Multifunktionalität der Wälder erhalten

Wälder haben vielfältige Funktionen, alle von großer Bedeutung – Klimaschutz und Biodiversität dürfen diese Multifunktionalität nicht zur Zweifunktionalität herabsetzen. (Foto: Ralf Sikorski)

Wälder sind wichtig für den Klimaschutz und die Biodiversität. Aber damit sind ihre gesellschaftlich erforderlichen Aufgaben noch lange nicht erschöpft. Das Thüringer Waldgesetz gibt Auskunft

Die heimischen Wälder haben vielfältige Aufgaben. Sie sollen das Klima schützen, die Biodiversität sichern, Menschen und Sachwerte vor Naturgefahren bewahren, den Roh-, Bau- und Werkstoff Holz nachhaltig liefern, Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten gewähren und nebenbei Sauerstoff liefern, sauberes Wasser produzieren und zivilisationsbedingten Staub und Lärm schlucken.

So unglaublich das klingt, der Wald kann das alles nahezu gleichzeitig – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Um diese abzusichern, spricht der Gesetzgeber von der Erhaltung der Multifunktionalität der Wälder. Die Gewichtung der einzelnen Funktionalitäten kann für konkrete Waldbestände durchaus unterschiedlich sein und sich sogar im Zeitlauf verändern. Stets ist ein sorgfältiges Austarieren der Ansprüche von Gesellschaft und Lobbygruppen auf der einen Seite und den Rechten des Waldeigentümers auf der anderen Seite erforderlich.

Nachhaltige, naturnahe Waldwirtschaft als Basis von Multifunktionalität

„Das Thüringer Waldgesetz gibt den Weg vor: Auf Grundlage einer nachhaltigen, naturnahen Waldbewirtschaftung werden die Ziele in Bezug auf die Schutz-, Wohlfahrts- und sonstigen Nutzfunktionen festgeschrieben und damit die Multifunktionalität der heimischen Wälder gesichert“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Die nachhaltige Waldbewirtschaftung hat eine über 300-jährige forstliche Tradition – seit dieser Zeit wird nur soviel Holz aus dem Wald entnommen, wie langfristig wieder nachwächst. „Nachhaltige, naturnahe Waldwirtschaft, wie sie im Freistaat umgesetzt wird, fördert z. B. die Verjüngung im Wald, schafft Lebensräume für viele Arten, schafft ein Waldwegenetz für Erholung und Sport und schützt den Wald“, so Gebhardt weiter.

Multifunktionalität bedeutet, nicht in einseitige Betrachtungen zu verfallen

Die Reduzierung der Vielfalt an Waldfunktionen würde bedeuten, die waldgesetzlich geforderte Multifunktionalität ins Ungleichgewicht zu bringen. Wo etwa die Holzernte auf einer Waldfläche ausgesetzt wird, um einseitig Naturschutzfunktionen zu priorisieren, muss der Einschlag unter Wahrung der Nachhaltigkeit an anderer Stelle verstärkt werden, um zu verhindern, dass eine Unterversorgung der Bevölkerung, der Industrie und des Handwerks mit regionalem Holz eintritt.

Das Austarieren speziell von Nutz- und Schutzfunktionen muss vor dem Hintergrund des Klimawandels, der eine grundsätzliche Veränderung unserer Naturausstattung zumindest lokal zur Folge haben wird, deshalb besonnen und flexibel gehandhabt werden. Dieses Austarieren der vielen Ansprüche und Funktionen gehört zu den täglichen Aufgaben von Forstleuten und Waldbesitzenden. Das Primat der Multifunktionalität steht dabei im Vordergrund.

Die Bereitschaft zur stärkeren Holznutzung wächst in Thüringen

Im Freistaat besteht der waldgesetzliche Auftrag, die nachhaltige Holzproduktion und – verwertung zu fördern. „Die Wahrnehmung von Holz als CO2-Speicher und somit klimaschützender Roh-, Bau- und Werkstoff des 21. Jahrhunderts entwickelt sich positiv, sowohl in der Politik wie auch beim Verbraucher. Speziell das Bauen mit Holz liegt voll im Trend“, stellt Gebhardt abschließend fest.

Nicht nur, dass die Natur und vor allem das Klima von einer stärkeren Nutzung unseres heimischen Holzes profitiert, die Thüringer Forst- und Holzwirtschaft sichert über 40.000 Arbeitsplätze, schafft Steuereinnahmen für den Staat und erbringt mit zwei Milliarden Euro Branchenumsatz Wohlstand, vor allem im strukturschwachen ländlichen Raum.

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ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann