Ist das Auerhuhn bald wieder heimisch?

Forst-Staatssekretär Torsten Weil (li.) und ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt entlassen im Thüringer Forstamt Gehren einen jungen Auerhahn in die Freiheit. (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Das größte Waldhuhn im Freistaat kommt inzwischen in drei Forstämtern vor. Heute werden fünf Tiere bei Gehren im Beisein von Forst-Staatssekretär Torsten Weil ausgewildert

ThüringenForst entlässt in dieser und der nächsten Woche im Bereich der Forstämter Neuhaus und Gehren insgesamt 19 Auerhühner in die Freiheit. Weitere 16 Tiere wurden bereits in der letzten Wochen in Auswilderungsvolieren langsam an das Leben im Wald gewöhnt. Alle Tiere stammen aus der ThüringenForst-eigenen Aufzuchtstation bei Rudolstadt.

Forst-Staatssekretär Torsten Weil erklärte anlässlich der Auswilderungsaktion: „Durch Lebensraumverluste, Schadstoffeinträge und überhöhte Wildbestände stand das Auerhuhn vor zehn Jahren in Thüringen kurz vor dem Aussterben.

Mit der Auswilderung von Auerhühnern und gezielten forstlichen Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung leisten wir unseren Beitrag zum Schutz dieser seltenen und nach wie vor stark bedrohten Art der Roten Liste. Ich bin sehr froh, dass die Anstrengungen der letzten Jahre Früchte tragen, und hoffe, dass die Auerwildpopulation im Freistaat nachhaltig wächst“.

Schwedenhühner dienen der Bestandsauffrischung

Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren  im Bereich des Forstamtes Gehren zuvor in Schweden gefangene Auerhühner ausgewildert. „Nicht nur, dass Wildfänge die besseren Überlebenschancen gegenüber den Zuchttieren haben, gleichzeitig wird damit eine genetische Bestandsauffrischung verfolgt“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Aber nicht nur der Bestandesstützung gilt als wichtiger Pfeiler des gesamten Rettungsprojektes: Seit 2012 hat ThüringenForst in fünf Forstämtern des Ostthüringer Schiefergebirges rund 45.000 Hektar Fläche in der forstlichen Bewirtschaftung auf das Auerhuhn abgestimmt. Dort werden, neben den Auswilderungen, auch Fressfeinde verstärkt bejagt wie auch die Wilddichten gesenkt. Derzeit gehen Experten von einem geschätzten Bestand von inzwischen bis zu 30 Tieren aus.

Damit konnte der Abwärtstrend der Population in Thüringen gestoppt werden, wenngleich die ursprünglich gewählte Zielgröße von 100 Tieren in 2022 vermutlich nicht mehr erreichbar sein wird.

Das Auerhuhn ist Naturschutz-Leitart lichter Wälder

Das Auerhuhn gilt als Naturschutz-Leitart lichter Wälder. Wo das Auerhuhn geeignete Lebensraumbedingungen vorfindet, sind auch bald weitere schützenswerte Arten wie der Ziegenmelker, die Kreuzotter oder Sperlings- bzw. Raufußkauz zu beobachten.

Das macht das größte heimische Waldhuhn für Förster und Waldökologen noch interessanter. Denn die forstlichen Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung, die insbesondere die Herstellung lichterer Waldstrukturen oder die Förderung alter starkastiger Kiefern und Lärchen umfassen, schaffen ein ausgesprochen vielfältig nutzbares Biotop mit vielen ökologischen Nischen.

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Dr. Horst Sproßmann