Standortsverhältnisse und Waldgesellschaften  

Das Forstamt erstreckt sich über drei Wuchsgebiete. Den größten Teil nimmt dabei der Fränkische Keuper (Itz-Baunach-Hügelland) südlich der Linie Streufdorf-Linden ein.

Das nördlich gelegene Grabfeld gehört als Teil des Wuchsgebietes Fränkische Platte ebenfalls zur Keuperlandschaft.

Das sich an die Fränkische Platte nach Norden anschließende Südthüringisch-oberfränkische Trias-Hügelland wird von der Werra durchflossen und bildet das dritte Wuchsgebiet  (Buntsandsteingebiet um die Werra und Muschelkalkbereiche Richtung Meiningen/Vorderrhön).

Laubwälder prägen auch heute noch vielerorts das Waldbild. Die natürlichen Waldgesellschaften sind Hainsimsen- und Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchen-Wälder mit unterschiedlich starker Beteiligung von Buchen und Edellaubhölzern sowie reiche Buchenwaldgesellschaften im Muschelkalkgebiet.  

Lage und Klima

Die Böden sind durch eine mittlere bis gute Nährstoffverfügbarkeit gekennzeichnet, neigen aber vielerorts zu Wechselfeuchte. Das Forstamt Heldburg liegt im Übergangsbereich von subatlantischen zum subkontinentalen Klima.

Mit Höhen zwischen 200 m und 680 m ü. NN liegt der Großteil des Forstamtsbereiches in der collinen Stufe, die aus dem Gelände herausragenden Gleichberge sind als submontan anzusehen.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ca. 7,5 Grad Celsius, die Jahresniederschlagsmengen zwischen 560 und 700 mm.

Baumartenverteilung und Eigentumsverhältnisse im Forstamtsbereich ansehen (PDF)

bewaldetet Höhenzüge, im Vordergrund Getreidefelder
Gleichberge
Fotos: Nicole Dietz

Schäl- und Verbiss-Inventur im Landkreis Schmalkalden-Meiningen 2016

Gutachten (PDF)

Ergebnisse und Verfahren (PDF)

Schäl-Karte (PDF)

Verbiss-Karte (PDF)

Waldbewirtschaftung

Waldbauliches Ziel von ThüringenForst sind standortsgerechte und strukturierte Wälder, die durch Ungleichaltrigkeit, Stufigkeit und Baumartenvielfalt charakterisiert sind. Die Umsetzung erfolgt durch die Förster, die die Bestände zielgerichtet und regelmäßig durch hochdurchforstungsartige Eingriffe pflegen, Naturverjüngung fördern und nicht standortsgerechte Nadelholzreinbestände langfristig in Mischbestände umwandeln („Waldumbau“).

Bei der Holzernte im Staatswald kommen einerseits eigene Forstwirte mit Motorsägen zum Einsatz, die insbesondere starkes und qualitativ hochwertiges Stammholz einschlagen. Zusätzlich werden zertifizierte Unternehmer beauftragt, die mit hochentwickelten Holzerntemaschinen (Harvester und Forwarder) Holzeinschlag und Rückung effizient sowie boden- und bestandesschonend durchführen. Das Holz empfindlicher Waldstandorte wird mit Hilfe von Pferden gerückt.

Geerntetes Holz aus dem Staats- und Betreuungswald wird beispielsweise an Sägewerke oder als Industrieholz (z. B. für die Papier-, Spanplattenproduktion) verkauft. Qualitativ sehr gute Stämme werden Furnierherstellern angeboten oder über die jährliche Submission der Landesforstverwaltung versteigert. Aber auch Brennholz fällt an und wird überwiegend an die lokale Bevölkerung abgegeben.

Im Staatswald werden jährlich ca. 18.500 Festmeter Holz eingeschlagen. Weitere 60.000 Festmeter stammen aus den beförsterten Kommunal- und Privatwäldern. Insgesamt werden über das Forstamt rd. 80.000 Festmeter Holz vermarktet. Das aus dem Staats- und Kommunalwald stammende Holz erfüllt die PEFC-Standards.

Jagd

Um die waldbaulichen Ziele zu erreichen, müssen die Wilddichten auf einem dem Lebensraum angepasstem Niveau gehalten werden. Besonders die Schäden (v. a. Verbissschäden) an jungen Bäumen versuchen wir so gering wie möglich zu halten. Immerhin bauen diese den Wald von morgen auf.

In den elf Landesjagdbezirken des Forstamtes (etwa 3.300 Hektar) wird die Regiejagd durch die Bediensteten des Forstamts ausgeführt. Auf Ansitz- und Bewegungsjagden werden Reh- und Schwarzwild bejagt. Pro Jahr werden zwischen 350 und 450 Stück Schalenwild erlegt und an den Endverbraucher abgegeben (als ganzes Stück mit Fell und Knochen).

Beratung & Betreuung

Als Gemeinschaftsforstamt und infolge der lokalen Waldbesitzstruktur sind die Beratung und die Betreuung der Waldbesitzer Schwerpunktaufgaben des Personals.

Die Mitarbeiter des Forstamtes stehen den Waldbesitzern zur kostenfreien Beratung zur Verfügung. Um umfassende Betreuungsleistungen in Anspruch zu nehmen, können Beförsterungsverträge abgeschlossen werden.

Diese beinhalten den forsttechnischen Betrieb und/oder die forsttechnische Leitung.

Forstliche Förderung

Für kommunale und private Waldbesitzer stehen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung, die die Waldbewirtschaftung erleichtern.

Fördermittel können z. B. für Erstaufforstungen, den Waldumbau, den forstlichen Wegebau, für die Kalkung von Beständen oder Waldumweltmaßnahmen (wie das Belassen von Alt- und Habitatbäumen) gewährt werden.

Die zuständigen Revierleiter unterstützen die Waldbesitzer bei der Beantragung von Fördermitteln.

Hoheit

Das Forstamt Heldburg ist eine hoheitlich tätige Behörde und u. a. für die Überwachung der Einhaltung des Thüringer Waldgesetzes zuständig. Daher hat es z. B. Forstaufsicht gegenüber allen Waldbesitzern und verfolgt Ordnungswidrigkeiten. Weiterhin kontrolliert es die sachgemäße Verwendung von Fördermitteln.

Naturschutz

Zur Sicherung der Multifunktionalität der Wälder, werden bei der forstlichen Bewirtschaftung auch die Ansprüche des Naturschutzes beachtet. Die dafür erbrachten Maßnahmen reichen von der Bereitstellung von Habitatbäumen in bewirtschafteten Wäldern bis zur Flächenstilllegung.

So befinden sich im Forstamtsbereich zwei Naturwaldparzellen – am Straufhain und am Großen Gleichberg. Weiterhin sind viele Wälder Teil verschiedener Naturschutzgebiete und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH).

Insbesondere durch das Grüne Band, dem ehemaligen innerdeutschen Grenzsteifen, befinden sich im Forstamtbereich viele naturschutzfachlich relevante Flächen, die zum Teil zugunsten des Biotop- und Artenschutzes offen gehalten werden, so dass hier der Waldentwicklung entgegen gewirkt wird.

Umweltbildung

Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung

Für alle am Wald und der Forstwirtschaft Interessierten werden verschiedene Veranstaltungen und Waldführungen angeboten.

Zum „Tag des Waldes“ machen die Mitarbeiter des Forstamtes Heldburg den Wald und die Forstwirtschaft für alle Interessierten erlebbar. Die Veranstaltung für die ganze Familie bietet neben Informationen zu Wald, Holz, Natur und Jagd auch ein kulturelles Rahmenprogramm.Jährlich richtet das Forstamt Heldburg mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Waldjugendspiele für Schulklassen aus.

Auf einem vorbereiteten Rundweg können die teilnehmenden Schüler mit ihrem Waldpaten vom Forstamt den Wald entdecken, sowie ihr Wissen beweisen und ergänzen. Dazu sind an einigen Stationen sportliche Wettbewerbe zu meistern. Hier bekommen die jungen Gäste gezeigt wie wertvoll und lebenswichtig der Wald ist und bekommen somit ein positives Verhältnis zur Natur.

Ausbildung

Im Forstamt werden Forstoberinspektorenanwärter/innen und Forstreferendare/innen ausgebildet. Schüler/innen und Studenten/innen können bei den Revierförster des Forstamtes mehrwöchige Praktika absolvieren.

Besonderheiten

Das Forstamt Heldburg – eine repräsentative Forstamtsliegenschaft mit besonderer Historie

Nach unterschiedlichen Forststrukturen wurde ab 1827 im Herzogtum Sachsen-Meiningen eine moderne Forstverwaltung etabliert.

Um im Heldburger Land eine einzige Oberförsterei zuschaffen, wurde ab 1881 an einem „repräsentativen Forstetablissement“als zentral gelegene Verwaltung gearbeitet. Nach mehreren vergeblichen Anläufen zum Erwerbbestehender Gebäude in Heldburg entschloss man sichzu einem Neubau in der Gemarkung Neuhof (Domäne) an der „Chaussee“ zur Heldburg (heutiger Standort).

Von Beginn an hat sich Herzog Georg II intensiv in die Planungeneingebracht. Regierungs- und Oberbaurat Otto Hoppewurde mit der Planung beauftragt, Landbaumeister KarlRommel führte von 1884-1886 die Bauarbeiten aus. Am 26. Juli 1886 wurde die Oberförsterei „überwiesen“.

In den Jahren 2001 bis 2015 wurde das gesamte denkmalgeschützte Ensemble als modernes Verwaltungs- und Betriebsstätte saniert.

Foto: Katja Wollschläger