Thüringens ältestes Forstamtshaus generalsaniert

ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt (li.), Forstministerin Birgit Keller (2.v.r.) und Ministerpräsident Bodo Ramelow (r.) übergeben gemeinsam Forstamtsleiter Hartmut Eckardt (2.v.l.) den symbolischen Schlüssel zum generalsanierten, ältesten Forstamtgebäude des Freistaats. (Foto: Daniela Tröger)
Forstamtsleiter Hartmut Eckardt nimmt aus der Hand von Forstministerin Birgit Keller symbolisch den Schlüssel für das generalsanierte Forstamtshaus Paulinzella entgegen. (Foto: Daniela Tröger)
Bauingenieur Lutz Scherf (li.) erläutert Forstministerin Birgit Keller (mi.) und Ministerpräsident Bodo Ramelow (re.) die komplexe spätmittelalterliche Holzfachwerkkonstruktion am Modellbeispiel. (Foto: Daniela Tröger)
Das generalsanierte Amtshaus in Paulinzella. (Foto: Daniela Tröger)

Schlüsselübergabe in Paulinzella durch Forstministerin Birgit Keller und Ministerpräsident Bodo Ramelow

Forstministerin Birgit Keller übergibt heute in Paulinzella (Landkreis Saalefeld-Rudolstadt) gemeinsam mit Ministerpräsident Bodo Ramelow feierlich den Schlüssel des generalsanierten Forstamtshauses Paulinzella an Forstamtsleiter Hartmut Eckardt.

Rund drei Millionen Euro investierte die Landesforstanstalt in das denkmalpflegerisch liebevoll sanierte Forstamtshaus. Seit 1475 war dieses in klösterlicher, nach der Reformation ab 1540 durchgehend in forstlicher Nutzung. Damit ist das mehrgeschossige Fachwerkgebäude nicht nur das älteste Thüringer Forstamtshaus, sondern  auch eines der ältesten Forstdienstgebäude in Deutschland.

Durch die unmittelbare Lage an der Klosterruine Paulinzella gilt das Ensemble als bedeutendes romanisches Bauwerk in Mitteldeutschland.

ThüringenForst investierte drei Millionen Euro

„Mit der rund drei Millionen Euro teuren Generalsanierung des mittelalterlichen Forstamtshauses Paulinzella hat die Landesforstanstalt einer forst-, bau- und kunsthistorischen Perle im Freistaat zu neuem Glanz verholfen“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Von 2014 bis 2018 in enger Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie grundhaft instandgesetzt, ergaben die denkmalpflegerischen Bauuntersuchungen einige Überraschungen: So wurde das Gebäude nicht, wie bisher angenommen, 1530 errichtet, sondern schon 1474 – nach einem verheerenden Großbrand.

Ebenso wurde eine bislang unbekannte holzvertäfelte Stube freigelegt, die als Abtsitz diente und mit einem spätgotischen Kachelofen beheizt wurde. Mit diesen Funden muss die Geschichte des Hauses wohl neu geschrieben werden.

Forstamt und Museum – Moderne trifft Historie

„Das Gebäude ist ein bauhistorisches Denkmal, das mit ThüringenForst einen Nutzer gefunden hat, der den Werk- und Baustoff mehr als zu schätzen weiß. Das Fachwerkhaus ist mit seiner über 500-jährigen Geschichte ein außergewöhnlicher Zeitzeuge für das Bauen mit Holz. Hierfür möchte ich für Thüringen, mit einer Holzbauquote von rund 13 Prozent ausdrücklich werben“, so Forstministerin Birgit Keller.

Während das Erdgeschoss künftig als Museum genutzt wird, belegt das Forstamt die Räumlichkeiten im Obergeschoss. Im Museum soll anschaulich zeigen, wie ein prosperierender Klosterbetrieb im ausgehenden Mittelalter residierte und vor über 500 Jahren einen seinerzeit hochinnovativen Fachwerkbau mit einer Gesamthöhe von rund 18 Meter auf einer Länge von 34 Metern holzhandwerklich umzusetzen wusste.

Allein die 81 Fenster des Klausurgebäudes lassen die Herausforderungen für die damaligen Zimmerleute erahnen. Im Untergeschoss des ehemaligen Klausurgebäudes wird ThüringenForst einen Bereich für die Waldpädagogik einrichten. Damit sollen vorwiegend Kindern und Jugendlichen ein Projektangebot „Wald erleben mit allen Sinnen“ ermöglicht werden.

Dazu der Ministerpräsident: „Die Sanierung des Forsthauses ist nicht nur ein spürbarer Impuls zur Erhaltung des baulichen Erbes Thüringens. Sie ist zugleich ein Zeichen dafür, dass wir die Arbeit unserer Vorfahren schätzen und für die Nachwelt erhalten wollen.

Ebenso wichtig ist es, dass das Forsthaus nicht nur als Dienststelle und Dienstort genutzt wird, sondern durch Ausstellungen und waldpädagogische Veranstaltungen auch ein Ort der öffentlichen Begegnung bleibt. In diesem Sinne ist das Forsthaus ein außergewöhnliches Haus.“

85 Kubikmeter Weißtanne und Douglasie wurden bei der Sanierung verbaut

Ursprünglich wurde die Fachwerkskonstruktion aus 150 Festmeter Nadelholz errichtet. Im Rahmen der Generalsanierung lies ThüringenForst 85 Kubikmeter Douglasie und Weißtanne neu verbauen. Allein im Innenausbau wurden 21 Kubikmeter Weißtanne verarbeitet. Dabei wurde keine heimische, sondern baden-württembergische Weißtanne eingesetzt.

Diese stammt aus der Region Hirsau, dem ehemaligen Mutterkloster der Abtei Paulinzella. „Da das Amtshaus eines der wenigen erhaltenen hölzernen Klosterbauten in Mitteleuropa ist, wurde auch dieser historische Kontext angemessen berücksichtigt“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand, nicht ohne Stolz.

Und bedankte sich bei dem beauftragten Büro für Bauforschung Scherf-Ludwig-Bolze aus Silbitz wie auch den Vertretern des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie.

Zurück

Kontakt

ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann