Wenn Bäumen das Wasser bis zum Hals steht

Noch sind große Wassermengen im Thüringer Wald als Schnee gebunden. Beginnt die Schneeschmelze, dann kann Waldbäumen gerade in den unteren Lagen das Wasser bis zum Hals stehen (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Waldbäume ertragen Hochwasser unterschiedlich gut. Manche tolerieren wochenlange Überflutungen, andere verlieren nach wenigen Tagen Wasserstand erkennbar ihre Vitalität

Klimaexperten sind sich einig, dass in Folge des Klimawandels Hochwasserereignisse zukünftig zunehmen. Zusätzliche Flutpolter, Hochwasserrückhaltebecken und Deichrückverlegungen sind vor diesem Hintergrund vorbeugende Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Die potenziellen Überschwemmungsbereiche sind in der Regel von Wäldern geprägt, die künftig regelmäßiger überflutet und damit eventuell geschädigt werden. Für betroffene Waldbesitzende stellt sich die Frage nach der Hochwassertoleranz der in Thüringen flächig vorkommenden Baumarten, wie etwa Fichte, Buche oder auch Kiefer. Ggf. müssen diese Wälder auch mit geeigneteren Baumarten umgebaut werden. Ein Überblick soll hier Orientierung geben.

Thüringens Hauptbaumarten ertragen keine Überflutungen
„Auenwälder finden sich oft entlang großer Flüsse, etwa dem Oberrhein, der Oder oder auch der Saale. Typische Baumarten dieser Wälder sind Weiden, Pappeln, Eschen, Erlen und Ulmen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Sie stellen vielfach die natürliche Baumartenausstattung dar, da sie eine hohe Toleranz gegenüber, auch wochenlangen Überschwemmungen zeigen. Eine mittlere Toleranz zeigen Eichen, Eschen und Spitzahorne. Ertragen diese Baumarten noch einen mehrtägigen Hochwasserstand, nimmt die Vitalität nach rund zwei Wochen Überflutung deutlich ab, Totalausfälle nehmen zu. Auch der Bergahorn kann noch in diese Gruppe gerechnet werden, erträgt er doch durchaus kurzzeitige Überschwemmungen. Steht das Hochwasser mehr als zwei Wochen an, reagiert er mit deutlichen Ausfällen. Ausgerechnet die beiden Hauptbaumarten in Thüringens Wäldern, die Fichte (Anteil ca. 40 %) und die Buche (Anteil ca. 20 %), bilden hingegen die Schlusslichter hinsichtlich Hochwassertoleranz. Beide ertragen zwar kurzzeitige Überflutungen, allerdings nehmen die Schäden mit der Dauer des Hochwassers deutlich zu. Interessant: Die Kiefer, in Ostthüringen weiter verbreitet, scheint sich hier wackerer zu schlagen. Insgesamt kann also festgestellt werden, das Thüringens Hauptbaumarten Fichte und Buchen nicht nur Trockenheit besonders schadet, sondern umgekehrt auch ein Überangebot an (Hoch)Wasser.

Hochwassergefahr insbesondere im Frühjahr und Sommer
90 Prozent der Hochwasser treten erfahrungsgemäß im Frühjahr und Sommer auf. Die Schneeschmelze erhöht in Mittelgebirgen das Wasserangebot aus den Frühjahrs-Niederschlägen, im Sommer können Starkgewitter große Mengen Niederschläge zu lokalen und regionalen Überflutungen führen. „Waldbesitzende, die in der Vergangenheit schon von derartigen Witterungsereignissen betroffen waren, sei geraten, bei der standortgerechten Baumartenwahl auch den Aspekt der Überflutungstoleranz nicht aus den Augen zu verlieren“, so Gebhardt abschließend. Die 24 Forstämter stehen für ein kostenfreies Informationsgespräch bei derartigen Fragestellungen im Rahmen der Beratung und Beförsterung gerne zur Verfügung.

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Dr. Horst Sproßmann