Eichenprozessionsspinner (EPS)
(Thaumetopoea processionea L.)

Der Eichenprozessionsspinner kann mit seinen feinen Brennhaaren Haut, Augen und Atemwege reizen. Wer befallene Bereiche meidet, schützt sich, seine Familie und auch Haustiere auf einfache Weise. Wichtig ist dabei: Ruhe bewahren, eine Sichtung von EPS-Befall melden und die Entfernung der Gespinste / Nester den Fachleuten überlassen.
Beschreibung und Vorkommen des Eichenprozessionsspinners
Der Eichenprozessionsspinner ist ein heimischer Nachtfalter und gehört damit zu unseren Schmetterlingsarten. Er mag es warm und trocken – Bedingungen, die durch die aktuellen Klimaveränderungen immer häufiger auftreten. Deshalb ist der Eichenprozessionsspinner inzwischen in vielen Teilen Deutschlands stärker verbreitet.
Besonders bekannt ist er durch seine Raupen. Diese können Fraßschäden an allen Eichenarten verursachen. Vor allem aber sind es die feinen Brennhaare der Raupen, die für Aufmerksamkeit sorgen: Sie können für Menschen und Tiere eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellen.
Am wohlsten fühlt sich der Eichenprozessionsspinner in lichten Eichenwäldern, besonders an sonnigen Waldrändern. Er kommt aber auch an freistehenden Einzelbäumen, an Alleen in der offenen Landschaft und innerhalb von Ortschaften vor. Häufig tritt er gemeinsam mit anderen Schädlingen an Eichen auf.
Verbreitet ist die Art in Süd-, Mittel- und Westeuropa. In Deutschland hat sie sich mittlerweile flächendeckend etabliert. Besonders betroffen sind Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt. Zunehmend gilt das auch für thüringische Eichenbestände in warmen und sommertrockenen Regionen – vor allem im Süden und Osten des Freistaates.
Sichtung von EPS-Befall
Wer einen Befall mit EPS feststellt, sollte handeln
- Sichtung von Befall in Wäldern melden Sie bitte der Hauptstelle für Waldschutz im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (waldschutz@forst.thueringen.de) oder dem zuständigen Thüringer Forstamt.
- Sichtung von Befalls außerhalb von Wäldern (offene Landschaft, Städte und Gemeinden) melden Sie bitte den regional zuständigen Zweigstellen des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) oder der jeweiligen Stadtverwaltung.
Lebensweise und Biologie des Eichenprozessionsspinners
Falter
Der Eichenprozessionsspinner kommt ausschließlich an typischen Eichenarten vor, vor allem an Stiel-, Trauben- und Roteichen. Die Falter selbst sind eher unscheinbar: Sie sind graubraun gefärbt, etwa 25 bis 32 Millimeter groß und tragen auf den Flügeldecken drei mehr oder weniger gut erkennbare dunkle Linien [Bild]
Sie schwärmen vor allem nachts – meist im Juli und August, teilweise auch noch bis in den September hinein.
Eiablage
Die Weibchen legen innerhalb weniger Tage bis zu 200 Eier ab. Bevorzugt werden dafür zwei- bis dreijährige Zweige in der oberen Baumkrone, vor allem an sonnigen, südexponierten Standorten. Die Eier liegen dicht beieinander in sogenannten Eiplatten. Zum Schutz und zur Tarnung bedecken die Weibchen diese mit ihren grauen Afterhaaren [Bild].
Raupenstadium
Nach der Überwinterung schlüpfen die Raupen meist zwischen Mitte April und Anfang Mai. Der genaue Zeitpunkt hängt vermutlich von der Temperatur ab. Insgesamt durchlaufen die Raupen sechs Entwicklungsstadien. Ab dem dritten Raupenstadium bilden sie die typischen Brennhaare mit Widerhaken [Bild].
Diese Widerhaken enthalten das Nesselgift „Thaumetopoein“, brechen bereits bei leichter Berührung ab und können schon durch geringe Luftbewegungen weitergetragen werden. Dadurch können sie an Haut und Schleimhäuten gefährliche Reizungen auslösen.
Die Raupen leben in geselligen Familienverbänden. Nachts wandern sie in langen Einzelreihen – den sogenannten „Prozessionen“ – von ihren Ruheplätzen zu den Fraßplätzen in den Baumkronen. Dort fressen sie die austreibenden Blätter der Eichen. Häufig bleibt dabei nur die Mittelrippe der Blätter zurück.
Verpuppung
Die Verpuppung erfolgt in der Regel von Ende Juni bis Anfang Juli in sogenannten Gespinsten [Bild]. Diese bestehen aus alten Larvenhäuten, Kot und Gespinstfäden. Die Puppenruhe dauert etwa drei bis fünf Wochen. Ein kleiner Teil der Puppen kann jedoch bis zu zwei Jahre überdauern. Anschließend schlüpfen die Falter.
Vorsicht!
Die Gespinstnester können mehrere Jahre als feste Gebilde bestehen bleiben. Durch die enthaltenen Brennhaare behalten sie auch über längere Zeit ihre allergische Wirkung.
Gesundheitsschutz
Kontakt mit Brennhaaren der Raupen vermeiden
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen und Tiere dar. Die Raupenhaare besitzen eine lange Haltbarkeit und können somit über Jahre hinweg gefährlich sein, wobei die akute Gefahr der Brennhaare in der Zeit des Raupenfraßes am größten ist.
Bei betroffenen Personen kann die allergische Reaktion des Immunsystems individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Meistens kommt es beim Kontakt mit den Brennhaaren auf der Haut zu lokalen Rötungen sowie einem starken, teilweise tagelang anhaltenden Juckreiz (Raupendermatitis). Weiterhin kann es zu Reizungen der Atemwegsschleimhäute (Husten, Bronchitis, Asthma) und der Augen (Rötungen, Juckreiz, Bindehautentzündung) kommen.
Die Raupen und ihre Nester/Gespinste sollten auf keinen Fall berührt werden.
Bei dem Verdacht auf Kontakt mit Brennhaaren sind folgende Maßnahmen zu empfehlen:
- umgehender Kleidungswechsel, Nassreinigung der Schuhe
- Kleidung bei mindestens 60 °C waschen
- gründliche Dusche mit Haarreinigung und Augenspülung
- betroffene Gegenstände waschen
- bei Hautreizungen den Hausarzt kontaktieren
- bei starken allergischen Reaktionen den Rettungsdienst unter 112 alarmieren
Tipps für Waldbesitzende
Der Raupenfraß des Eichenprozessionsspinners bleibt meist überschaubar. Besonders häufig ist er an einzelnstehenden Eichen in Parkanlagen, Alleen, auf Parkplätzen sowie entlang von Waldrändern zu beobachten. Durch die zunehmend günstigen Lebensbedingungen breitet sich das Befallsgebiet weiter aus. Lokal kann es dabei auch zu Massenvermehrungen kommen. Eichen besitzen grundsätzlich ein hohes Regenerationsvermögen, da sie sogenannte Johannistriebe bilden können. Einen einmaligen Kahlfraß können sie deshalb in der Regel verkraften.
Anders sieht es aus, wenn Eichen mehrere Jahre hintereinander kahlgefressen werden. Dann wird ihre Vitalität zunehmend geschwächt, und sie werden anfälliger für weitere Eichenschädlinge. Mögliche Folgen sind Zuwachsverluste, ein Ausfall der Eichenmast oder im schlimmsten Fall das Absterben des Baumes.
Pheromonfallen aufstellen & Fänge auswerten
Pheromonfallen werden als Frühwarnsystem eingesetzt. Sie dienen dazu, den Schwarmflug der männlichen Falter des Eichenprozessionsspinners zu überwachen. Der Einsatz erfolgt in der Regel zwischen Mitte Juli und Ende September.
Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, ob sich die Populationsdichte verändert oder ob der Falter in neuen Gebieten auftritt.
Eigelegezählung
Für eine genauere Einschätzung der Populationsdichte kann eine Eigelegezählung durchgeführt werden. Dabei werden stichprobenartig Zweige kontrolliert.
Die Entnahme dieser Probezweige aus der Baumkrone erfolgt im Rahmen einer Probebaumfällung, durch Baumsteiger oder mithilfe einer Hebebühne.
Gespinstzählung
Die Zählung und Dokumentation von Gespinstfunden hilft dabei, Befallsgebiete abzugrenzen. Außerdem dient sie dazu, Risikogebiete abgestuft auszuweisen.
Meine Bäume sind befallen. Was tun?
- Bei geringem Befall in dicht besiedelten Gebieten reicht meist eine mechanische Bekämpfung aus, um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung sicherzustellen. Dabei werden die Raupen oder auch ganze Gespinste mit einer Art „Staubsauger“ abgesaugt.
- Diese Arbeiten sollten ausschließlich von spezialisierten Fachfirmen durchgeführt werden. Wenn Eichenbestände akut gefährdet sind oder der Schutz der Bevölkerung es erfordert, kann auch der Einsatz von Insektiziden notwendig werden. Dabei müssen ökologische Aspekte, insbesondere Natur- und Wasserschutz, sowie wirtschaftliche Gesichtspunkte sorgfältig abgewogen werden.
- Natürliche Feinde wie Pirol, Kuckuck sowie der Kleine und der Große Puppenräuber spielen für die Dichteentwicklung des Eichenprozessionsspinners eher eine untergeordnete Rolle.





