Das Projekt - Kurz gefasst

Projekttitel
Retrospektive Analyse witterungsbedingter Extremereignisse, großflächiger Störungen und waldbaulicher Strategien – Ein Lehrstück für zukünftige Handlungsempfehlungen in den Modellregionen Thüringer Wald und Erzgebirge (RetroWald)

Ziele
Analyse historischer Großschadereignisse und Ableitung waldbaulicher Strategien für zukünftige klimabedingte Störungen.

Gefördert durch:

Förderkennzeichen
2219WK05A5

Laufzeit
01.09.2021 – 28.02.2025

Projektgebiet
Modellregionen Mittlerer Thüringer Wald & Sächsisches Erzgebirge

Projektbeschreibung

Großschadereignisse wie Sturm, Schnee, Trockenheit oder Borkenkäfer haben die Waldentwicklung in den deutschen Mittelgebirgen seit Jahrhunderten geprägt. Angesichts des Klimawandels stellt sich die Frage, inwieweit historische Erfahrungen und forstliche Reaktionsstrategien als Orientierung für heutige und zukünftige Anpassungsmaßnahmen dienen können. Die Analyse zeigt, dass Extremwetterlagen bereits früher zentrale Herausforderungen waren – und dass damalige Entscheidungen wertvolle Erkenntnisse für die heutige Waldbewirtschaftung liefern.

Zentrale Zielstellungen

  1. Aufarbeitung historischer Quellen, die Großschadereignisse seit ca. 1800 dokumentieren.
  2. Analyse waldbaulicher und technischer Reaktionen im historischen Kontext – einschließlich forstlicher Praxis, Politik und Wissenschaft.
  3. Bewertung historischer Bewältigungsstrategien, ihrer Wirksamkeit, Risiken und Bedeutung für heutige forstliche Entscheidungen.
  4. Wissenstransfer, u. a. für regionale Interessengruppen, politische Diskussionen und die forstliche Aus- und Fortbildung.

Wissenschaftliche Fragestellungen

  • Inwiefern kann forstliches Wissen aus vergangenen Großschadereignissen zur Ableitung zukünftiger Strategien beitragen?
  • Welche Maßnahmen wurden historisch umgesetzt und wie wirkten sie langfristig?
  • Welche Faktoren führten dazu, dass bestimmte Erkenntnisse nicht oder nur teilweise in die Praxis übergingen?

Anwendung/Relevanz/Nutzen für ThüringenForst/Gesellschaft/Wissenschaft

Die gewonnenen Erkenntnisse stärken die Entscheidungsgrundlagen für klimaangepasste Waldentwicklung in Thüringen. Historische Reaktionsmuster zeigen, welche Maßnahmen unter ähnlichen Bedingungen erfolgreich oder weniger erfolgreich waren. Damit profitieren Forstpraxis, regionale Planung, Wissenschaftsdisziplinen sowie politische Entscheidungsprozesse gleichermaßen.

Methodik & Untersuchungsdesign

Methodischer Ansatz

Die Analyse stützte sich auf historische Klimaaufzeichnungen, regionalisierte Klimaszenariendaten sowie umfangreiche Archiv- und Literaturrecherchen. Ziel war es, Witterungsextreme in historischen Datenreihen zu identifizieren und sie mit waldbaulichen Reaktionen der jeweiligen Zeit zu verknüpfen. Parallel erfolgte eine systematische Auswertung forstwissenschaftlicher Werke, Akten und Zeitdokumente.

Datenerhebung / Auswertung

Recherchiert wurde u. a. in folgenden Einrichtungen:

  • Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (GUK)
  • Gemeinsamer Verbundkatalog (GVK)
  • Karlsruher Virtueller Katalog (KVK)
  • JSTOR
  • MDZ der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Universitäts- und Landesbibliothek Jena (UrMEL)
  • Staatsarchive Thüringen, Sachsen & Bayern
  • Forstämter und regionale Chroniken

Besonders wertvoll waren Visitationsberichte und zeitgenössische Forstakten, die Augenzeugenberichte und unmittelbare Schadensanalysen enthielten

Untersuchungsflächen

  • Mittlerer Thüringer Wald
  • Sächsisches Erzgebirge

Beide Regionen zeichnen sich durch eine lange Fichtennutzung und wiederkehrende Extremwetterereignisse aus.

Projektbeteiligte

  • Georg-August-Universität Göttingen, Geographisches Institut, 37077 Göttingen
  • TU Dresden, Professur für Waldbau, 01737 Tharandt

Wissenstransfer

Innerhalb des Projekts wurde eine Routine zur Aufbereitung historischer DWD-Klimadaten, die anschauliche Diagramme ermöglicht entwickelt und für Fortbildung und Praxis genutzt werden kann. Gleichzeitig entstand eine umfassende Literatursammlung zu historischen Schadereignissen in beiden Modellregionen.

Außerdem wird ein virtueller Bildwanderpfad aufgebaut, der historische und aktuelle Bildpaare gegenüberstellt und waldhistorisch relevante Orte veranschaulicht.

Ergebnisse

Der historische Vergleich zeigt:

  • Forstpraktiker entwickelten schon früh vielfältige Strategien zur Bewältigung von Störungen (Schirmstellungen, stabile Waldränder, Baumartenmischungen).
  • Heute treten Schäden häufiger und großflächiger auf – die Auswirkungen des Klimawandels übersteigen historische Muster deutlich.
  • Die Modellregionen unterscheiden sich in ihren Gefährdungslagen:
    • Thüringer Wald: stärkere Dürre, Niederschlagsdefizite, großflächige Störungsflächen.
    • Sächsisches Erzgebirge: höhere Bedeutung von Nassschneeereignissen; zukünftig aber ebenfalls zunehmende Extremniederschläge.
  • Viele historische waldbauliche Maßnahmen wurden nur kurzzeitig umgesetzt, sodass langfristige Bewertungen oft schwierig sind.

Insgesamt bestätigt sich, dass historische Erkenntnisse wertvolle Orientierung bieten – gleichzeitig aber an heutige klimatische und waldbauliche Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.

Impressum - Kontakt

ThüringenForst - Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha

Projektleitung:

Ingolf Profft
ThüringenForst – FFK Gotha
E-Mail: ingolf.profft(at)forst.thueringen.de
Telefon: +49 3621 225 - 152