WaldDialog - Fragen Sie uns!

Unsere Waldbau-Experten des Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum von ThüringenForst (FFK Gotha) stehen mit Ihnen im WaldDialog.

In unserem Frage-Portal haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Thema Waldumbau direkt an ThüringenForst zu senden. Nach der Bearbeitung durch unser Experten-Team vom FFK Gotha werden Ihre Fragen inklusive Antworten auf dieser Website veröffentlicht.

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Hat der Waldumbau Einfluss auf die Tierwelt?

Guten Tag,

Sie schreiben hier, dass der Waldumbau eine Veränderung bei der Waldstruktur bewirken soll. Dazu sind waldwirtschaftliche Eingriffe notwendig. Wie muss ich mir das vorstellen und werden dabei auch die Tiere mit beeinträchtigt? "Waldumbau" klingt, als würde ThüringenForst mit der Abrissbirne in den Wald fahren, um die Fichten platt zu machen oder alles niederfällen.

Da würden ja dann auch die Tiere in Mitleidenschaft gezogen, durch die ganzen Umbauarbeiten, die Sie da im Wald verrichten? Um Antwort wird gebeten.

R. Nauenrieder, Erfurt

Sehr geehrter Herr Nauenrieder,

Sie sprechen mehrere Aspekte an, ich möchte versuchen, sie einzeln zu beantworten. Die forstlichen Maßnahmen zum Waldumbau sind sehr verschiedenartig, allen gemeinsam ist eine Vermeidung von großen Störungen für das Waldökosystem mit seinen Tier- und Pflanzenarten. Wir nehmen also keine Kahlschläge vor, die quasi wie eine forstwirtschaftliche „Abrissbirne” wirken würden.

Mit der Pflanzung kleiner, junger Bäume und der Saat werden die Grundlagen für die zukünftigen Wälder geschaffen. Dies erfolgt in den noch vorhandenen, älteren Baumbestand, so dass die jungen Pflanzen im Schutz der alten Bäume aufwachsen können.

Erst wenn die jungen Bäume alt genug und robust genug sind (z. B. gegenüber Frost), werden schrittweise, d.h. verteilt über viele Jahre, die alten Bäume geerntet. Dies passiert so langsam, dass dem Waldbesucher kaum auffällt, dass sich der Wald verändert. Sowohl Saat als auch Pflanzung erfolgen mit der Hand oder mit einfachen, kleinen Maschinen.  

Für die Tiere im Wald sind die derzeitigen Wälder, die fast nur aus Fichte bestehen, ein monotoner Lebensraum mit einem eingegrenzten Nahrungsspektrum. Durch die Entwicklung eines Bergmischwaldes aus vielen, verschiedenen Baumarten mit unterschiedlichen Entwicklungsphasen, also alten und jungen Bäumen, entstehen Waldstrukturen mit lichten sonnigen Bereichen und schattigen, dickungsartigen Bereichen, mit einem breiten Nahrungsspektrum.

Wenn man bedenkt, dass auch die Kräuter und Gräser in einem Fichtenwald von Natur aus wesentlich artenärmer sind, aber in einem Bergmischwald viele verschiedene Pflanzen auch am Boden wachsen (also nicht nur die Bäume), kann man sich vorstellen, dass dies gut für die Tierarten im Wald, angefangen bei den Insekten über die Vögel bis zum Rot- und Rehwild und dem Schwarzwild.

Mit freundlichen Grüßen

ThüringenForst

Warum werden fremdländische Baumarten eingesetzt?

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Waldumbauprogramm werden fremdländische Baumarten eingesetzt? Warum ist das notwendig, wenn es doch zahlreiche einheimische Baumarten gibt?

I. Müller, Jena

Sehr geehrte Frau Müller,

Von Natur aus wäre der Thüringer Wald ein so genannter Bergmischwald, der sich aus verschiedenen Baumarten zusammen setzt. In erster Linie wären das Fichte, Rotbuche, Weißtanne, mit eingemischten Ebereschen, Bergahorn, Birke, vielleicht auch mal einer Lärche oder einer Gemeinen Esche.

Dieser Bergmischwald ist das Ziel für das Waldumbauprogramm – also die Initiale für einen natürlichen Bergmischwald zu schaffen (da im Wald alles sehr lange dauert, können wir heute nur eine Entwicklung "anschieben", daher spreche ich von Initialen).  

Da wir nicht genau abschätzen können, wie drastisch sich der Klimawandel in den kommenden 100, 150 oder 200 Jahren auf unsere Wälder auswirken wird, wir aber bereits heute feststellen müssen, dass die Klimaänderungen zu deutlichen Veränderungen auch in unseren Wäldern führen, müssen wir auch vereinzelt und wohlbedacht nicht heimische, aber standortsgerechte, also für unsere Böden geeignete Baumarten nutzen, die robuster beispielsweise gegenüber Hitze und Trockenheit sind.

Ein Beispiel hierfür ist die Douglasie, auch Douglastanne genannt, die vor der Eiszeit auch in Europa vorkam, aber dann verschwunden ist und vor über 200 Jahren wieder nach Europa von Nordamerika eingeführt wurde. In dieser langen Zeit hat man viele Erfahrungen gesammelt und man kann die Douglasie heute ohne Bedenken als Mischbaumart auch in unseren Wäldern anpflanzen.

Mit freundlichen Grüßen

ThüringenForst

Warum sollen Fichten nicht mehr gut genug sein?

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

ich lebe jetzt seit über 70 Jahren hier im Thüringer Wald, der für mich ein richtiger Fichtenwald ist.

Früher bin ich immer mit meinem Vater raus in den Wald gegangen, vor allem in den schlechten Zeiten, weil wir dort Holz und Pilze fanden. Die Fichten die dort stehen sind doch gute Bäume! Die lieferten uns früher Holz und es hat sich niemand aufgeregt, dass die Bäume nicht ausreichen!

Warum sollen jetzt auf einmal andere Bäume her und der Wald wie Sie schreiben „umgebaut“ werden?  

Mit freundlichen Grüßen aus dem Thüringer Wald,

K. Becker

Sehr geehrter Herr Becker,  

die Fichte ist derzeit eine der wichtigsten Baumarten für die Holzwirtschaft und dies wird sie auch noch für viele Jahre bleiben. Aber gerade die Fichte als so genannter Flachwurzler ist sehr sturmgefährdet. Auch haben sich Insekten und Pilze oftmals auf einzelne Pflanzenarten, auch Bäume, spezialisiert, so wie der Borkenkäfer, der bei uns fast ausschließlich Schäden an der Fichte verursacht.

Generell kann man sagen, dass ein Wald, der nur aus einer Baumart besteht, viel risikoanfälliger ist. Durch die Ergänzung mit verschiedenen anderen Baumarten wird der Wald stabiler, salopp gesagt: „Wer streut – also das Risiko auf mehrere Baumarten verteilt, rutscht nicht – läuft also nicht so sehr Gefahr, Schaden zu erleiden!“

Da andere Baumarten zum Bespiel tiefere Wurzeln als die Fichte ausbilden, erschließen sie den Boden besser und stabilisieren ihn. Auch ist ein gemischter Wald artenreicher, denn jede weitere Baumart bringt auch eine andere Flora und Fauna mit sich, so dass beispielsweise auch Arten als natürlichen Gegenspieler zu den Schädlinge bessere Lebensbedingungen finden.

Aus diesen Gründen ist die Mischung ein Garant für langfristig stabile Wälder – und zu dieser Mischung zählt auch die Fichte.

Mit freundlichen Grüßen

ThüringenForst

Wird das Waldumbau-Projekt auch über die Grenzen Thüringens ausgedehnt?

Hallo Waldumbau-Team,

neulich auf der Messe habe ich euren Förster-Stand gesehen. Erstmal: coole Sache. Dehnt ihr euer Waldumbau-Projekt auch auf andere Wälder aus, oder beschränkt sich das nur auf Thüringen?

Grüße an euch,
P. Klinker, Erfurt

Sehr geehrter Herr Klinker,  

vielen Dank für das Lob. ThüringenForst trägt die Verantwortung für den Staatswald im Freistaat Thüringen. Dementsprechend kann ThüringenForst auch nur Waldumbaumaßnahmen im Staatswald in Thüringen umsetzen.

Für andere Waldbesitzer in Thüringen wollen wir beispielgebend sein, wir beraten andere Waldbesitzer gern und unterstützen sie bei ihren Bestrebungen, für ihre Enkel und Urenkel einen stabilen, zukunftsfähigen Wald zu erhalten und zu entwickeln.

Auch in anderen Bundesländern laufen Programme zum Waldumbau, da auch dort im 19. und 20. Jahrhundert eine Waldbewirtschaftung stattfand, die aus heutiger Sicht in Zeiten der Klimaveränderung nicht mehr zukunftsfähig ist. Dort sind andere Landesforstbetriebe und Forstverwaltungen zuständig.

Mit freundlichen Grüßen

ThüringenForst

Warum lassen wir nicht der Natur freien Lauf?

Sehr geehrte Waldforscher,

beim Thema Waldumbau drängt sich mir immer wieder die Frage auf, ob wir nicht der Natur ihren Lauf lassen sollen. Der Wald regeneriert sich doch von selbst und passt sich somit den natürlichen Gegebenheiten und auch dem Klimawandel an ...

Anonym

Sehr geehrte Fragestellerin / sehr geehrter Fragesteller,

Sie haben grundsätzlich recht: Wald wächst auch ohne den Förster und auch ohne unser Dazutun würden sich die Wälder verjüngen, würden also auch neue Bäume wachsen.

Aber mindestens zwei Dinge sprechen trotzdem, dass wir sorgsam und bedacht unsere Wälder pflegen und bewirtschaften. Erstens haben wir Erwartungen an das Holz und dessen Qualität für die Verarbeitung zu hochwertigen, langlebigen Holzprodukten Diese können wir nur erreichen, wenn wir durch Pflegeeingriffe das Wachstum der guten Bäume gezielt fördern.

Der zweite Grund ist der Klimawandel: Er läuft schneller ab, als die Natur sich an die neuen Bedingungen anpassen kann. Wenn überall nur Fichten wachsen, dauert es viele Jahrzehnte, bis auch mal eine Buche oder eine Eberesche oder gar eine Weißtanne im Wald aufwächst, da die Samen der Bäume immer nur über kurze Entfernungen vom Wind oder den Tieren transportiert werden.

Durch die gezielte Pflanzung der ursprünglich auch dort wachsenden Baumarten verschaffen wir dem Wald einen kleinen Vorsprung, um vitale, wuchskräftige Bäume auch von Baumarten, die robust gegenüber Klimaänderungen sind, entstehen zu lassen.


Mit freundlichen Grüßen

ThüringenForst