Holzbau kann das Klima entlasten

Die Thüringer IBA greift mit dem Timber Prototype House das Thema Holzbau und Klimaschutz innovativ auf (Foto: Thomas Müller/IBA)

Das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mahnt den Baustoff Holz als Ersatz für klimaschädlichen Zement und Stahl an. Gebäude werden so zu Kohlenstoffsenken

Das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) spricht von einer Materialrevolution im Städtebau: Der Roh-, Bau- und Werkstoff Holz kann eine fundamentale Bedeutung im Klimaschutz bekommen. Erstens kann Holz die Treibhausgasemissionen aus der Zement- und Stahlproduktion, eine der Hauptquellen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2, vermeiden. Zweitens kann Holzbau große Gebäude sogar in Kohlenstoffsenken verwandeln, da im Bauholz das von den Bäumen zuvor aus der Luft aufgenommene CO2 eingelagert und in ihren Stämmen als Kohlenstoff (C) gespeichert wird. Nach Berechnungen der PIK-Wissenschaftler können so die globalen Klimastabilisierungsziele des Pariser Abkommens erreichbar gemacht und die weltweite Klimaerwärmung erfolgreich auf unter 2° C gehalten werden.

Verstädterung und Bevölkerungswachstum forcieren Bauwesen
Verstädterung und Bevölkerungswachstum führen weltweit zu einer kontinuierlichen Nachfrage nach Gebäuden für Wohnen und Gewerbe. Verfolgt man weiterhin den konservativen Bau wird der Einsatz von Zement und Stahl auch in Zukunft eine Hauptquelle von Treibhausgasen bleiben. Je nach Anteil des Übergangs zum Baustoff Holz, denkbar wären für die Wissenschaftler sogar 90 % Holz im Bau, könnten weltweit zwischen 10 Mio. Tonnen im niedrigsten Szenario und fast 700 Mio. Tonnen Kohlenstoff pro Jahr im höchsten Szenario gespeichert werden. Das sind 0,1 bis 6,4 % der heutigen weltweiten Klimagasemissionen. Da im Rahmen der nachhaltigen Forstwirtschaft nur so viel Holz aus dem Wald entnommen wird, wie wieder nachwächst, ist die Nutzungshöhe in den nachhaltig bewirtschafteten Wäldern der Erde begrenzt. Erweitert werden kann hingegen die holzproduzierende Waldfläche zum einen durch Aufforstung und andererseits durch die Durchführung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung mit besonderer Rücksicht auf potentiell gefährdete Waldflächen.

Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr nachhaltige Forstwirtschaft
„Die Berechnungen können, wie die PIK-Forscher auch selbst einräumen, nur dann Realität werden, wenn der Roh-, Bau- und Werkstoff Holz in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung gestellt werden kann“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Das Gebot des Klimaschutzes sei es deshalb jetzt, durch sorgfältige nachhaltige Waldbewirtschaftung den „Klimaretter Holz“ in größerem Umfang als bisher zu produzieren, Schadflächen natürlich und künstlich aufzuforsten, bestehende Wälder zu sichern und weitere Waldflächen hinzuzugewinnen. Ebenso ist die Kaskadennutzung, also die Mehrfachverwendung von Holz etwa als Brett, dann als Span und schließlich als Brennstoff, zu verstärken. Auch die Integrierte Thüringer Energie- und Klimaschutzstrategie (2019) betont diese Säulen des Klimaschutzes durch Wald und Holz. Waldschutz im Sinne einer Vermeidung von Waldflächenvernichtung und Waldverarmung muss an den globalen Hotspots ansetzen, nicht aber im vorbildlich gesetzlich geschützten und überwiegend zertifizierten Wald in Deutschland.

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ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann