WaldJagd

Gesellschaftswandel und Jagd

Die Jagd ist eine der ursprünglichsten menschlichen Tätigkeiten. Die Motivation zu jagen hat sich indes in den Jahrtausenden der Entwicklung der menschlichen Kultur verändert.

Stand am Anfang dieser Entwicklung der Nahrungserwerb zur eigenen Existenzsicherung, wurde die Jagd zunehmend ein Betätigungsfeld geistiger und weltlicher Eliten.

Als Hochphase dieser Feudaljagd kann man bei uns in Mitteleuropa das Zeitalter des Barock ansehen. Trotz dieser langen Tradition ist Jagd heute nicht mehr selbstverständlich.

Die zunehmende Urbanisierung (Verstädterung) unserer Gesellschaft führt zu einer fortschreitenden Entfremdung von den natürlichen Lebensgrundlagen und damit auch von der Jagd.

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Warum wir jagen

Wir von ThüringenForst bekennen uns zur Kulturlandschaft Wald – deshalb jagen wir.

In vom Menschen unbeeinflussten Ökosystemen passt sich die Dichte der vorhandenen Wildtiere an die Möglichkeiten an, die der Lebensraum bietet. Ab einer bestimmten Grenze, der sogenannten Kapazitätsgrenze, nimmt die Populationsdichte nicht weiter zu. An dieser Grenze hat sich ein Gleichgewicht zwischen der Vermehrungsrate, der Zuwanderung aus anderen Populationen, der Sterblichkeitsrate, der Prädation durch Beutegreifer und der Abwanderung eingestellt.

In Mitteleuropa haben wir vor mehr als einem Jahrtausend damit begonnen, aus einer Naturlandschaft eine Kulturlandschaft zu formen. Durch jahrhundertelange Nutzung der Wälder durch den Menschen ist aus einem Urwald ein Kulturwald geworden. Es ist der Wald, der heute für unsere Gesellschaft durch planvolle forstliche Bewirtschaftung ein breit gefächertes Spektrum an Nutz-, Schutz und Erholungsleistungen erbringt. Die Gesellschaft formuliert durch ihre Nutzung Ansprüche an die Bewirtschaftung des Waldes.

In der Kulturlandschaft bestimmen menschliche Ansprüche und Ziele die Kapazitätsgrenzen von Rothirschen, Rehen und Wildschweinen. Die Bejagung dieser Wildarten ist der Weg, um die Entwicklung der Kulturlandschaft und die Wildtieransprüche zu koordinieren.

Jagd ist damit kein elitäres Vergnügen, sondern ein verantwortungsvoll wahrzunehmendes Instrument des Naturraummanagements. Sie dient der Gestaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft innerhalb und außerhalb des Waldes.

Der Jagdauftrag

… ist Artenschutz und Investitions- sowie Vermögenssicherung.

ThüringenForst nimmt das Jagdausübungsrecht auf einer Fläche von rund 189.000 Hektar wahr. Oberstes Ziel im Staatswald ist der Aufbau und die Erhaltung einer stabilen und leistungsfähigen Waldkulturlandschaft. Dies ist auch der gesellschaftliche Auftrag. Der Waldzustand zeigt dabei den Erfolg der Jagd.

Die im Wald lebenden Pflanzenfresser ernähren sich zu großen Teilen von den jungen Trieben der nachwachsenden Baumgeneration. In geringem Umfang kann dieser Verbiss auch toleriert werden. Schädlich wird er dann, wenn er eine naturnahe Waldentwicklung behindert. Dies ist der Fall, wenn die Wilddichte im Wald zu hoch wird.

Mit Blick auf die Klimaerwärmung liegt das waldbauliche Augenmerk von ThüringenForst vor allem auf der Sicherung eines Anteils an Mischbaumarten in der nächsten Waldgeneration.

Die Verbissinventuren vergangener Jahre haben gezeigt, dass genau diese Mischbaumarten sehr intensiv vom Wild verbissen werden, so dass ihr angestrebter Anteil am zukünftigen Waldbestand derzeit zumindest in Frage gestellt ist. Mischbaumarten sind Investitionen in die Zukunft des Waldes. Die Jagd muss diese Investitionen sichern.

Die großen Schalenwildarten Rot-, Dam- und Muffelwild schälen die Rinde junger Bäume ab. Baumrinde gehört in gewissem Umfang zum Nahrungsspektrum dieser Wildarten. Bei hohen Wilddichten kann sich die Schäle allerdings zu einem echten Problem für die Stabilität und für den Wert des Waldbestandes entwickeln.

Durch die Schälwunde besiedeln holzzerstörende Pilze den Baum und destabilisieren ihn in seinem Schwerpunkt. Das untere wertvollste Stammstück wird dadurch entwertet und kann nur zu einem deutlich geringeren Preis verkauft werden. Intension der Jagd bei ThüringenForst ist deshalb auch, weitere Vermögensverluste durch Schäle am aufstockenden Bestand zu verhindern.

Die Jagdausübung bei ThüringenForst dient außerdem dem Schutz seltener Arten. So werden in den Gebieten, in denen noch Relikte des Auerhuhns vorkommen und der Bestand durch Aussetzungen stabilisiert werden soll, seine natürlichen Feinde wie Fuchs, Dachs und Marder intensiv bejagt.

Jagdausübung

Wildtiergerecht und professionell - unsere Werte bei der Jagdausübung!

Die Jagdausübung im Staatswald hat eine Vorbildfunktion. Sie orientiert sich insbesondere an den landeskulturellen Erfordernissen, wie sie in den Präambeln von Bundes- und auch Thüringer Jagdgesetz eingefordert werden.

Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt

Die im  Freistaat Thüringen geltenden jagdgesetzlichen Regelungen werden vorbildlich umgesetzt. ThüringenForst setzt bei der Durchführung der Jagd auf intelligente Jagdstrategien. Die neue Dienstordnung Jagd sieht vor, dass Zeiten intensiver Jagdausübung mit langen Ruhephasen wechseln. Zeiten intensiver Jagdausübung orientieren sich an den Aktivitätszeiten des Wildes. In diesen Zeiten soll der Abschuss realisiert werden.

In den Ruhephasen haben alle jagdlichen Aktivitäten zu unterbleiben. Sie sind deckungsgleich mit den bewegungsarmen Phasen im Lebensrhythmus des Wildes und mit den Zeiten der Jungenaufzucht. Wenig Wildbewegung herrscht in den Monaten Juni, Juli und im Hochwinter. Die zeitlich abgestimmte Einzeljagd wird ergänzt durch gut organisierte Bewegungsjagden im Herbst und Frühwinter.

Jagdbeteiligung

Beteiligung von privaten Jägern – bei uns eine Frage des jagdlichen Könnens!

Eine Jagd im Sinne von ThüringenForst ist nur mit Jägern umsetzbar, die entsprechende jagdliche Fertigkeiten besitzen. Ob eine Jägerin oder ein Jäger bei ThüringenForst zur Jagd geht, soll nicht von der Größe des Geldbeutels abhängen, sondern von den jagdlichen Fähigkeiten. Jeder Jäger, der bei ThüringenForst die Jagd ausüben möchte, egal ob Mitarbeiter oder Jagdgast, ist beispielsweise verpflichtet, jährlich auf dem Schießstand seine Schießfertigkeiten unter Beweis zu stellen.

Eine tierschutzgerechte Jagd und damit die Vermeidung von Qualen für das Wildtier ist für ThüringenForst das herausragende jagdethische Primat. Durch Motivationsanreize wird die Attraktivität der Jagdausübung im Staatswald erhöht. Darüber hinaus werden junge Jäger mit interessanten Jagdangeboten angeworben, um bei ThüringenForst den jagdlichen Einstieg zu finden.

Interview zur Jagdausübung

Fakten zur Jagdausübung bei ThüringenForst

Pressesprecher Dr. Horst Sproßmann steht dem OTZ-Journalisten Tino Zippel in einem Interview Rede und Antwort zum Thema Jagdausübung bei ThüringenForst:

Wie viele Jagden veranstaltet ThüringenForst pro Jahr? Wie viele Jagden haben 2014 in den Ostthüringer Landkreisen stattgefunden?

Ich gehe davon aus, dass Sie bei den Jagden Bewegungsjagden, in unserem Fall Ansitzdrückjagden, meinen. In der Regel werden alle Waldflächen der Landesforstanstalt einmal jährlich durch eine Ansitzdrückjagd bejagt.

Die Drückjagden müssen lange vorbereitet werden, da Jäger und Hundeführer eingeladen werden müssen und Absprachen mit den Verkehrsbehörden, Nachbarn und Wildhändlern erforderlich sind. Kommt es durch schlechtes Wetter zu keinem oder geringen Jagderfolg, kann eine zweite Jagd auf der gleichen Fläche angesetzt werden.

Die Jagdintensität durch Bewegungsjagden liegt damit im Rahmen der allgemeinen jagdlichen Praxis. Es werden jährlich ca. 300 Ansitzdrückjagden durchgeführt. Bei einer ThüringenForst-Jagdfläche von 200.000 ha (ThüringenForst ist der flächengrößte Waldbesitzer im Freistaat und nach Sachsenforst der zweitgrößte in Mitteldeutschland) relativiert sich diese Zahl bereits.  

Stimmt es, dass die von ThüringenForst veranstalteten Jagden Treibjagd-Charakter durch Anzahl der Jäger, Einsatz von Hunden und Dauer der Jagd haben?

Dem ist nicht so und diese Vorwürfe werden als unhaltbar zurückgewiesen. Treibjagden sind laut Thüringer Jagdgesetz, mit Ausnahme auf Schwarzwild, verboten. Die Jagd in der Landesforstanstalt wird entsprechend den gesetzlichen Vorgaben auf der Grundlage aktueller wildbiologischer Forschungsergebnisse durchgeführt.

Bei den Ansitzdrückjagden der Landesforstanstalt werden nur Stöberhunde bzw. einzelne Personen zum Beunruhigen des Wildes eingesetzt. Es kommen ausschließlich geprüfte Jagdhunde zum Einsatz, die entsprechend der Thüringer Verordnung zur Feststellung der Brauchbarkeit für Jagdhunde und der Thüringer Richtlinie zur Durchführung der Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde ihre Befähigung zur lauten Jagd bei der Arbeit vor dem Schuss nachweisen konnten.

Bei den bei uns eingesetzten Stöberhundgruppen handelt es sich um einzeln jagende Hunde und nicht um Hundemeuten. Alle Jäger müssen einen Schießnachweis für die Teilnahme zwingend vorweisen. Mit dieser Selbstverpflichtung liegen wir deutlich über den gesetzlichen Standards. 

Die Dauer der Ansitzdrückjagden orientieren sich an der Hauptwildart im Gebiet. Während Jagden auf Rehwild oft nur zwei Stunden dauern, sind Ansitzdrückjagden auf Rot- und Schwarzwild bis zu drei Stunden lang. Sie ist darüber hinaus abhängig von Witterung und Sichtverhältnissen. Dies entspricht der allgemeinen jagdlichen Praxis.  

Warum sind Jagden mit einer so hohen Zahl an Jägern notwendig?

ThüringenForst folgt den Empfehlungen der Wildbiologen und der jagdlichen Praxis. Ansitzdrückjagden sind dann effektiv, wenn sie großräumig und jagdbezirksübergreifend durchgeführt werden. Bei großräumigen Jagden ist eine entsprechende Anzahl von Jägern notwendig.

Die Erkenntnisse der Wildbiologie zeigen, dass eine einmalige Ansitzdrückjagd deutlich weniger Stress beim Wild auslöst, wie die bisherige ständige Präsenz des Jägers in seinem Revier, die Einzeljagd. Diese Erkenntnisse und die Effektivität von Ansitzdrückjagden sind durch die jagdlichen Interessenverbände anerkannt.

Je kleiner die Jagdfläche, umso schneller kann das Wild bei einer Ansitzdrückjagd das bejagte Gebiet verlassen. Die Beunruhigung des Wildes, der Stress für das Wild ist höher, da bei geringen Jagderfolg erneut gejagt werden muss.    

Warum finden flächendeckend Jagden statt und nicht nur in Waldgebieten mit Überbevölkerung?

Die aktuellen forstlichen Gutachten, welche die Verbiss- und Schälschadenssituation bewerten, weisen fast thüringenweit überhöhte Wildbestände aus. Durch überhöhte Wildbestände entstehen Vermögensschäden, wie u. a. Verbiss, Schäle, eine Destabilisierung der Waldbestände, die Minderung der Holzqualität, die Entmischung der Waldbestände (Biodiversitätsverlust).

Darüber hinaus muss das Schwarzwild, welches enorme Schäden in der Landwirtschaft anrichten kann, flächendeckend bejagt werden.     

Wie hoch ist der Anteil an Wildbret, das aus hygienischen Gründen nicht verwertet werden kann, bei den Jagden von ThüringenForst?

2-4 Prozent des Wildes wurden im Jahr 2014 je nach Witterung und anderen Bedingungen einer Jagd nach der amtlichen Fleischbeschau nicht verwertet. Die Landesforstanstalt schätzt diesen Anteil als gering ein.  


Welchen Preis verlangt ThüringenForst für die Teilnahme an den Jagden?

Die Teilnahme an einer Ansitzdrückjagd in der Landesforstanstalt kostet in der Regel 20 Euro. Dieser Preis ist moderat im Vergleich zu anderen Jagdmöglichkeiten. Für Hundeführer und Jäger mit einer bestehenden Jagderlaubnis im jeweiligen Revier ist die Teilnahme kostenfrei.  

Welchen Preis verlangt ThüringenForst für das Wildbret? Stimmt es, dass das Wildbret im Raum Stadtroda teilweise verschenkt wurde?

Die Wildbretpreise orientieren sich am in- und ausländischen Marktgeschehen. Einen belastbaren Durchschnittspreis zu nennen, ist daher schwierig möglich. Man kann jedoch sagen, dass sich der Preis aktuell zwischen 2 und 6 Euro/kg Wildbret bewegt.

Wildbret ist ein hochwertiges Lebensmittel, welches wachsende Beliebtheit bei den Konsumenten gewinnt.  Das Verschenken von zum Verzehr durch den Menschen geeignetem Wildbret ist nicht möglich.  

Warum ergreift ThüringenForst nicht andere Möglichkeiten, die Verbiss- und Schälschäden zu reduzieren?

ThüringenForst nutzt alle Mittel und Verfahren um Verbiss- und Schälschäden zu reduzieren. Die Mittel gehen z.B. von Einzelschutzmaßnahmen von besonders wertvollen Pflanzen, über Zäunung von wertvollen Kulturen bis zur Unterhaltung von Wildwiesen zur Äsungsverbesserung. Bei der Wahl der Mittel müssen jedoch die Verhältnismäßigkeit und die jeweiligen Kosten gewahrt bleiben.

Ein besonders wichtiger Baustein ist das Jagdruhe- bzw. Jagdintervallkonzept der Landesforstanstalt. ThüringenForst hat freiwillig die Jagdzeiten auf das Wild deutlich verkürzt. Damit wird dem Wild in den Wintermonaten und in der Zeit der Jungenaufzucht mehr Ruhe gegeben. Stress durch andauernde Einzeljagd von Jägern wurde als ein bedeutender Auslöser von Verbiss- und Schälschäden erkannt.

Durch die Landesforstanstalt wurden zur Untersuchung dieser Zusammenhänge zwei wichtige Projekte im Thüringer Wald ins Leben gerufen. Im Forstamt Neuhaus wurde das Jagdruhekonzept beim Rotwild untersucht. Dieses Projekt läuft seit einigen Jahren sehr erfolgreich. Gejagt wird hier nur an zwei Wochenenden im Jahr und bei einer Ansitzdrückjagd.

Ein weiteres Projekt, das Projekt „Waldumbau der Hoch- und Kammlagen“, beschäftigt sich mit einer ähnlichen Zielsetzung im Bereich des Forstamtes Oberhof.

- Ende des Interviews -

 

Kontakt

ThüringenForst
Dr. Horst Sproßmann
Hallesche Straße 16
99086 Erfurt

Telefon: 0361 37898-90
E-Mail: horst.sprossmann@forst.thueringen.de