2 – © juhumbert / Adobe Stock; Feuersalamander – Mathias Streisel / mamonimedia