ThüringenForst prüft Bioreisanbau in Mooren

Vorbild ist Italiens Reisanbau im Piemont: ThüringenForst prüft den Reisanbau in den heimischen Mooren. (Foto: Dr. Horst Sproßmann / Daniela Tröger)

Vernässte Moorstandorte im Wald erlauben Reisanbau in Bioqualität. Neues Geschäftsfeld soll zügig ausgebaut werden

Thüringen verfügt über rund 350 Hochmoore, ein großer Teil davon im Eigentum der Landesforstanstalt. Viele dieser Moore wurden in den letzten 25 Jahren durch ThüringenForst saniert und befinden sich in einem stabilen ökologischen Gleichgewicht.

Jetzt prüfen Thüringens Grünröcke die weitergehende Nutzung dieser sehr nassen Standorte für ein neues Geschäftsfeld: Den Reisanbau. Hierfür stünden rund 300 Hektar, dies entspricht knapp 400 Fußballfeldern, zur Verfügung. Vorteil des Nassreisanbaus: Kaum Schädlinge und Unkraut, dafür Bioqualität durch Quellwasser aus dem Thüringer Wald und Schiefergebirge.

Nassreisanbau durch Grabensystem in den Mooren möglich

„Im Rahmen der ökologischen Moorsanierungen haben wir an vielen Standorten ein System von Kanälen, Gräben und Schiebern installiert, um die Moorflächen nass zu halten. Dieses Wasserhaltesystem ähnelt dem traditionellen chinesischen Nassreisanbau, wie er schon vor 2.000 Jahren zur Anwendung kam“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Pro Kilogramm Reis ist eine Menge von 3.000 bis 5.000 Litern Regenwasser erforderlich.

Diese Niederschlagsmenge steht in den Mittelgebirgslagen Thüringens zur Verfügung – dort, wo Regenmoore auch ihre größte Ausbreitung haben. Italien, größter europäischer Reisanbauer, produziert hauptsächlich im Piemont, mit Gebirgswasser des Mont Blanc. 

Chinesische Anbauexpertin als Beraterin

ThüringenForst baut beim Nassreisprojekt auf die langjährige Expertise der Chinesin Kim April-Hong. Die 105-jährige baut seit Jahrzehnten Reis im südchinesischen Uncle-Ben-Gebirge auf rund 1.000 Meter über Meereshöhe an. Sie gilt als Meisterin des Risotto-Anbaus, einer runden Reisform, die in Europa große Popularität genießt.

„Die Entscheidung, ob in Thüringens Mooren besser Risotto oder Basmati angebaut wird, ist noch nicht endgültig gefallen“, so Gebhardt weiter. Derzeit wird an der betriebseigenen Forstbaumschule Breitenworbis Saatgut für die ersten Reissetzlinge erworben. Für das traditionelle Pflügen vor dem Setzen der Setzlinge werden allerdings, abweichend vom chinesischen Nassreisanbau, keine Wasserbüffel – dafür ehemalige Rückepferde aus der Holzernte eingesetzt.

Trend zu Natural Food

Die Landesforstanstalt sieht sich bei seinen Reisanbauplänen durch den Trend zum Natural Food vollauf bestätigt. Der Verkauf des Bioreises mit dem Markennamen „Thüringer Moorreis“ soll im Kontext der Vermarktung von Wildbret über die 24 Thüringer Forstämter innerhalb des Freistaats erfolgen. Aber auch China ist als Exportmarkt schon im Blickfeld der Grünröcke: Neben dem Holzexport könnte auch der neue Bioreis unter dem Markennamen „Thüringer Langnasenreis – Special Moor-Edition“ vertrieben werden.

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Dr. Horst Sproßmann