Weckruf des Frühjahrs

Die sichtlich gut geschützten Knospen des Bergahorns ertragen auch frostige Winter. Im Frühjahr lassen Licht, Wärme und Wasser die Knospen aufbrechen, das Wachstum und die Vermehrung des Baumes kann beginnen. (Foto: Andreas Knoll)

Licht, Wärme und Wasser erwecken in den nächsten Wochen die Lebensvorgänge in den Bäumen

Über den Winter geschützte Baumknospen werden im Frühjahr durch Licht, Wärme und Wasser erweckt und verhelfen den Waldbäumen zu Wachstum. Wurde dies noch vor einer Menschen-Generation mit Respekt und Demut beobachtet, ist im Zeitalter des Internets und der zunehmenden Entfremdung vieler Menschen von der Natur die Faszination dieser elementaren Vorgänge weitgehend verblasst. Dabei verbirgt sich hinter diesem Prozess schlicht und einfach das Geheimnis des Lebens.

Jeder Baum hat seine typische Knospe

Knospen gibt es so viele verschiedene, wie es Bäume gibt. Försterinnen und Förster können einen Baum allein aufgrund seiner Knospen identifizieren, auch ohne anhängendes Blatt, ohne Nadel, ohne Rinde. Neben Größe, Form und Farbe spielt auch die gegenseitige Anordnung der Knospen am Trieb eine wichtige Rolle. Rund 70 Baumarten finden sich in Thüringens Wäldern, wovon etwa 30 forstlich genutzt werden. Schon im Herbst werden die Knospen in den Trieben dieser Bäume vorbereitet, um dann im Frühjahr zu erwachen und zu wachsen. Damit das passiert, wird die Knospe im Winter gegen Wasser, Kälte und Schadinsekten geschützt. Das geschieht mittels Schuppen, die die Knospe umhüllen und mechanisch schützen, und durch ein klebriges Sekret aus Harz und Gummi, das zur Abdichtung dient. Einige Knospen sind zusätzlich behaart.

Knospen sind vielfältig und durchaus robust

Knospen sind dicht aufeinanderliegende, sehr kleine Blattorgane. Bis zu vier Zentimeter groß sind die rötlich-braunen Knospen der Rosskastanie, während die Eiche über orange-braune, eiförmige und zugespitzte Knospen verfügt, die am Zweigende oft gehäuft auftreten. Während die Knospen der Esche mattschwarz sind, sind die Knospen des Bergahorns oder etwa der Fichte fast grasgrün. Beide sind im Durchmesser größer, als der sie tragende Trieb. Die Knospen der Buche, der häufigsten Laubbaumart Thüringens, sind lanzettartig zugespitzt und rötlichbraun. Werden Knospen von Tieren abgefressen, etwa durch Rehwild, entsteht an der Pflanze ein Schaden, der zum Absterben führen kann. Auch dies zeigt, wie wichtig Knospen für das (Über-)Leben der Pflanze ist.

Ein einfacher Zweig auf der Fensterbank birgt das Geheimnis des Lebens

Wer dieses Naturschauspiel aus nächster Nähe beobachten will, stellt einen frisch geschnittenen Zweig auf die sonnige Fensterbank. Sobald das Wasser in die Triebe geflossen ist, brechen die Knospen auf und das Grün kommt zum Vorschein. Unsere Altvorderen haben am 4. Dezember, dem katholischen Barbaratag, Kirsch- oder Apfelzweige geschnitten, die dann an Weihnachten blühten.

So lässt sich mit geringem Aufwand insbesondere Kindern und Jugendlichen ein faszinierender Aspekt der natürlichen Lebensvorgänge vor Augen führen. Beeindruckende Naturmomente – auch ohne Display und Bildschirm.

Zurück

Kontakt

ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann