Wald im Trockenstress

Foto: Dr. Chris Freise

Flächiges Absterben von Nadelbäumen: Dramatische Situation, auch Laubbäume schwächeln

In den Wäldern des Forstamtes Erfurt-Willrode nimmt der Trockenstress inzwischen dramatische Ausmaße an, informiert das Forstamt Erfurt-Willrode. Auch wenn das frische Grün dem Waldbesucher ein anderes Bild vorgaukelt, im Wurzelraum der Böden ist es so trocken wie noch nie.

„Im April wurde in der Waldmessstation im Erfurter Steiger der niedrigste Wassergehalt seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen“, erläutert Forstamtsleiter Dr. Chris Freise. Dieser Bodenwasserspeicher sei wichtig, damit die Bäume die noch kommenden Sommermonate überstehen. Der Start in die Vegetationsperiode falle für die Waldökosysteme denkbar ungünstig aus.

Die ersten Folgen sind für Waldbesucher inzwischen auch mit bloßem Auge in den Nadelwaldgebieten um Kranichfeld, Arnstadt oder auf der Fahner Höhe zu sehen. „Angetrieben durch Sturmschäden und die Dürrekatastrophe des letzten Jahres sterben Nadelholzbestände bis in die unteren Berglagen flächig ab“, so Freise.

Es entstehen Kahlflächen. Vor allem die Fichte falle der Trockenheit und Schädlingen wie dem Borkenkäfer zum Opfer, der sich gerade explosionsartig vermehre. Man versuche gemeinsam mit den Waldbesitzern das befallene Schadholz so schnell wie möglich einzuschlagen, um den Schädlingen Brutraum zu entziehen und die weitere Entwertung aufzuhalten. Aber die Prognose sehe denkbar schlecht aus: Das Befallspotenzial habe inzwischen den höchsten Stand seit dem zweiten Weltkrieg erreicht und die Käfer haben so früh wie noch nie mit der Fortpflanzung begonnen.

„Der Klimawandel trifft die Wälder mit ganzer Härte“ sagt der Forstamtsleiter: „Auch die Laubbäume schwächeln und leiden neben direkten Trockenschäden vor allem unter pilzlichen Schwächeparasiten.“ Trotzdem setzte man für die Zukunft vor allem auf Laubmischwälder mit reichen Strukturen, vitalen und großkronigen Einzelbäumen und viel Naturverjüngung. Das brauche aber seine Zeit und eine angepasste Waldpflege.

Für das laufende Jahr werden man alle Hände voll mit der Sanierung von Trockenschäden zu tun haben. Und das sei leider auch die Aussicht der nächsten Jahre. Insgesamt komme auf die Waldökosysteme durch den Klimawandel eine Herausforderung ähnlich wie in den Zeiten des Waldsterbens in den 1980er Jahren zu.

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Forstamt Erfurt-Willrode

Dr. Chris Freise