Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum (FFK Gotha)

Das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha stellt verschiedene Dienstleistungen für den Staatswald, den Körperschaftswald und die privaten Waldbesitzer sowie für Politik, Wirtschaft und Bevölkerung bereit.

Waldinventuren, Waldplanung, Waldinformationen

Wir erarbeiten die mittelfristigen naturalen Produktionsgrundlagen für die Steuerung des Staatswaldes und der Forstbetriebe des Körperschaftswaldes auf der Grundlage der Ziele des Waldbesitzers. Diese naturalen Produktionsgrundlagen sind in den Forsteinrichtungswerken niedergelegt und basieren auf einer Waldinventur und einer darauf aufbauenden waldbaulichen Planung. Das Forsteinrichtungswerk liefert gleichzeitig forstfachliche Grundlagen für die Managementpläne in N2000-Gebieten - hier in den Fachbeiträgen Wald - als Dienstleistung für die Waldbesitzer. Das bedeutet:

  1. Zeitnahe, stichtagsbezogene Erstellung von Forsteinrichtungswerken im Staats- und Körperschaftswald mit anschließender Kontrolle der Nachhaltigkeit bei gleichzeitiger Erfassung von Natura 2000-Merkmalen und Fortschreibung der Waldbiotopkartierung im öffentlichen Wald (gebundenes Verfahren) mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Bereitstellung der entsprechenden Daten, Auswertungen und Kartenwerke für die jeweiligen Waldbesitzer

  2. Synchronisierung, Bündelung und Durchführung der Biotopkartierung für alle Waldbesitzer - so auch des Privatwaldes - mit der Forsteinrichtung in der Weise, dass beides möglichst zur gleichen Zeit und am gleichen Ort abläuft. Insgesamt ist eine Fläche von jährlich 25.000 ha abzuarbeiten. Die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung werden in Form von Daten und Karten sowie als Internetpräsentationen veröffentlicht.

  3. Fachliche Prüfung der Forsteinrichtungswerke für private Waldbesitzer auf Gesetzeskonformität und Nachhaltigkeit.

  4. Wir führen und pflegen ein landesweites Waldverzeichnis mit allen Flächen, die Wald im Sinne des Gesetzes sind. Damit sichern wir die Informationsgrundlage zum Erhalt und zur Mehrung des Waldes in Thüringen, die bei vielen Behörden, Planungsträgern und Politik genutzt wird.

  5. Erarbeitung, Abstimmung und Veröffentlichung der Fachbeiträge Wald als Teil des Managementplans für N-2000 Gebiete unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Waldbiotopkartierung als Dienstleistung für alle Waldbesitzer.

Wir führen regelmäßig landesweit die Inventur aller Waldwege durch und erarbeiten Walderschließungspläne, die eine optimale technologische und touristische Erschließung des Waldes unter Berücksichtigung der naturschutzfachlichen Anforderungen in allen Eigentumsarten sichert.

Neben den Planungsdaten für die Waldbesitzer werden dabei auch die Navigations- und Logistikdaten insbesondere für die Waldbesitzer, Holzindustrie und Behörden mit Sicherheitsaufgaben zur Verfügung gestellt. Die Nutzung der Waldwege für verschiedene Formen der Erholung im Wald wird im Rahmen des Projektes Forsten und Tourismus erhoben und in Abstimmung mit den Waldbesitzern geplant. Die landesweite Informationen über Wander-, Reit-,Rad- und Ski-Wege stehen der breiten Öffentlichkeit, der Tourismuswirtschaft und Kartenverlagen im Internet oder in Form von Karten bzw. digitalen Daten zur VerfügungWir führen die turnusmäßige Aktualisierung der Waldfunktionskartierung, forstlicher Rahmenplanung, Rettungskette Forst und versorgen Behörden und Öffentlichkeit mit entsprechenden Daten und Karten.

Auf Grundlage der vorhandenen Daten über den Wald und unter der Nutzung der modernen Analysemethoden und Verfahren erarbeiten wir Analysen und Konzeptionen für verschiedene den Wald betreffende Fragestellungen und entwickeln neue Verfahren und Techniken zur effizienten Nutzung dieser Informationen.

Im Rahmen unserer Ausbildungskompetenzen führen wir Schulungen zu verschiedenen forstlichen und waldökologischen Themen durch und bieten Studenten verschiedenster naturwissenschaftlicher und technischer Fachrichtungen interessante Praktikumsplätze sowie innovative und praxisbezogene naturwissenschaftliche Themen für Bachelor, Master und Diplomarbeiten an.

Waldschutz

Schwerpunktaufgabe des klassischen Waldschutzes ist es, die Wälder Thüringens vor bestandesbedrohenden Schäden durch Schaderreger, insbesondere durch Insekten und Pilze zu bewahren. Im Dienst aller Waldbesitzarten übernimmt ThüringenForst die Überwachung, Diagnose und Prognose der möglichen Populationsentwicklung dieser Schadorganismen.

Zentrales Element der Überwachungsmaßnahmen sind der Waldschutzmeldedienst sowie spezielle mehrstufige Monitoringverfahren für die wichtigsten Forstschädlinge. In Auswertung der Überwachung empfiehlt das Referat Maßnahmen der Vorbeugung und Bekämpfung.

Nähere Informationen hierzu erhalten Sie in der Rubrik WaldZustand unter den Begriffen Waldschutzmeldewesen und Forstschutzinformationen.

Forstliches Umweltmonitoring

Aufgabe des forstlichen Umweltmonitorings ist die Erfassung und Aufbereitung von Daten, die den Gesundheitszustand des Waldes beschreiben. Im FFK Gotha wird die landesweite Waldschadenserhebung gesteuert, die Bodenzustandserhebung durchgeführt sowie Messstationen im Wald betreut.

Weitere Informationen zum forstlichen Umweltmonitoring sind in der Rubrik WaldZustand und unter den Begriffen Waldschadenserhebung, Bodenzustandserhebung und Intensivmonitoring abrufbar.

Standortserkundung

Natürliche Faktoren, die das Wachstum der Baumarten bestimmen, sind das Klima, der Boden und der Wasserhaushalt.

Diese Parameter sind in den einzelnen Waldregionen Thüringens sehr unterschiedlich ausgeprägt. Aufgabe der forstlichen Standortserkundung ist es, diese Unterschiede herauszustellen und Flächeneinheiten mit ähnlichen Wachstumsbedingungen, die sogenannten Standortseinheiten, abzugrenzen.

Ergebnis der Standortserkundung ist ein Kartenwerk, das den örtlichen Wirtschaftern als Grundlage für waldbauliche Entscheidungen dient. Waldbesitzer, Planungsträger, Behörden und andere Nutzer können die Ergebnisse der Standortskartierung in Form von Karten und Daten nutzen.

Waldökologie

Das Themengebiet Waldökologie im FFK Gotha umfasst ein breit gestecktes Aufgabenspektrum. Hierzu zählt unter anderem die Erarbeitung waldbaulicher Grundlagen für die forstliche Praxis, der Schutz und die Erhaltung seltener Baumarten, die Unterhaltung und Pflege von Versuchsflächen zur Anbaueignung bestimmter Baumarten sowie die Anlage und Betreuung von Versuchsflächen, auf denen bestimmte Waldbautechniken angewendet wurden.

Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt im Referat ist die Erhaltung der forstlichen Genressourcen. Unter dieser wird die Konservierung besonders erhaltenswerter Erbinformationen von einzelnen Waldbäumen und ganzen Beständen bezeichnet. Dies geschieht zum Beispiel durch die Gewinnung des Saatgutes von wertvollen Einzelbäumen, die sich aufgrund der räumlichen Entfernung voneinander nicht mehr bestäuben können.

Das geerntete Saatgut wird dann in der Baumschule angezogen und anschließend in Saatgutplantagen ausgepflanzt. Durch das Referat Monitoring und Klima werden gegenwärtig 13 Generhaltungsplantagen betreut. Weitere 11 befinden sich im Aufbau.

Zudem nimmt das FFK Gotha Monitoringaufgaben im Bereich Wildökologie wahr. So wird zum Beispiel durch das Referat im dreijährigen Turnus die alle Waldbesitzarten umfassende Verbiss- und Schälinventur koordiniert.

Waldwachstum

Die Waldwachstumskunde ist eine der ältesten Forschungsdisziplinen der Forstwissenschaft. In ihrem Zentrum steht die Erforschung des Wuchsverhaltens von Einzelbäumen und Waldbeständen durch die Erfassung quantitativ und qualitativ messbarer Wuchsparameter.

Mit Hilfe waldwachstumskundlicher Forschung lässt sich zudem der Einfluss der waldbaulichen Behandlung wie auch von Umweltveränderungen auf das Wachstum der Wälder darstellen.

Die Waldwachstumsforschung im FFK Gotha beschäftigt sich unter anderem mit dem Wuchsverhalten von Einzelbäumen und Beständen unter bestimmten waldbaulichen Voraussetzungen. Dadurch sollen Entscheidungshilfen für die örtlichen Wirtschafter generiert werden.

Zukünftig soll in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen die Verwendung von Wachstumsmodellen zur Simulation waldbaulicher Strategien Gegenstand der ertragskundlichen Arbeit am FFK Gotha sein.

Forstsaatgut

Dem FFK Gotha ist die Forstsaatgutberatung mit der dazugehörigen Staatsklenge in Fischbach zugeordnet. In erster Linie versorgt letztere den Landeswald Thüringens und somit die landeseigene Forstbaumschule in Breitenworbis mit hochwertigem und herkunftsgerechtem Saatgut.

Dies geschieht von der Ernte an beginnend bis zur Bereitstellung des aufgearbeiteten und verkaufsfähigen Saatgutes mit eigens ausgebildetem Personal.

Zum Aufgabenportfolio in diesem Themengebiet zählen auch die Anlage und Pflege von Samen- und Generhaltungsplantagen.

Zu den hoheitlichen Aufgaben dieses Aufgabenbereiches gehören die Beratung aller Waldbesitzer bezüglich des forstlichen Saat- und Pflanzgutwesens sowie die Zulassung und die Registrierung von geeigneten Erntebeständen.

Naturwaldforschung/Umweltbildung

Das FFK Gotha übernimmt die wissenschaftliche Dauerbeobachtung der Naturwaldparzellen in Thüringen. Diese ausschließlich im Staatswald liegenden Waldschutzgebiete repräsentieren die in Thüringen vorkommenden Standorte und Waldgesellschaften.

Diese Referenzflächen für Waldbewirtschaftung und Waldnaturschutz bleiben ihrer natürlichen Entwicklung überlassen. Hier wird auf forstliche Eingriffe jeglicher Art verzichtet. Die Entwicklung hin zum ‚Urwald von morgen‘ wird durch Waldstrukturuntersuchungen sowie faunistische und floristische Aufnahmen abgebildet und gibt den forstlichen Praktikern schon heute Hinweise für die naturnahe Waldbewirtschaftung unserer Wälder von morgen.

Der wissenschaftliche Focus im forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum liegt auf Waldbewirtschaftung und Holznutzung, Nachhaltigkeit und Klimawandel. Neben dem Schwerpunkt der wissenschaftlichen Bearbeitung dieser Themen soll dieses Wissen auch der Gesellschaft transparent gemacht werden. Dazu gibt es Bildungsangebote für schulische Einrichtungen und Multiplikatoren wo dieses Wissen zielgruppengerecht transportiert wird.

Klimaschutz/Klimafolgen

Am FFK-Gotha werden Waldbesitzer über räumlich differenzierte Klimarisiken informiert und komplexe Anpassungsstrategien an den Klimawandel explizit für die Wälder im Freistaat Thüringen entwickelt. Andererseits haben Wälder eine Schlüsselfunktion bei der Bindung und Vermeidung von Treibhausgasen, insbesondere dem Kohlendioxid. Bilanzen hierzu ermittelt das FFK-Gotha mit Hilfe aktueller Waldinventuren und auf Basis aktuellster Daten zu Holzströmen in Thüringen.

Fischerei

Fischerei hat in Thüringen einen großen Stellenwert. Die rund 180 Betriebe der Binnenfischerei produzieren in Aquakulturanlagen etwa 250 Tonnen Karpfen, 600 Tonnen Forellen und 11 Tonnen Nebenfische. Die Beratung hinsichtlich der Gestaltung der Produktionsstätten sowie der Fördermöglichkeiten ist eine Aufgabe von Thüringenforst. Darüber hinaus engagiert sich das Referat in verschiedenen regionalen und überregionalen Arbeitskreisen. Zum Beispiel besteht die Mitarbeit in diesen Gremien in der Erarbeitung von Grundlagen und Konzepten zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern durch Rekonstruktion oder durch den Einbau von Fischwanderhilfen.

Ein Arbeitsschwerpunkt ist unter anderem die Umsetzung der EU-Aalverordnung. Die Aufgabe besteht darin, Informationen zum Vorkommen des europäischen Aals in Thüringen in Zusammenarbeit mit den Fischerei- und Angelverbänden zu dokumentieren und an die zusammenfassenden Gremien der Einzugsgebiete im Bund weiter zu melden.