Je älter die Wälder, umso geringer die Klimaschutzwirkung

Von jungen Wälder in nachhaltiger, forstlicher Bewirtschaftung geht die höchste aktuelle Klimaschutzleistung aus. Bei Wäldern älter als 140 Jahre sinkt die für den Klimaschutz wichtige „Senkenwirkung“ bis auf null. (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Forscherteam hat nachgewiesen, dass junge, nachwachsende Wälder die größeren Kohlenstoffsenken sind. Urwälder dagegen mit geringerem aktuellem Klimaschutzeffekt

Wälder binden im Mineralboden, Humus, Totholz, aber vor allem in der lebenden Baumbiomasse große Mengen an CO2 und wirken so, gemeinsam z. B. mit Mooren und Ozeanen, der Klimaerwärmung entgegen. Ein internationales Forscherteam fand nun heraus, dass sich weltweit bedeutende Kohlenstoffsenken in Wäldern bilden, die jünger als 140 Jahre sind. In Mitteleuropa, so auch in Thüringen, sind dies oftmals gerade jene Wälder, die sich in nachhaltiger forstlicher Bewirtschaftung befinden. Mit zunehmendem Alter der Bäume sinkt diese wichtige, jährliche CO2-Senkenwirkung bis hin zum Verschwinden dieses Effektes. Sog. Urwälder, die sich in einem Gleichgewicht zwischen Aufbau und Zerfall befinden, leisten deshalb -wenn auch auf hohem Vorratsniveau- keine Netto-CO2-Bindung. Die höchste, aktuelle Klimaschutzwirkung, so das Forscherteam, gehe schließlich von nachhaltig forstlich bewirtschafteten, verhältnismäßig jungen Wäldern aus. Deren Holz wird für langlebige Produkte verwendet, etwa als Bau- und Plattenholz, für Holzdachstühle oder auch Holzmöbel. Wälder sind also dann bestmögliche Klimaschützer, wenn sie jünger sind und das aus ihnen nachhaltig geerntete Holz langlebig eingesetzt wird.

Nachhaltige Forstwirtschaft als Teil einer Klimaschutzstrategie
„Die Ergebnisse dieser Studie sind ein wichtiger Beitrag in der aktuellen Klimaschutzdiskussion und rücken vor allem die nachhaltige, naturnahe Forstwirtschaft in ein, bislang unterschätztes, positives Licht“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Klimaschutzziele sind die Erhaltung der großen Waldkohlenstoffspeicher, die Waldmehrung und die Waldbewirtschaftung inklusive Waldverjüngung. So verfügt der Wald in Eigentum der Landesforstanstalt entsprechend der Ergebnisse der Bundeswaldinventur 3 (BWI 3) über eine Verjüngungsfläche von 52.500 ha, was 27 % der Waldfläche entspricht. Eine Fläche, die eine besonders effektive Kohlenstoffsenke darstellt. Zwei Drittel dieser Verjüngung sind Laubbäume, was ein zusätzliches ökologisches Potenzial darstellt. Das Durchschnittsalter des Landeswaldes liegt mit 80 Jahren deutlich unter den wissenschaftlich bestimmten 140 Jahren und damit in jenem Bereich, den die Forscherals bedeutsam klimaschützend einschätzen.

Wald ist immer ein CO2-Speicher, aber nicht immer eine CO2-Senke
Bisher gingen Forscher davon aus, dass Wälder beachtliche CO2-Senken sind. Senken sind Systeme, die jährlich immer wieder erneut große Mengen Kohlenstoff binden und so die CO2-Ansammlung in der Atmosphäre verlangsamen und damit den Klimawandel bremsen. Jetzt weiß man anhand einer Kombination von neuesten Daten- und Computermodellen, wieviel CO2 Wälder in unterschiedlichen Altersstadien aufnehmen. Junge Wälder schneiden hierbei überproportional gut ab, weil sie für ihr starkes Jugendwachstum deutlich größere Mengen Kohlenstoff zum Holzaufbau einlagern als alte Bäume dies tun. Dieser Alterseffekt macht rund 25 % der CO2-Aufnahme der Wälder aus. In alten Wäldern werden durch vermehrte Absterbevorgänge hingegen hohe Biomassevorräte aufgelöst und das darin gebundene CO2 freigegeben – mit der Klimaschädigung als Folge.
Aus Klimaschutzsicht sind also alte Wälder oder „Urwälder“ zwar weltweit bewahrenswerte CO2-Speicher – aber nicht die alleinige „grüne Lunge“ der Erde. Das sind vor allem die jungen, leistungsstarken Forste. Diese werden durch nachhaltige Forstwirtschaft gefördert. Auch Waldpflege und Wiederaufforstung sind wichtige Ziele dieser ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung.

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Dr. Horst Sproßmann