CO2FOR-IT: Smarte Holzernte in Bad Berka

CO2FOR-IT: Smarte Holzernte in Bad Berka

Im Forstamt Bad Berka fanden 2025 zwei innovative Holzernteversuche statt. Ziel war es, eine belastbare Datengrundlage für die Entwicklung Digitaler Zwillinge von Waldflächen zu schaffen. Diese digitalen Abbilder sollen künftig im Forest Data Space eingesetzt werden – einer Plattform für vernetzte, intelligente Forstdaten.

Zwei Praxistests in Laub- und Nadelholz

Der erste Versuch wurde im Februar im Laubholz-Revier Buchfart durchgeführt. Vier Auszubildende im dritten Lehrjahr bei ThüringenForst arbeiteten unter Anleitung von Forstwirtschaftsmeister Gerd Langenhahn und den Projektverantwortlichen mit sensorgestützten Motorsägen. Ein PONSSE Buffalo Forwarder übernahm die Holzrückung, gefahren von Julia Haase. Der Versuch lief vom 17. bis 21. Februar 2025.

Im Juni folgte ein zweiter Versuch im Nadelholz-Revier Blankenhain. Hier wurden fichtenborkenkäferbefallene Bestände geerntet. Die bereits erfahrenen Azubis kamen erneut zum Einsatz. Auch in diesem Fall begleiteten Gerd Langenhahn und Julia Haase die Arbeiten. Der Versuch erstreckte sich über zwei Wochen bis zum 13. Juni 2025.

Digitale Zwillinge aus der Luft

Vor und nach den Erntearbeiten wurden die Flächen mit einer LiDAR-Drohne beflogen, um hochpräzise 3D-Punktwolken zu erzeugen. Gemeinsam mit klassischen Vermessungsdaten – Baumhöhe, Brusthöhendurchmesser und Volumen – sollen diese Luftdaten die Grundlage für digitale Waldmodelle bilden. Die erhobenen „Ground-Truth“-Daten ermöglichen zudem die Bewertung der LiDAR-Genauigkeit bei der Volumenschätzung. Vermessung und Drohnenflüge übernahm das Team des FFK Gotha.

CO₂-Bilanz durch smarte Motorsägen

Die iFOS GmbH stattete Motorsägen des Typs Stihl MS500i mit Sensorboxen aus. Diese erfassten:

  • den Kraftstoffverbrauch bei einzelnen Arbeitsschritten (z. B. Fällschnitt, Entastung
  • die Position via GNSS
  • den CO₂-Ausstoß durch Berechnung auf Basis der Verbrauchsdaten

Die Daten wurden per Bluetooth an ein mitgeführtes Smartphone übertragen. Auch der eingesetzte Forwarder wurde mit einem Dieselzähler ausgestattet, um dessen Emissionen zu erfassen.

Eine erste Auswertung zeigt: Bei den Sägearbeiten treten die höchsten Emissionen bei starker Last auf, insbesondere beim Entasten und Trennen. Die Emissionen des Forwarders wiederum hängen stärker von der Rückeentfernung als von der Stammdimension ab.

Rückverfolgbarkeit durch RFID-Tags

Das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH begleitete den zweiten Versuch mit einem Tracking-System für Stammsegmente. Hierbei kamen RFID-Tags zum Einsatz, die in die Stirnflächen der Stämme eingeschlagen wurden. Ein RFID-Lesegerät am Forwarderkran konnte die Tags automatisch beim Poltern auslesen – ohne Eingriff der Maschinenführerin. So lassen sich Sortimente digital rückverfolgen und mit weiteren Prozessdaten verknüpfen.

Ausblick

Die umfassend erhobenen Daten aus beiden Holzernteversuchen – von der CO₂-Bilanz über die Belastung der Arbeitenden bis zur Holzlogistik – werden aktuell durch die Projektpartner ausgewertet. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, die Forstwirtschaft ökologisch, sozial und digital zukunftsfähig zu gestalten.

Ein herzlicher Dank gilt dem Forstamt Bad Berka, insbesondere Forstamtsleiter Jan Klüßendorf, den Revierleitern René Welsch und Robert Frohwein sowie dem Ausbildungsteam um Gerd Langenhahn – und natürlich den engagierten Auszubildenden.

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RFID Lesegerät am Forwarder zur Datenerfassung©Sebastian Rappold

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Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum

Sebastian Rappold