Wir mischen uns ein

Kein Kahlschlag sondern Einzelbaumentnahme! Mit gezielten Eingriffen entnehmen wir Bäume aus den Waldbeständen und  mischen  uns so in den Verteilungskampf um Licht, Wasser und Nährstoffe ein …

Verteilung von Licht, Wasser und Nährstoffen

In Waldökosystemen herrscht ein ständiger Kampf um die Ressourcen Licht, Wasser und Nährstoffe. Diese Konkurrenz führt auch ohne menschliches Zutun zum Absterben konkurrenzschwächerer Bäume und zur Selbstdifferenzierung des Waldbestands.

Natürliche Schadereignisse, wie zum Beispiel Schneebruch oder Sturmwurf, können, sofern sie nicht zu flächigen Freistellungen führen, von der Wirkung her einer Durchforstung gleichkommen. Je angespannter die Wasserversorgung oder die Nährstoffausstattung eines Waldstandorts ist, desto stärker greift die natürliche Auslese. Die Konkurrenzstärksten setzen sich durch.

Mit unseren Eingriffen, bei denen wir gezielt Bäume aus den Waldbeständen entnehmen, mischen wir uns in diesen Verteilungskampf um Licht, Wasser und Nährstoffe ein. Das heißt, wir greifen dieser Auslese vor und lenken Ressourcen und damit den Zuwachs auf die vitalsten Bäume oder helfen konkurrenzschwächeren Mischbaumarten.

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Waldpflege schafft stabile Wälder

Durchforstung ist Waldpflege und führt zu mehr Stabilität im Wald

ThüringenForst hat den Auftrag und damit das Ziel, den Wald multifunktional, nachhaltig und naturnah zu bewirtschaften. Die Durchforstung ist ein wesentliches Instrument, um diesen Auftrag zu erfüllen.

Durchforstung führt zu mehr Stabilität, weil die begünstigten Bäume starke, weit verzweigte Kronen und kräftige Wurzeln mit vielen Feinwurzeln ausbilden. Die so geförderten Bäume haben eine größere Widerstandskraft gegenüber Umwelteinflüssen, wie Stürmen, Trockenperioden und Schadinsekten. Durchforstung bedeutet aber auch mehr Vielfalt, wenn Mischbaumarten durch die Entnahme ihrer Konkurrenten erhalten und gefördert werden.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels spielen Mischbaumarten aktuell und zukünftig eine große Rolle im Waldbau von ThüringenForst. Baumartenvielfalt ist die beste Risikovorsorge bei unsicherer Zukunft. Mit der Durchforstung beeinflussen wir den Konkurrenzkampf zugunsten der Mischbaumarten.

Mischbaumarten erhöhen die Stabilität und Vitalität von Wäldern. Sie wirken als Sturmbrecher, sind Barrieren für die Ausbreitung von Schadinsekten und verbessern durch ihre Laubstreu den Bodenzustand. Gleichzeitig können sie einen erheblichen Beitrag zur Steigerung der Rentabilität des Forstbetriebs leisten. Mischbaumarten sind damit ein Gebot der Naturnähe und der Nachhaltigkeit.

Die Durchforstung konzentriert sich nicht nur auf die ökonomischen Wertträger eines Waldbestands. Vielmehr werden bei Durchforstungseingriffen auch Habitatbäume als Brut- und Lebensstätte waldbewohnender Vogel- und Insektenarten belassen sowie seltene Baumarten, wie Speierling oder Elsbeere, als ökologische Wertträger gefördert.

Wann?

Wie stark? Wie oft?

Zusammenspiel von forstlichem Fachwissen und dem Gesetz des Örtlichen! Wir können in Deutschland mit Stolz auf eine traditionsreiche forstliche Forschung und Lehre blicken. Im Zusammenspiel mit dem mehr als hundert Jahre alten forstlichen Versuchswesen liefert die Forstwissenschaft Generationen von Forstleuten und Waldbesitzern bis in die heutige Zeit entscheidende Informationen zur Bewirtschaftung der Wälder.

Dank der Forschung wissen wir heute, dass die verschiedenen Baumarten ein unterschiedliches Wuchsverhalten zeigen. Lichtbedürftigere Arten, wie zum Beispiel Birke und Kiefer, wachsen in ihrer Jugend schneller als schattentolerante Baumarten, wie Buche oder Tanne.

Wir wissen auch, dass die verschiedenen Baumarten auf Durchforstungseingriffe je nach Alter der Waldbestände unterschiedlich reagieren. Bei der Baumart Fichte zum Beispiel sind stärkere Durchforstungseingriffe im jüngeren Alter wichtig, weil die Einzelbäume mit kräftigem Zuwachs auf die Durchforstung reagieren und sich so zu stabilen und vitalen Einzelbäumen mit langen Kronen entwickeln.

Bei verpasster Durchforstung kann man diese Effekte nur schwer aufholen. Bei der Baumart Buche können wir uns dagegen mit der Durchforstung mehr Zeit lassen, weil diese auch noch in höherem Alter auf Freistellungen mit guten Zuwächsen reagiert. Dadurch kann der Förster zunächst das Augenmerk auf die Erziehung eines astfreien Stamms als der von den meisten Holzverarbeitern gewünschten Stammform richten. Der Durchforstungszeitpunkt wie auch die Stärke der Durchforstungseingriffe werden im Wesentlichen durch das jeweilige baumartentypische Wuchsverhalten gesteuert.

In der Regel soll ein Waldbestand mindestens einmal im Jahrzehnt durchforstet werden. Besser sind zwei Eingriffe im Jahrzehnt mit geringerer Eingriffsstärke. Insbesondere auf zuwachskräftigen Standorten sind aus Stabilitätsgründen zwei Durchforstungseingriffe im Jahrzehnt nötig. Der Förster will dadurch das Risiko, dass der Bestand nach einem starken Durchforstungseingriff Schaden nimmt, wie zum Beispiel durch Nassschneeauflage oder bei Stürmen wie „Kyrill“, herabsetzen. Bisher ungepflegte Bestände werden ebenfalls maßvoll und in kürzeren Intervallen durchforstet.

Wie die Axt im Wald?

Durchforstung - aber pfleglich!

Sie kennen ihn bestimmt, den Ausspruch „wie die Axt im Walde“. Benutzt wird er häufig als Synonym für einen Zustand von grober Unordnung ohne Rücksicht auf Verluste. Um es gleich vorwegzunehmen: Wer bei ThüringenForst im Staatswald „wie die Axt im Walde“ haust, hat sich disqualifiziert. ThüringenForst hat den Anspruch, bei jeder Holzerntemaßnahme Schäden an Boden und Waldbestand möglichst zu vermeiden.

Das gelingt uns nicht immer. Wir haben uns jedoch bei der Bewirtschaftung einer Reihe von Selbstregularien und Regeln unterworfen, mit deren Hilfe wir die Schäden im Wald auf ein Minimum begrenzen wollen. Um die Wurzelentwicklung der Waldbäume durch Bodenverdichtung auf dem größtmöglichen Teil der Waldfläche nicht zu behindern, fahren unsere Forstmaschinen ausschließlich auf markierten Fahrgassen.

Innerhalb eines jeden Durchforstungsbestandes ist eine gewisse Fällordnung einzuhalten, damit Schäden am verbleibenden Waldbestand durch Rindenverletzungen die Ausnahme darstellen. Im Wald herrscht also doch Ordnung!

Sicherlich ist für das Auge des Waldbesuchers ein frisch durchforsteter Fichtenbestand, in dem Äste und Kronenteile umherliegen und vielleicht die Fahrspuren der Großmaschinen auf den Fahrgassen noch sichtbar sind, nicht unbedingt so ansprechend, wie ein aufgeräumt wirkender Altbestand. Schauen Sie einfach nach drei Jahren wieder bei einem jetzt durchforsteten Waldgrundstück vorbei. Sie werden feststellen, dass dieser wesentlich aufgeräumter wirkt. Unter Umständen sehen Sie nur noch an den Wurzelstöcken, dass der Bestand überhaupt durchforstet wurde.

Das Erscheinungsbild des Waldes „erholt“ sich nämlich sehr rasch nach einem Durchforstungseingriff. Das für den Waldboden so wichtige Ast- und Kronenmaterial ist zum Teil schon von Mikroorganismen zersetzt worden, die verbliebenen Bäume haben die freigewordenen Räume für ihr Wachstum genutzt und die Fahrgassen haben sich wieder begrünt. Über die Durchforstung wurden in 2013 bei ThüringenForst rund 745.000 Festmeter Holz auf rund 13.300 Hektar geerntet.

Rohstoffquelle Waldpflege

Durchforstung ist Waldpflege und Rohstoffquelle für das Cluster Forst & Holz

Ein Großteil des Rohholzaufkommens in Thüringen stammt aus Durchforstungsmaßnahmen. Abnehmer für Durchforstungsholz sind vor allem Sägewerke mit moderner Profilzerspanertechnik, die Holzwerkstoffindustrie, die Papierindustrie sowie Hersteller von Parkett- und Palettenware.

Das so eingeschlagene Holz speist einen Großteil des Clusters Forst & Holz in Thüringen und ist damit die Basis für sämtliche Wertschöpfungsprozesse in diesem Bereich. Durchforstung schafft also Arbeit und Einkommen im ländlichen Raum und das produzierte Holz kann energieintensive Roh- und Baustoffe, wie Stahl und Beton, ersetzen.