WaldZustand

Der Wald: Unser Lebens- und Wirtschaftsraum

Der Wald ist unser Lebens- und Wirtschaftsraum. Deshalb sind wir einer besonderen Fürsorge für den Wald verpflichtet.

Um auf negative Entwicklungen reagieren zu können, müssen die Forstleute zunächst wissen, wie es dem Wald geht. Dazu wurde in Thüringen bereits vor mehr als 20 Jahren ein Frühwarnsystem installiert – das Forstliche Umweltmonitoring.

Das Forstliche Umweltmonitoring

Die im Rahmen des Forstlichen Umweltmonitorings erhobenen Daten sind alles andere als ein Selbstzweck. Vielmehr stellen diese Daten die Grundlage für politische und fachliche Entscheidungen dar. Gleichzeitig kann mit den Messreihen die Wirksamkeit der vielfältigen Aktivitäten von ThüringenForst beurteilt werden.

Das Forstliche Umweltmonitoring umfasst die Waldschadenserhebung, die Bodenzustandserhebung sowie ein Intensivmonitoring an stationären Messpunkten im Wald, den sogenannten Wald- und Hauptmessstationen.

Bei der Waldschadenserhebung werden an 353 Aufnahmepunkten, die systematisch über die Waldfläche Thüringens verteilt sind, jeweils 24 fest markierte Bäume einmal im Jahr begutachtet. Analysiert wird dabei von den Mitarbeitern der Landesforstanstalt der Kronenzustand dieser Bäume.

Der Grad der Auflichtung der Baumkronen ist ein wichtiger Indikator für die Vitalität der Bäume und damit der Wälder. Die aufgenommenen Daten werden zusammengeführt und im jährlichen Waldzustandsbericht veröffentlicht.

Baumzustand

Der Zustand der Bäume hat sich seit den 1990er Jahren verbessert!

Generell lässt sich sagen, dass sich der Zustand der Bäume in Thüringen seit Beginn der 1990er Jahre stetig verbesserte.

Nach dem Jahr 2000 mussten dann aber Rückschläge registriert werden. Setzten den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche in den 1980er Jahren vor allem Luftschadstoffe zu, machten ihnen in jüngerer Vergangenheit die oft trockenen Sommer zu schaffen.

Ganz gesund sind daher die wenigsten Bäume. Ihr Anteil lag laut Waldzustandsbericht 2013 nur bei 26 Prozent der gesamten Thüringer Waldfläche. Nach Baumarten aufgeschlüsselt waren es 37 Prozent der Fichten, 20 Prozent der Buchen, 12 Prozent der Eichen und nur 7 Prozent der Kiefern.

Die Bodenzustandserhebung

Gesunder Wald auf gesundem Boden.

Ein gesunder Wald wächst auf einem gesunden Waldboden. Im Fokus der Bodenzustandserhebung steht die Beobachtung der physikalischen und chemischen Prozesse in den Waldböden.

Unter anderem sind die Veränderung der Ausstattung an Nährelementen, der Grad der Bodenversauerung wie auch die Schadstoffbelastung wichtige Indikatoren, um die Situation der Waldböden zu charakterisieren. Bodenzustandserhebungen sind sehr zeit- und kostenintensiv und finden daher nur in größeren Zeitabständen statt.

Die letzte Erhebung erfolgte im Jahr 2005 an 98 Aufnahmepunkten. Die Ergebnisse sind im Waldbodenzustandsbericht veröffentlicht.

Verbiss- und Schälgutachten

Wie sicher sind unsere Bäume?

Rehe und Hirsche leben nicht nur im Wald, sondern auch vom Wald und insbesondere von seinen jungen Bäumen und Trieben. Dieses Wild hat damit Einfluss auf die Zusammensetzung und Entwicklung der nächsten Waldgeneration.

Zum Schaden wird der Verbiss dieser im Wald lebenden Pflanzenfresser dann, wenn er eine naturnahe Waldentwicklung behindert, indem beispielsweise wichtige Mischbaumarten aus der Verjüngung herausgeäst werden.

Die Verbissinventuren vergangener Jahre haben gezeigt, dass gerade Mischbaumarten als „kulinarische Abwechslung im Wald“ vom Wild so stark verbissen werden, dass ihr angestrebter Anteil am zukünftigen Waldbestand äußerst fraglich ist.

Die großen Schalenwildarten Rot-, Dam- und Muffelwild schälen zudem die Rinde jüngerer Bäume ab. Dadurch schaffen sie Eintrittspforten für holzentwertende und holzzerstörende Pilze. Dieser beschriebene Wildeinfluss wird durch eine im Dreijahresabstand durchgeführte Verbiss- und Schälinventur untersucht.

In Thüringen werden in etwa 2.800 Aufnahmewaldbeständen der Verbiss und in etwa 1.500 Aufnahmewaldbeständen die Schäle untersucht. Die Ergebnisse nutzen die Forstämter zur Erstellung der Verbiss- und Schälgutachten auf Landkreisebene. Die Verbiss- und Schälgutachten sind eine Entscheidungsgrundlage bei der Bestätigung der Abschusspläne durch die Unteren Jagdbehörden in Thüringen.

Das Intensivmonitoring

Daten fließen in internationale und europäische Überwachungsszenarien ein.

Das Intensivmonitoring an Wald- und Hauptmessstationen liefert regelmäßig Daten zum komplexen Wirkungsgefüge von Baumvitalität und Baumwachstum. Zudem werden Daten zu Klima und Luftschadstoffen erhoben.

Die Überwachung erfolgt an jeder Messstation im Freiland und im Waldbestand. Auch der Waldboden sowie Quellen in der unmittelbaren Umgebung der Messstation werden untersucht.

Diese Daten fließen in internationale und europäische Überwachungsszenarien und Projekte sowie in landesweite Untersuchungen und Berichte ein.

Das intakte Waldökosystem

… muss der Ausbreitung von Insekten Grenzen setzen.

In einem gesunden Wald ist es ein natürlicher Prozess, dass geschwächte Bäume beispielsweise von Insekten besiedelt werden, absterben und damit zahlreichen anderen Organsimen als Wohnstätte und Nahrung dienen.

Diese zersetzen auch das abgestorbene Holz zu Humus, der den Waldbäumen wieder als Nahrungsquelle zur Verfügung steht. Ein intaktes Waldökosystem setzt der Ausbreitung von Insekten, die geschwächte Bäume befallen, Grenzen.

Wird es jedoch nachhaltig gestört − sei es durch unsachgemäße Bewirtschaftung, durch längere Trockenperioden, durch Sturmschäden oder andere Folgen des Klimawandels − können einige dieser Insekten durch Massenvermehrung zur Existenzbedrohung für den Wald werden.

Die gleiche Wirkung können eingeschleppte Arten entfalten, wenn sich die heimische Natur auf diese noch nicht eingestellt hat.

Der Waldschutzmeldedienst

… das Früherkennungssystem zum Schutz des Waldes.

Auch gesunde Wälder können Schaden nehmen, wenn es durch entsprechende Witterungsverläufe zu einer Übervermehrung bestimmter Schadinsekten, insbesondere einiger Schmetterlingsarten, kommt.

Zur Früherkennung dieser Gefährdungen wird die Entwicklung von forstlich relevanten Insektenarten, Pilzen und Mäusen fortlaufend überwacht.

Wichtigstes Instrument ist dabei der schon vor vielen Jahrzehnten eingerichtete Waldschutzmeldedienst, der alle Waldeigentumsarten erfasst. Insbesondere für die forstlich relevanten Insektenarten führt Thüringenforst ein abgestuftes System von Überwachungsverfahren durch, die je nach Gefährdungssituation für den Waldbestand zur Anwendung kommen.

Vom Schwarmflug des Buchdruckers

So wird zum Beispiel der Schwarmflug des Buchdruckers, des bedeutsamsten Borkenkäfers an der Baumart Fichte, anhand von Käferfängen in Lockstofffallen beobachtet.

Anhand der Schwarmflughöhepunkte kann dann gezielt und zeitnah in den betroffenen Waldgebieten nach frischem Käferbefall gesucht werden, damit diese befallenen Bäume vor Ausflug der Jungkäfer eingeschlagen werden und ihre rasche Abfuhr erfolgen können. So wird eine Ausweitung des Befalls vermieden.

Durch flächendeckende Überwachungsverfahren kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf die Waldbestände beschränkt bleiben, die in ihrer Existenz bedroht sind.

Waldbrandgefahrenstufen online abrufen

Besonders langanhaltende Trockenheit steigert das Risiko für Waldbrände deutlich. Schon eine unachtsam ins trockene Gras geworfene Glasflasche bündelt das Sonnenlicht wie eine Lupe und kann einen Waldbrand auslösen.

Die aktuelle Waldbrandgefahr wird in Waldbrandgefahrenstufen ausgedrückt und kann auf unserer Waldbrandgefahrenstufenkarte online abgerufen werden.

Der Zukunftswald

… in Thüringen: Mischwälder aus Laub- und Nadelholz.

Mit der Pflege nächsten Waldgeneration legen Forstleute den Grundstein für die Wälder der Zukunft. ThüringenForst setzt dabei konsequent auf Mischwälder. Bestände aus Laub- und Nadelhölzern können dem Klimawandel mit all seinen prognostizierten Erscheinungen am besten trotzen.

Als im Jahr 2007 das Orkantief Kyrill über Deutschland hinwegfegte und viele Millionen Festmeter Holz umwarf, konnten Waldbestände mit einem Mindestanteil an Mischbaumarten dem Orkan besser standhalten als reine Fichtenwälder.

Die Mischung macht es also – gerade in der Forstwirtschaft. Mischbaumarten sind eine wichtige Investition in die Stabilität der Wälder in Thüringen.