Ziel des NATURA-2000-Netzwerks ist es, auf etwa 20 Prozent der Landfläche der EU-Mitgliedsländer gefährdete oder typische Lebensräume und die in diesen lebenden Pflanzen- und Tierarten dauerhaft zu schützen.

Viele Arten kommen oft nur noch auf diesen ausgewiesenen Flächen vor und haben so eine besondere Bedeutung für alle Europäer. Grundlage für die Umsetzung dieses ambitionierten Vorhabens bildet die FFH-Richtlinie (FFH steht für Fauna, Flora und Habitat – also Tiere, Pflanzen und Lebensräume) aus dem Jahr 1992. Darin verpflichten sich die Mitgliedstaaten, NATURA-2000-Gebiete auszuweisen und für diese Maßnahmen zur Sicherung der vorkommenden Arten und Biotope zu treffen.

Auch wenn sich dieser Auftrag also zunächst an die Mitgliedsstaaten richtet, ist die Sicherung der Waldlebensräume und der in diesen lebenden Arten für ThüringenForst Aufgabe und Auftrag gleichermaßen.

Die Sicherung und gegebenenfalls auch die Verbesserung des Zustands dieser Schutzgebiete auf den Flächen von ThüringenForst wird über die periodische Betriebsplanung, die sogenannte Forsteinrichtung, und deren Vollzug durch die Mitarbeiter gewährleistet.

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Gebietskulisse

Gebietskulisse NATURA 2000 in Thüringen

Für den Aufbau des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 hat der Freistaat Thüringen mit Stand vom 1. Juni 2004 insgesamt 212 FFH-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 161.462 Hektar sowie 44 Europäische Vogelschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 230.824 Hektar in Brüssel gemeldet.

Insgesamt umfasst die Fläche der NATURA 2000-Gebiete in Thüringen − unter Beachtung der Überschneidung von FFH-Gebieten und EG-Vogelschutzgebieten − insgesamt 272.268 Hektar. Das entspricht bereits 16,8 Prozent der Landesfläche.

NATURA 2000 und Waldflächen

Waldflächen in den Thüringer NATURA-2000-Gebieten

Den größten Teil der Flächen in den NATURA-2000-Gebieten bedecken Wälder (rund 65 Prozent) Insgesamt sind damit rund 178.112 Hektar Waldfläche als FFH-Gebiete und Europäische Vogelschutzgebiete gemeldet. Fast 50 Prozent der Gesamtbetriebsfläche von ThüringenForst sind  NATURA-2000-Gebiete.

Die Eigentumsverhältnisse bei den Waldflächen in NATURA-2000-Gebieten zeigt folgende Tabelle:

Eigentumsform

Bundeswald

Kommunalwald

Privatwald

Staatswald

Treuhandwald

Unbekannt

WGT-Wald

Gesamt

Fläche in ha

9.761,4

24.256,5

55.516,7

81.276,5

3.853,6

592,3

2.855,5

178.112,4

Prozent

5,5

13,6

31,2

45,6

2,2

0,3

1,6

100,0

NATURA 2000 und Waldwirtschaft

Waldwirtschaft in den NATURA-2000 Gebieten

Die Wälder in den NATURA-2000-Gebieten werden zum überwiegenden Anteil seit langer Zeit forstlich bewirtschaftet. Diese Bewirtschaftung hat zum Teil erst die Ausbildung der schützenswerten Lebensräume ermöglicht. Sie ist in diesen Fällen zu ihrem Erhalt auch unbedingt notwendig.

Die Zielstellung in NATURA-2000-Gebieten besteht im Erhalt bzw. in der Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands der Lebensräume. Auf allen Waldflächen wird die Bewirtschaftung so organisiert, dass dieses Ziel sichergestellt wird. Diesem Anspruch stellt sich ThüringenForst. Unsere Mitarbeiter setzen ihn tagtäglich in ihrer Arbeit um. So stellen wir im Landeswald beispielsweise sicher, dass

  • eine angemessene Anzahl von Alt- und Habitatbäumen in den NATURA-2000-Gebieten als wichtige Strukturen naturnaher Wälder erhalten bleibt

  • bei forstlichen Maßnahmen in den Waldlebensräumen die Baumartenzusammensetzung nicht zu deren Nachteil verändert wird

  • Waldlebensräume nicht durch forstliche Tätigkeiten zerstört werden

  • im Umfeld besonders sensibler Vogelarten während der Brutzeit keine Beunruhigungen durch Forstarbeiten stattfinden

  • bei bekannten Vorkommen von Tier-  und Pflanzenarten mit europäischer Bedeutung durch eine fallweise intensive Abstimmung mit den Naturschutzbehörden Beeinträchtigungen ihrer Lebensräume vermieden werden.

Viele typische Forstarbeiten müssen als sogenannte Projekte im Sinne der FFH Richtlinie vorher auf eine mögliche erhebliche Beeinträchtigung überprüft werden. Der Freistaat Thüringen hat zur Hilfestellung für Waldbesitzer und Behörden eine Positivliste herausgegeben, die Projekte aufführt, die nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen. Diese Liste wird von ThüringenForst verbindlich umgesetzt.

Die Positivliste ist als PDF-Datei verfügbar.

Weitere Infomationen zur Positivliste erhalten Sie unten im Punkt Vorläufige Waldbehandlungskonzepte (VWK) und Positivliste auf dieser Seite.

Fachbeiträge Wald

Erarbeitung der Fachbeiträge Wald

Im Freistaat Thüringen werden Managementpläne nach einem Baukastenprinzip erstellt. Für jedes NATURA-2000-Gebiet gibt es jeweils einen Fachbeitrag für die Offenlandflächen und einen für die Waldflächen. Zuständig für die Erarbeitung der Fachbeiträge Offenland ist die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) in  Jena. ThüringenForst erstellt im Auftrag des TMIL die Fachbeiträge Wald.

Im Fachbeitrag Wald sind für die Waldflächen im NATURA-2000-Gebiet alle erforderlichen Maßnahmen zusammengestellt, die zur Erreichung der gestellten Ziele notwendig sind. Die Arten und Lebensräume von europäischer Bedeutung sollen auf diese Weise erhalten bzw. verbessert werden.

Der Planungsprozess für den Fachbeitrag Wald zeichnet sich durch eine von Beginn an intensive Zusammenarbeit zwischen den Forstämtern, den unteren Naturschutzbehörden und den Waldbesitzern aus.

Neben den Inventurergebnissen der Forsteinrichtung, der Waldbiotopkartierung und anderen behördlichen Informationen zu den vorkommenden Arten werden gezielt ehrenamtliche Gebietskenner und auch Artenspezialisten einbezogen. Die im Rahmen der Forsteinrichtung des öffentlichen Waldes erhobenen NATURA-2000-Daten werden ausgewertet und erscheinen im Fachbeitrag Wald in übersichtlicher und kommentierter Form.

Im Privatwald und im nicht eingerichteten öffentlichen Wald wird der Fachbeitrag Wald auf der Grundlage der Waldbiotopkartierung erstellt. Ab einer bestimmten Forstbetriebsgröße finden Abstimmungen mit den betroffenen Waldbesitzern im Rahmen von Informationsveranstaltungen statt. Diese sollen die Akzeptanz der Planungen auf der Fläche fördern und Änderungs- oder Ergänzungshinweise – nach ihrer Prüfung auf Konformität mit den Erhaltungs- und Schutzzielen – berücksichtigen. Der so mit den betroffenen Waldbesitzern abgestimmte Planentwurf wird anschließend mit den zuständigen Naturschutzbehörden abgestimmt.

Dabei wird insbesondere die Einhaltung der Schutzgebietsbestimmungen und die Berücksichtigung artenschutzrechtlicher Belange überprüft. Fallweise festgestellter Korrekturbedarf wird nachgearbeitet.

Anschließend leitet ThüringenForst den abgestimmten Entwurf, einschließlich der Änderungsprotokolle und der Zustimmungserklärung der Naturschutzbehörde, an das TMLFUN als oberster Forstbehörde weiter. Dieses wiederum übergibt den Entwurf zur endgültigen Bestätigung an die oberste Naturschutzbehörde. Die oberste Naturschutzbehörde bindet zur abschließenden fachlichen Begutachtung die TLUG ein.

Sind alle Hürden genommen, veranlasst die oberste Naturschutzbehörde, dass der endgültig bestätigte Fachbeitrag im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht wird. ThüringenForst macht diesen zusätzlich über das Internet der Öffentlichkeit bekannt und zugänglich.

Der Fachbeitrag Wald als Teil des jeweiligen Managementplans ist eine für die Behörden verbindliche Fachplanung. Für den Privat- und Körperschaftswald hat er empfehlenden bzw. informativen Charakter.

Vorläufige Waldbehandlungskonzepte (VWK) und Positivliste

Da die Erarbeitung der Fachbeiträge Wald über einen längeren Zeitraum erfolgt, wurden übergangsweise vorläufige Waldbehandlungskonzepte und eine sogenannte Positivliste erstellt. Damit wird sowohl für Waldbesitzer und Forstbetriebe als auch für Forst-und Naturschutzbehörden Rechtssicherheit geschaffen.

Positivliste

Im Rahmen der Positivliste hat die Landesforstverwaltung gemeinsam mit der obersten Naturschutzbehörde eine Auflistung solcher forstlicher Maßnahmen vorgenommen, die unter Beachtung der jeweiligen Maßgaben auf keinen Fall zur Verschlechterung des Erhaltungszustandes der Lebensräume und Arten von gemeinschaftlichem Interesse führen.

Für forstliche Maßnahmen, die nicht pauschal als unbedenklich dargestellt sind, ist eine Einzelfallbetrachtung erforderlich – die Einbeziehung der Forst- und Naturschutzbehörden wird hierbei empfohlen. Die Positivliste enthält somit Handlungsempfehlungen grundsätzlicher Art, die für die Bewirtschaftung der Wälder in den Natura-2000-Gebieten Thüringens gelten.
Positivliste (PDF)

Vorläufige Waldbehandlungskonzepte (VWK)

Darüber hinaus wurden für alle Natura-2000-Gebiete vorläufige Waldbehandlungskonzepte angefertigt. Neben einer Auflistung und teilweise auch kartographischen Darstellung der konkreten naturschutzfachlichen Ziele enthalten die Konzepte, die für die jeweiligen Gebiete zutreffenden Aussagen der Positivliste sowie Hinweise zur Förderung von Umsetzungsmaßnahmen im Körperschafts- und Privatwald.

Die Vorläufigen Waldbehandlungskonzepte können Sie bei ThüringenForst als PDF-Dateien anfordern.
Anforderung per E-Mail senden


Kontakt

ThüringenForst
Anstalt öffentlichen Rechts
Sachgebiet Waldnaturschutz, Schutzgebiete
Hallesche Straße 16
99086 Erfurt

Ansprechpartner

Thomas Kallenbach

Telefon 0361 3789879
E-Mail thomas.kallenbach@forst.thueringen.de

Tobias Stichel

Telefon 0361 3789878
E-Mail tobias.stichel@forst.thueringen.de


Anforderung der Daten als PDF

webmaster@forst.thueringen.de