WaldKnigge

Der Wald ist das naturnahste Ökosystem im Freistaat Thüringen. Rund 70 verschiedene Baumarten können Ihnen begegnen, tausende weiterer Tier- und Pflanzenarten verbergen sich auf und im Waldboden oder auch im Kronendach der Bäume.

Diese enorme Vielfalt und die hochkomplexen gegenseitigen Einflussnahmen und Abhängigkeiten lassen aber auch die Sensibilität des Systems erkennen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Wald ist deshalb von großer Bedeutung.

Im Wald unterwegs – mit Respekt

Der Wald ist in unserer zunehmend digitalen Welt für Viele ein ‚Unbekannter‘, so dass es nicht schaden kann, wenn man sich vor einem Waldbesuch über einige Besonderheiten informiert. Hier soll Ihnen der „Waldknigge“ gleichsam als eine Art "Navigationsgerät" in Sachen Verhalten im Wald  dienen, dass Sie sicher, schnell und ökologisch unbedenklich an Ihr Ziel führt – egal ob dies eine Sehenswürdigkeit ist, eine erholsame Laufstrecke zum Feierabend oder ein erfrischender Morgenausritt mit dem Pferd.

Bedenken Sie bei Ihrem Waldbesuch vor allem auch, dass Sie sich im Lebensraum der Wildtiere aufhalten und entsprechend verhalten sollten. Dies umso mehr, wenn Sie Haustiere mitführen. In diesem Sinne wünschen Ihnen die ThüringenForst-Beschäftigten einen erholsamen und interessanten, vor allem aber naturverträglichen Aufenthalt in unseren wunderschönen Thüringer Wäldern.

Unser WaldKnigge: Verhaltens-Tipps im Wald. Für Sie!

Leider gibt es immer wieder Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich nicht an die Regeln einer verantwortungsvollen Walderholung halten und ihre Umwelt durch Müll, Lärm oder Rowdytum belasten.

Auch wenn der erhobene Zeigefinger an dieser Stelle fehl am Platze scheint, gibt es doch ein paar Punkte in diesem „Waldknigge“, die es speziell beim Waldbesuch zu beachten gilt. Denn Ihre Erlebnisse und Abenteuer sollen allen – auch dem Wald und seinen natürlichen Bewohnern selbst – eine Freude sein.

Passen Sie gut auf sich auf: Gefahren im Wald

Beachten Sie die aktuelle Witterung – Aufenthalte bei Sturm oder Gewitter sind gefährlich, da Äste und Stämme herabstürzen können. Werden Sie im Wald von schlechtem Wetter überrascht, sollten Sie beim Verlassen des Waldes auf den Wegen bleiben und keine „Abkürzungen“ durch Waldbestände wählen. Meiden Sie hohe Einzelbäume, hier besteht Gefahr des Blitzeinschlags.

Achten Sie darauf, wohin Sie treten und was in Ihrer Umgebung passiert. Im Wald können unvermittelt Hindernisse oder Gefahrenstellen (Löcher im Wegekörper) auftauchen.

Halten Sie sich unbedingt an Absperrungen bei Forstarbeiten und umgehen Sie gesperrte Bereiche weiträumig, da innerhalb dieser Lebensgefahr herrscht. Klettern Sie nicht auf gelagertes Holz und lassen Sie auch Ihre Kinder keinesfalls auf den sogenannten „Holzpoltern“ spielen.

Nach einem Waldbesuch sollten Sie sich nach Zecken absuchen, da durch Zecken Krankheiten übertragen werden können. Wurden Sie von einer Zecke gestochen, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf, der Sie auch über die Möglichkeiten einer Zeckenschutzimpfung informiert.

Waldstücke und Waldwege: Betreten, Befahren und Parken

Das Betreten des Waldes zum Zwecke der naturverträglichen Erholung ist jedem gestattet (§ 6 Abs. 1 des Thüringer Waldgesetzes). Dabei soll sich jeder Waldbesucher so verhalten, dass der Wald nicht beschädigt oder verunreinigt, seine Bewirtschaftung sowie die Lebensgemeinschaft nicht gestört und die Erholung anderer nicht beeinträchtigt wird.

Deshalb ist das Betreten von Verjüngungsflächen, Forstkulturen, Holzeinschlagsflächen oder von Holzpoltern verboten. Rad fahren (einschließlich Mountainbiking) ist auf befestigten Wegen und Straßen erlaubt. Reiten und Kutschfahren ist dagegen nur auf gekennzeichneten Wegen und Straßen (Reitwege) gestattet.

Die Benutzung von Waldwegen mit Kraftfahrzeugen ist zur Erfüllung forst- und jagdwirtschaftlicher Aufgaben gestattet. Motorsport im Wald ist grundsätzlich verboten. Zum Parken am Wald suchen Sie bitte den nächstgelegenen ausgeschilderten Parkplatz auf. Parken Sie nicht auf Waldwegen oder an Waldeinfahrten – Sie behindern damit ggf. die Zufahrt von Rettungs- oder Katastrophenschutzfahrzeugen.

Waldbrandschutz: Helfen Sie, Waldbrände zu verhüten

Das Feuer ist ein Feind des Waldes. Gerade in trockenen Frühjahrs- und Sommermonaten oder in großen Nadelholzbeständen ist die Gefahr eines Waldbrandes sehr hoch. Die Gefahren und Auswirkungen eines unkontrollierten Feuers sind vielfältig und verheerend: es vernichtet Rohstoffe und gespeicherte Energie, setzt gebundenes CO2 frei, bedroht Tiere und Pflanzen und raubt Ihnen Nahrung oder den gesamten Lebensraum. Dabei ist die Vermeidung von Waldbränden so einfach, wenn man einige Regeln beachtet:

• Machen Sie keine Feuer außerhalb gekennzeichneter Feuerstellen

Achten Sie beim Verlassen der Feuerstelle darauf, dass das Feuer vollständig gelöscht ist.

Werfen Sie keine brennenden oder glimmenden Gegenstände weg

• Halten Sie das ganzjährige Rauchverbot im Wald ein.

Helfen Sie mit, durch einfaches Befolgen der Hinweise den Wald vor Feuer zu schützen und melden Sie entdeckte Schadfeuer im Wald umgehend per Notruf 112 der zuständigen Rettungsleitstelle. Die Natur dankt es Ihnen.

Informationen zu Wild und Jagd

Der Wald ist voller Tiere, von deren Anwesenheit Waldbesucher im Allgemeinen aber nichts mitbekommen. Wildtiere sind scheu und meiden den Kontakt mit dem Menschen. In einigen seltenen Fällen kann es aber zu einer Begegnung kommen, bei der es einfache Verhaltensregeln zu beachten gilt.

Oberste Priorität ist, das Wildtier niemals anzufassen – egal wie zutraulich es wirkt! Verletzte Tiere können unberechenbar reagieren, Jungtiere mit ‚Menschenduft‘ werden von den Elterntieren verstoßen und tote Tiere können Krankheiten übertragen. Finden Sie ein verletztes Tier, dann melden Sie das bitte dem zuständigen Forstamt, dem Jagdausübungsberechtigten bzw. der Polizei. So wird sichergestellt, dass dem Tier schnellstmöglich geholfen werden kann.

Um einen gesunden Wildbestand zu erhalten, der an die Gegebenheiten des Ökosystems angepasst ist, muss in unseren Wäldern gejagt werden. Egal ob die Jagd als Hobby oder Beruf ausgeübt wird - es muss ein erheblicher Aufwand getrieben werden, um einen artenreichen und zugleich den zivilisatorischen Bedingungen angepassten Wildbestand zu fördern. In den Hauptjagdzeiten sollten Waldbesucher darauf Rücksicht nehmen. Zum Beispiel sollten in der Dämmerung die festen Wege nicht mehr verlassen werden, um das Wild nicht zu beunruhigen.

Hatten Sie einen Verkehrsunfall mit einem Wildtier, versuchen Sie keinesfalls das Tier zu fangen oder mit bloßen Händen zu greifen. Das Mitnehmen eines toten Tieres ist übrigens keine günstige Alternative für den nächsten Sonntagsbraten. Wildtiere – auch tote – unterliegen dem Jagdrecht und das unbefugte Aneignen ist Wilderei und wird somit als Straftat verfolgt.

Wildunfälle: Wie vermeiden und was tun im Ernstfall?

Zur Vermeidung von Wildunfällen, die sich meist durch den Wildwechsel in den Morgen- und Abendstunden ereigenen, wird Autofahrern geraten: Kontrolliert abbremsen, hupen und abblenden, wenn Wildtiere auf der Fahrbahn zu sehen sind. Achtung: Wo ein Wildtier die Straße überquert, folgen oft weitere nach!

Was tun, wenn es zu einem Wildunfall gekommen ist? Die Förster empfehlen: Ruhe bewahren und Polizei oder den Jagdausübungsberechtigten, in der Regel der Jagdpächter, rufen. Ist das Tier tot, einfach warten bis die Polizei eintrifft.

Ist das Tier verletzt und immobil, keinesfalls das Wild durch Streicheln oder Zureden zu beruhigen versuchen. Das Wildtier kann in Panik beißen, um sich treten oder mit dem Gehörn schlagen. Ziehen Sie sich einfach zurück und warten Sie in einigem Abstand. Bitte fahren Sie nicht einfach weiter, sondern stellen Sie das Warndreieck sachgerecht auf.

Durch Unfälle getötetes Wild muss durch die Gemeinden oder die Straßenbauverwaltung entsorgt werden. In der Regel wird dies aber durch den zuständigen Jagdpächter kostenlos erledigt. Im Schnitt fallen hierbei rund 100 € für Transport, Lagerung und Gebühren für die Tierkörperbeseitigung an. Diese Kosten ersparen die Jäger dem Steuerzahler.

Haustiere: Was gilt für Hund und Hauskatze im Wald?

Hunde animieren Ihr Herrchen oder Frauchen zu Ausflügen in die Natur und vielfach ist der Wald Ziel eines ausgedehnten Spaziergangs. Obwohl wir sie vermutlich gar nicht zu Gesicht bekommen, wird die Anwesenheit von Hund und Mensch doch von den Wildtieren registriert. Dies bedeutet für die Tiere immer eine Stresssituation. Nehmen Sie Ihren Hund bitte an die Leine.

Katzen, die gerne mal das Haus verlassen und Ausflüge in Wald und Feld unternehmen laufen Gefahr, zu verwildern. Wildernde Katzen unterliegen dem Jagdrecht. Kommen Katzen unterwegs mit Wildtieren in Kontakt, besteht immer die Möglichkeit einer Krankheitsübertragung. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Tierarzt über geeignete Maßnahmen und Impfungen.

Wildpflanzen, Pilze, Früchte, Beeren & Co.

Im Wald gibt es schier unendlich viele Pflanzenarten und Pilze zu entdecken. Einige von ihnen sind essbar, manche Pflanzen gelten sogar als Arzneimittel. Doch Sie sollten sich Ihrer Sache ganz sicher sein, bevor Sie eine Pflanze oder einen Pilz essen oder auch nur anfassen. Eine Verwechslung kann dramatische Folgen haben! Im Zweifel also lieber auf den Verzehr verzichten – so sind Sie auf der sicheren Seite.

Früchte, Beeren und Pilze können unter Umständen mit Eiern des Fuchsbandwurms infiziert sein. Um das Risiko einer lebensbedrohlichen Infektion auszuschließen, sollten Sie alles Gefundene vor dem Verzehr gründlich waschen und stark erhitzen. Übrigens sind die Fuchsbandwurmeier mit bloßem Auge nicht erkennbar!

Das Thüringer Waldgesetz erlaubt im §15 jedermann, sich Waldfrüchte wie Pilze, Beeren, Zapfen und Nüsse oder Pflanzen wie Kräuter oder Gräser in „geringen Mengen zum eigenen Verbrauch“ anzueignen und Waldpflanzen, die nicht über einen Handstrauß hinausgehen, pfleglich zu entnehmen. Wichtig dabei ist, dass geschützte Pflanzen generell nicht gepflückt werden dürfen und dass Sie auch keine Gipfeltriebe oder Zweige aus Forstkulturen abbrechen.

Entnehmen Sie bitte nur die Pflanzen oder Pflanzenteile, die Sie wirklich mit nachhause nehmen möchten. Denn egal ob giftig oder genießbar, jede Pflanze und jeder Pilz hat seinen festen Platz im Ökosystem Wald.