Naturnahe Wälder: letzter Rückzugsraum für Bienen

Kleine Insekten, große Aufmerksamkeit: Honig- wie Wildbienen genießen in den Wäldern des Freistaats immer mehr die Pflege von Waldbesitzern und Förstern. (Foto: Andreas Knoll)

Während die Honigbiene in Thüringen nicht gefährdet ist, sieht es um die 560 Wildbienen- und Hummelarten weniger rosig aus. Oft sind Waldbesitzer und Förster der einzige Rettungsanker

Naturnahe Forstwirtschaft ist ein Garant stabiler Honig- wie auch Wildbienenpopulationen im Freistaat. Umfangreiche und vielfältige Mischungen heimischer Laub- und Nadelbäume, die Pflege sowohl früh- wie spätblühender Bäume und Sträucher mit hohem Nektar- und Pollenangebot und die insektenfreundliche Gestaltung von Waldsäumen und –rändern etwa an Forstwegen und Rückegassen wie auch Waldwiesen, Forstkulturen oder Dickungen sind wichtige Gründe.

Rund 100 Gestattungen nutzen allein die insgesamt etwa 2.250 organisierten Thüringer Imker, um im Staatswald eine reiche Honigernte einzufahren. Aber auch die Wildbienen- und Hummelarten fühlen sich in naturnahen Wäldern wohl und sind, neben vielen weiteren Insektenarten, oft genug einziges Rückzugsgebiet.

Nachweislich sind diese Wälder durch ihre vielfältigen Strukturen um bis 2° C „wärmer“ als oft genug geschlossene und damit flächig verschattete Stilllegungswälder. So bieten Wirtschaftswälder oft attraktivere Lebensräume mit mehr Insektenarten und mehr Individuen.

Bienen enorm wichtig für die heimische Land- wie Forstwirtschaft

„Honigbienen und ihre kaum wahrgenommenen Schwestern, die Wildbienen, sind nicht nur enorm wichtig für die Landwirtschaft, sondern auch für die Forstwirtschaft. Denn die Bestäubung von Linde, Traubenkirsche, Vogelbeere & Co hängt von den sonor summenden Insekten ab“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Agrarökonomen errechneten, dass Bestäuber, die meisten davon Bienen, europaweit 14 Milliarden Euro im Jahr an Ertrag bringen.

Allein in Deutschland sind es etwa zwei Milliarden Euro im Jahr. Etwa 80 % der Nutzpflanzen und Wildkräuter, speziell letztere auch im Wald zu finden, sind auf Bestäubung durch Bienen angewiesen. Doch nicht nur Wildbienen, auch viele andere blütenbesuchende Insekten wie Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer oder Ameisen sind stark spezialisierte Bestäuber und tragen zu einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft, auch und gerade im Wald, bei.

Deshalb werden diese Arten bei vielen Waldbesitzern und Förstern gefördert. So entwickeln sich zum Beispiel viele Schwebfliegenarten und Käfer im Totholz, welches von Waldbesitzern aus Artenschutzgründen vermehrt im Wald belassen wird.

Förster und Waldbesitzer fördern blütenbesuchende Insekten

Mitte April bis Mitte Mai sind die emsigen Flieger besonders fleißig beim Honig sammeln. Zuvor stärkten sich die Bienen an Weide, Hasel und Birke, die wichtige erste Nahrungspflanzen im Frühjahr im Wald darstellen. Waldbesitzer können die Immen unterstützen, indem sie Bäume und Sträucher mit hoher Pollen- und Nektarproduktion wie etwa Salweide, Wildapfel oder auch Linden am Waldaufbau beteiligen, am besten mit verschiedenen Blühzeitpunkten.

So blüht der Spitzahorn im April/Mai, die beiden Lindenarten im Juni/Juli. Auch können Waldbesitzer das Aufstellen von Bienenkästen unmittelbar in ihrem Forst erlauben und damit die  Flugstrecken der Bienen verkürzen, womit der Honigertrag steigt. Auch führen regelmäßige Durchforstungen zugunsten von Mischbaumarten, neben einer Stabilisierung und Vitalisierung der Bestände, auch zu größeren Kronen der verbleibenden Bäume mit mehr Nektar- und Pollenproduktion – die Immen freut es.

Nicht nur Honigbienen, auch Wildbienen werden im Wald gefördert

Auch wenn Wildbienen- und Hummelarten, von denen mehr als 40 % auf der Roten Liste geführt werden, größtenteils im Offenland leben, bieten untersonnte Waldränder und Waldlichtungen wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen. Durch kleinflächige Durchforstungseingriffe, Belassen von Altholzinseln und Totholz, Erhaltung von Kleinlebensräumen und der Verzicht auf die Bekämpfung der für Wildbienen sehr nahrhaften Himbeere werden auch diese Arten im Freistaat durch eine naturnahe Waldwirtschaft gefördert.

Wildbienen sind, im Gegensatz zur Honigbiene, Einzelgänger und nutzen keinen Bienenstock. So sind speziell Wildbienen sehr angenehme und ruhige Nachbarn und auch für Waldbesucher unproblematisch.

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Kontakt

ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann