Jagd folgt bei uns einem waldbaulichen Aspekt

Jagd ist eine der ursprünglichsten Formen der Landnutzung, zusammen mit dem Fischfang vermutlich die älteste. Trotz dieser langen Tradition ist die Jagd heute nicht mehr selbstverständlich.

Die zunehmende Urbanisierung unserer Gesellschaft führt zu einer fortlaufenden Entfremdung von den natürlichen Lebensgrundlagen und eben auch von der Jagd. Ein Phänomen in diesem Zusammenhang ist das sogenannte Schlachthausparadoxon.

Während Fleischprodukte in Einkaufsmärkten positiv belegt sind und als Nahrungsmittel geschätzt werden, blendet der urbanisierte Mensch die Vorgänge im Schlachthof bis hin zum fertigen Fleischprodukt häufig völlig aus. Das Töten von Tieren zur Nahrungsgewinnung erscheint paradoxer Weise negativ in der Sichtweise der Verbraucher.

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Naturmanagement

Jagd in der Kulturlandschaft – Baustein im Naturraummanagement

In vom Menschen unbeeinflussten Ökosystemen passt sich die Dichte der vorhandenen Wildtiere an die Möglichkeiten an, die der Lebensraum bietet. Ab einer bestimmten Grenze, der sogenannten Kapazitätsgrenze, nimmt die Populationsdichte nicht weiter zu.

An diesem Punkt hat sich ein Gleichgewicht zwischen der Vermehrungsrate, der Zuwanderung aus anderen Populationen, der Sterblichkeitsrate, der Prädation durch Beutegreifer und der Abwanderung eingestellt. Jagd ist in solchen Ökosystemen nicht erforderlich – sie schadet aber auch nicht.

Wir Menschen haben in Mitteleuropa vor mehr als einem Jahrtausend damit begonnen, aus einer Naturlandschaft eine Kulturlandschaft zu formen. Es entstand die heutige Landschaft aus Städten, Siedlungen, Infrastrukturtrassen, Äckern, Gärten und Wäldern.

Durch jahrhundertelange forstliche Nutzung ist aus einem Urwald ein Kulturwald geworden, der heute für die Gesellschaft ein breit gefächertes Spektrum an Nutz-, Schutz und Erholungsleistungen zu erbringen hat. Die Gesellschaft formuliert damit Ansprüche an die Bewirtschaftung des Waldes. In der Kulturlandschaft bestimmen menschliche Ansprüche und Ziele die Kapazitätsgrenzen von Rothirschen, Rehen und Wildschweinen.

Die Bejagung dieser Wildarten ist der natürlichste Weg, um Kulturlandschaft und Ansprüche zu koordinieren. Jagd ist damit kein elitäres Vergnügen, sondern ein verantwortungsvoll wahrzunehmendes Instrument des Naturraummanagements. Sie dient der Gestaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft und eben auch der Wälder.

Jagdauftrag

Unser Auftrag zu jagen - Artenschutz aber auch Investitions- und Vermögenssicherung

ThüringenForst nimmt das Jagdausübungsrecht auf einer Fläche von rund 189.000 Hektar wahr. Oberstes Ziel im Staatswald ist es, eine stabile und leistungsfähige Waldkulturlandschaft zu schaffen bzw. zu erhalten. Dies ist der gesellschaftliche Auftrag. Der Waldzustand als maßgebliches Kriterium im Staatswald zeigt dabei den Erfolg der Jagdausübung.

Die pflanzenfressenden Wildtiere ernähren sich zu großen Teilen von den jungen Trieben der nachwachsenden Baumgeneration. In geringem Umfang kann dieser Verbiss auch toleriert werden. Schädlich wird er dann, wenn er eine naturnahe Waldentwicklung behindert. Dies ist der Fall, wenn die Dichte der pflanzenfressenden Wildtiere im Wald zu hoch wird.

Mit Blick auf die Klimaerwärmung liegt das waldbauliche Augenmerk von ThüringenForst vor allem darauf, den Anteil an Mischbaumarten in der nächsten Waldgeneration zu sichern. Die Verbissinventuren vergangener Jahre haben gezeigt, dass genau diese Mischbaumarten sehr intensiv vom Wild verbissen werden, so dass ihr angestrebter Anteil am zukünftigen Waldbestand derzeit zumindest in Frage gestellt ist. Mischbaumarten sind wichtige Bausteine für die Zukunft des Waldes.

Die Jagd muss diese Bausteine sichern. Die großen Schalenwildarten Rot-, Dam- und Muffelwild schälen zudem die Rinde junger Bäume ab. Baumrinde gehört in gewissem Umfang zum Nahrungsspektrum dieser großen Wildarten. Bei hohen Wilddichten kann sich die Schäle allerdings zu einem echten Problem für die Stabilität und für den Wert des Waldbestands entwickeln. Durch die Schälwunde besiedeln holzzerstörende Pilze den Baum und destabilisieren ihn in seinem Schwerpunkt.

Es entsteht gewissermaßen eine „Sollbruchstelle“. Darüber hinaus wird das untere, wertvollste Stammstück durch den Schälschaden entwertet und kann nur zu einem deutlich geringeren Preis verkauft werden. Die Jagd in Thüringen zielt deshalb auch darauf ab, weitere Vermögensverluste durch Schäle an den Waldbäumen zu verhindern. Die Jagdausübung bei ThüringenForst dient schließlich auch dem Schutz seltener Arten.

So werden in den Gebieten, in denen noch Relikte des Auerhuhnes vorkommen und der Bestand durch Auswilderungsmaßnahmen stabilisiert werden soll, die natürlichen Feinde des Auerwilds wie Fuchs, Dachs und Marder intensiv bejagt.

Jagdausübung

Wildtiergerecht, professionell und vorbildlich – unsere Werte bei der Jagdausübung

Die Jagdausübung im Staatswald von ThüringenForst hat eine Vorbildfunktion. Sie orientiert sich insbesondere an den landeskulturellen Erfordernissen, wie sie in den Präambeln von Bundes- und auch Thüringer Jagdgesetz eingefordert werden. Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt. Die im Freistaat Thüringen geltenden jagdgesetzlichen Regelungen werden vorbildlich umgesetzt.

ThüringenForst setzt bei der Durchführung der Jagd auf intelligente Jagdstrategien. Die neue Dienstordnung Jagd sieht vor, dass Zeiten intensiver Jagdausübung mit langen Ruhephasen wechseln. Zeiten intensiver Jagdausübung orientieren sich an den Aktivitätszeiten des Wildes. In diesen Zeiten soll der Abschuss realisiert werden. In den jagdlichen Ruhephasen haben jegliche jagdliche Aktivitäten zu unterbleiben.

Sie sind deckungsgleich mit den bewegungsarmen Phasen im Lebensrhythmus des Schalenwildes und mit den Zeiten der Jungenaufzucht. Wenig Wildbewegung herrscht in den Monaten Juni und Juli sowie im Hochwinter. Die zeitlich abgestimmte Einzeljagd wird ergänzt durch gut organisierte Bewegungsjagden im Herbst und Frühwinter.