Waldbewirtschaftung am Ettersberg

Foto: Andreas Knoll

Ettersberg soll Kulturwald bleiben

Kulturwald ist immer von Menschen gemacht. Deshalb ist der Ettersberg schon jetzt ein Kulturwald. Zu unseren Arbeiten im Wald gehört deshalb auch am Ettersberg die Waldpflege. Bei dieser Waldarbeit werden einzelne, ausgesuchte Bäume gezielt entnommen, um Platz für Licht und neues Leben zu schaffen.

Grundlage für alle unsere Arbeiten ist unter anderem das Thüringer Waldgesetz (PDF). Es unterstreicht zugleich die besondere Allgemeinwohlverpflichtung des Staatswaldes und auch von uns als ThüringenForst siehe Unsere Allgemeinwohlbilanz 2017 (PDF). Gleichwohl ergeben sich im Wald wie auch aktuell am Ettersberg unterschiedliche Interessen.

Diese versuchen wir da wo es geht im Dialog zu lösen. So wurde in den zurückliegenden Jahren immer auch auf die Würde und die besondere Bedeutung dieses Ortes in Zusammenarbeit mit den einzelnen Partnern vor Ort berücksichtigt.

Lichtbaumart Eiche: Waldpflege fördert Eichenverjüngung

Ohne Kulturwald sind die Eichen am Ettersberg gefährdet

Die Wälder in Thüringen und insbesondere auf dem Ettersberg sind stark in ihrer Entwicklung durch den Menschen beeinflusst. Ohne Menschenhand würden hier fast ausschließlich Buchenwaldgesellschaften dominieren. Die Eichenbestände, auch die wertvollen als Saatgutbestände ausgewiesenen Altbestände, sind ein Produkt der Bewirtschaftung durch den Menschen. Die Eiche benötigt als Lichtbaumart forstliche Pflegeeingriffe (Entnahme von Bäumen), um sich in Lichtschächten natürlich verjüngen zu können.

Insbesondere zur Förderung der Eiche sind auch in Zukunft weitere Holzerntemaßnahmen notwendig. Mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Weimar besteht ein intensiver Kontakt, die das Naturschutzgebiet „Prinzenschneise“ betreffenden Einschlagsmaßnahmen wurden abgestimmt. Hier sind Eingriffe vorgesehen, um die Verjüngung der Lichtbaumart Eiche zu fördern.

Rückegassen: Abkehr von der Kahlschlagmethode

Geschützte Arten schätzen Rückegassen: Fledermäuse, Insekten und Molche nutzen Schneisen und Pfützen als Lebensraum

Wir von ThüringenForst haben durchaus Verständnis dafür, dass einige Waldbesucher beim Anblick frischer Rückegassen zusammenzucken. Aber solche Gassen sind schonender, weil die Flächen dazwischen nicht mehr befahren werden, wie noch bis Anfang der 90er Jahre in Thüringen üblich.

Auch ist vieles von den Rückegassen nach rund 2-3 Jahren nicht mehr sichtbar. Rückegassen sind zudem ein Garant für die Abkehr von der Kahlschlagmethode. Was viele unterschätzen: viele Tiere, darunter auch am Ettersberg vorkommende Fledermausarten wie das Große Mausohr, profitieren zudem von den Gassen als Sicht- und Flugschneisen um Beute, bspw. Insekten, zu fangen. Und auch der Kammmolch kann Schneisen und darin liegende Pfützen gut als Lebensraum nutzen, die bestehende Art der Waldbewirtschaftung trägt daher auch zu dessen stabiler Population bei.

ThüringenForst bewirtschaftet die Flächen im Bereich des Ettersbergs/Prinzenschneise im Einklang mit den waldgesetzlichen Vorgaben, den Unfallverhütungsvorschriften, der Rechtsverordnung des Naturschutzgebietes, der FFH Verordnung und wird dabei von der Naturschutzverwaltung kontrolliert.

Arbeitsschutz: Holzerntemaschinen schützen Menschenleben

Wer nach einer Hinwendung zu Pferden und mehr Handarbeit ruft, riskiert die Gesundheit wenn nicht sogar das Leben von Waldarbeitern

Motormanuelle Arbeit (z. B. Fällen von Bäumen mit der Motorkettensäge) ist gefährlicher als maschinelle Holzernte (z. B. mit dem Harvester). Vergleicht man beispielsweise die Unfälle im Bereich der Holzernte bei ThüringenForst von 2012 bis 2017, so gab es rund 250 Arbeitsunfälle davon 2 mit Todesfolge.

Im gleichen Zeitraum gab es in Thüringen weitere 10 Todesopfer im Zusammenhang mit Waldarbeit bei Waldbesitzern und  Forstunternehmern. Dabei aber nicht einen einzigen Unfall  im Zusammenhang mit einem eingesetzten Harvester.

Bei der Waldarbeit kommt heute somit keiner mehr am Harvester vorbei, er ist sicher und zugleich aber auch effektiv. So kommt es zu einer schnelleren Abarbeitung der Waldpflegemaßnahmen und damit zu geringeren Beeinträchtigungen und mehr Sicherheit für die Besucher. Zugleich müssen Waldgebiete nicht lange gesperrt werden.

Lübecker Modell: Methode zur Gewinnung des Nischenproduktes

Die Realisierung des von der Bürgerinitiative „pro Ettersberg“ derzeit favorisierten sogenannten „Lübecker Modells“ ist für ThüringenForst keine Alternative und auch keine Kompromissvariante im Konflikt mit der Bürgerinitiative.

Zunächst ist eine erfolgreiche nachhaltige Erhaltung und Verjüngung von Eichenmischwaldbeständen ohne regelmäßige forstliche Eingriffe zur Begünstigung der Eiche am Ettersberg ausgeschlossen. Somit würde eine Bewirtschaftung nach den Prinzipien des „Lübecker Modells“ mit großer Sicherheit in Konflikt mit den FFH – Erhaltungszielen geraten. Zugleich würde sich mit Einführung des „Lübecker Modells“ der Charakter des Waldgebietes am Ettersberg grundlegend wandeln.

Auch widerspricht das angesprochene „Lübecker Modell“ als Waldbewirtschaftsleitlinie dem waldbaulichen Leitbild von ThüringenForst zur Förderung und Entwicklung eines artenreichen, strukturreichen Dauerwaldes. Von einigen Vertretern des Naturschutzes als zukunftsfähig bezeichnet, findet das „Lübecker Modell“ bei den Forstbetrieben Deutschlands nur in absoluten Ausnahmefällen Nachahmer und wird als „Modethema“ eines Teils der Naturschutzvertreter angesehen.


Warum eignet sich das "Lübecker Modell" für die Bewirtschaftung des Waldes am Ettersberg nicht?

Neben den ökologischen Aspekten gibt es auch einen wirtschaftlichen Aspekt des Lübecker Modells der nicht vernachlässigt bleiben sollte. Die Holzernte beim „Lübecker Modell“ beschränkt sich im Wesentlichen auf die Entnahme einiger weniger Stämme, die als Wertholz vermarktet werden.


Der Markt für Werthölzer ist allerdings ein Nischenmarkt, der nur begrenzt aufnahmefähig ist. Eine stabile Einnahme wäre so zukünftig nicht zu erreichen. Denn ThüringenForst müsste 99 Prozent des Holzeinschlages reduzieren, da es nur rund ein Prozent Wertholz auf der Fläche gibt. Das bedeutet wiederum 99 Prozent der Unternehmerleistung wie auch 99 Prozent des Personals müsste reduziert werden. Das kostet weitere Arbeitsplätze im ländlichen Raum.


"Lübecker Modell" gilt nicht nur in Thüringer Forstpraxis als gescheitert

Das ist auch der Grund, warum die Stadt Lübeck nach massiver Kritik des Landesrechnungshofes von Schleswig-Holstein den Holzeinschlag wieder erhöhte. Das Lübecker Modell gilt seither auch aus finanziellen Gründen als gescheitert. Zumal es die Waldpflege in allen Altersstadien vernachlässigt. Ziel des Lübecker Modells ist somit nur eine Aufwandsminimierung in allen Bereichen. Aus waldbaulicher Sicht für einen baumarten- und strukturreichen Wald in Thüringen, der überwiegend aus Monokulturen entstanden ist, ist eine solche Vorgehensweise unvorstellbar.


Die Auswertung der Online-Petition zeigt: 45 Prozent der unterstützenden Unterschriften wurden von Personen eingereicht, die weit weg wohnten und gar keine Anwohner von Ettersberg sind. (Illustration: ThüringenForst; Icons: © DoRa / Fotolia)

Die Frage nach Petitionstourismus und bürgerlicher Meinungshoheit im ländlichen Raum

Mit Blick auf die hohe Zahl von auswärtigen Unterstützern muss die Frage erlaubt sein, wer in der heutigen Zeit die Gestaltungs- und Meinungshoheit im ländlichen Raum hat. Wer entscheidet oder bestimmt bei Projekten vor Ort mit? Welcher Bürger hat die Gestaltungshoheit im ländlichen Raum?

Durch „Petitionstourismus“ wird ein falscher Eindruck erweckt. Er drückt keine Bürgernähe vor Ort aus. Er ist aber ein Ausdruck einer gewissen Fremdbestimmung von weit außerhalb.

So kommen beispielsweise rund 45 Prozent der Unterstützerunterschrift der Online Petition nicht aus Thüringen. Die der Petition zu Grunde liegende hohe Unterstützerzahl ist somit keinesfalls repräsentativ für den Ettersberg und Umgebung.