Wertholzversteigerung – Champions League im Holzverkauf

Aufgereihte Stämme von Eichenholz auf dem Submissionsplatz
Das Eichenangebot ist bei der Thüringer Submission 2022 wie schon in den vergangenen Jahren sehr groß – die Nachfrage auch. (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Heute führt die ThüringenForst-AöR die 31. Wertholzsubmission bei Erfurt durch. Und auch 2022 geht es um Holzangebot und Holznachfrage auf höchstem Qualitätsniveau

Was für die Fußballfreunde die Champions League, ist für Waldbesitzende die Wertholzversteigerung. Mehrere Dutzend derartiger Versteigerungen von qualitativ hochwertigsten Baumstämmen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, eine davon im Freistaat. Vorwiegend in den Wintermonaten, da hier der Schwerpunkt der Holzeinschlagsmaßnahmen im Laubholz liegt. Lediglich 0,1 % des Gesamteinschlages gelangen zur Wertholzversteigerung bei Erfurt.

Derartige Premiumstämme locken solvente Käufer nicht nur aus Thüringen, sondern aus ganz Deutschland und sogar Europa an. „Die Wertholzversteigerung hat eine große forstwirtschaftliche Bedeutung. Selbst in schwierigen Zeiten des klimagestressten Waldes kann hochwertiges Holz geerntet werden“, sagte Thüringens Forststaatssekretär Torsten Weil.

„Die Submission ist auch Beleg dafür, dass die Baumarten eines artenreichen Mischwaldes gut nachgefragt werden. Die erzielten Gewinne können Forstwirtschaft und private Waldbesitzende in weitere Maßnahmen für den Waldumbau investieren. Die Landesregierung unterstützt sie dabei, viele verschiedene, heimische Baumarten anzupflanzen. Die regelmäßige Bundeswaldinventur bestätigt die Erfolge, denn der Wald in Thüringen wird immer vorratsreicher, älter, gemischter und naturnäher“.

Nur rund 0,1 % des Gesamteinschlags erfüllt den sehr hohen Qualitätsanspruch

„Unter Wertholz versteht man Holz von besonders schönem Wuchs, mit möglichst geradem, astfreien Stamm, weitestgehend ohne Holzfehler und mit außerordentlicher Dimension. Selbstverständlich spielen auch Baumart, Farbe und Jahrringaufbau eine große Rolle“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die häufigste Verwendung für diese edlen Hölzer stellt das Furnier dar: Ein wenige Millimeter dünnes „Holzblatt“, dass aus einem Wertholzstamm gesägt, gemessert oder geschält wird.

Gerade die Furnierverwendung lässt anschaulich erkennen, warum Wertholz derart gute Verkaufspreise erzielen kann. So kann der Käufer aus einem einzigen Stamm bis zu 5.000 qm Furnier, was der Fläche eines halben Fußballfelds entspricht, herstellen. Dieses dient z. B. der Veredelung von Oberflächen, wie sie etwa im hochpreisigen Möbel-, Automobil- oder Schiffsbau Verwendung finden.

Mag die notwendige Verwendung hochwertigster Hölzer bei der Furnierherstellung noch offensichtlich sein, überrascht manch andere Verwendung: Holzfasshersteller etwa, insbesondere aus Frankreich, benötigen fehlerfreies Eichenholz zur Herstellung der gesuchten Weinbehältnisse. Derartig hochwertig gefertigte Weinfässer finden, dank ihrer Langlebigkeit, oft genug sogar eine Zweit- und Drittverwendung.

Submissionen erzielen höhere Verkaufspreise

Aber nicht nur die Holzverwendung als solche, auch das Verkaufsverfahren selbst führt zu Umsatzsteigerungen. Die Holzversteigerung der ThüringenForst-AöR ist als sog. Submission organisiert: Interessierte geben ausschließlich schriftliche Gebote ab. Die hohe Nachfrage bei knappem Angebot sorgt dafür, dass nicht selten Höchstpreise gezahlt werden, um veritable Stämme zu ergattern, bevor diese womöglich dem Marktkonkurrenten zufallen. Dabei kann ein einzelner Baumstamm durchaus einmal den Wert eines fabrikneuen Kleinwagens erreichen.

Im Regelfall erzielt auf Submissionen verkauftes hochwertiges Holz höhere Preise als im Freihandverkauf an der Waldstraße. Für Waldbesitzende sind Holzversteigerungen, egal ob als mündliche Auktion oder schriftliche Submission, eine gute Gelegenheit, ihren Umsatz im Holzverkauf zu steigern – Premiumstämme im eigenen Wald vorausgesetzt. Ebenso erfolgt hier zu Jahresbeginn ein erster „Markttest“, der aufzeigt, welche (Mode-) Baumarten im Hochpreissegment seitens der Käufer bevorzugt werden. Nicht zuletzt ergeben sich umsatzstarke Folgegeschäfte für Verkäufer wie Käufer.

Den Waldbesitzenden stehen, als Folge des fortschreitenden Klimawandels, in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen ins Haus: Für Wiederbewaldung und Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. Und nicht weniger Waldbesitzende verfahren hierbei nach dem Motto: „Jeder Euro aus dem Wald zurück in den Wald“. Eine gute Strategie für den Wald, die Gesellschaft und die Enkel und Urenkel. Die Wertholzsubmission hilft, dieses Vorgehen zu unterstützen.

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ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann