Hochstubben erleichtern Aufforstungen

Bequeme Forstwirte, die sich beim sanieren von Borkenkäfer-Schadflächen nicht bücken wollten? Weit gefehlt – im Schutz jeder einzelnen Hochstubbe gedeiht eine klimastabile junge Weiß-Tanne oder Buch (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

So mancher Waldwanderer hat sich schon über geräumte Borkenkäferschadflächen gewundert, auf denen Dutzende, etwa zwei bis drei Meter hohe Baumstümpfe verblieben. Die Erklärung: Die Hochstubben dienen dem Schutz und der Förderungen des Baumnachwuchses und beschleunigen so den Waldumbau

Ein gewöhnungsbedürftiges Waldbild, das landauf, landab immer häufiger anzutreffen ist: Schadflächen, auf denen die Bäume nicht, wie üblich, direkt am Wurzelstock abgesägt wurden, sondern in etwa zwei bis drei Metern Höhe. Was für den Laien irgendwie nach Hangsicherung oder Panzersperre aussieht, ist schlicht und einfach eine Maßnahme aus der Trickkiste des naturnahen Waldbaus. Im Schutz dieser Stümpfe wird die neue Waldgeneration gepflanzt. Wer näher tritt erkennt schnell, dass in der Wurzelachsel unmittelbar am Baumstumpf eine junge Forstpflanze gesetzt wurde. Nicht irgendwo, sondern an der örtlichen Wetterseite. „Stockachselpflanzung“ nennen Forstleute diese Vorgehensweise. Das Verfahren stammt ursprünglich aus dem Hochgebirge, wo es neben dem mechanischen Schutz der Forstpflanze gegen Schnee, auch gleich dem Hang- und Lawinenschutz dient. Der große Vorteil in Thüringens Wäldern: Im Schutz der Hochstubben gedeihen junge Forstpflanzen besser. So lässt sich zügiger ein klimastabiler Mischwald begründen. Im Hochgebirge erfunden und nicht nur dort geschätzt „Das Belassen von Hochstubben und die Pflanzung des Baumnachwuchses in den Stockachseln wurde als Verfahren in den Hochgebirgslagen entwickelt. Aber nicht nur dort ergeben sich im Schutz der Hochstubben mikro-standörtliche Vorteile für den Baumnachwuchs“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Diese Vorteile kann das Verfahren in erster Linie in Hanglagen ausspielen, insbesondere bei schwierigen standörtlichen Verhältnissen. So etwa an südexponierten, also oft trockenen Hängen, wo die Wasserversorgung der auf Schadflächen gepflanzten, jungen Baumgeneration speziell in den Sommermonaten ggf. schwierig werden kann. So werden die Anpflanzungen durch den Stock beschattet und vor Strahlung und Austrocknung im Tagesgang der Sonne geschützt. Durch den Trichtereffekt der Stockachsel wird außerdem am Stamm abfließender Schlagregen, zusätzlich zu den Niederschlägen, gesammelt und dem Jungbäumchen zugeführt. Gleichzeitig ist die Hochstubbe ein Nährstoffdepot und Wasserschwamm zum Vorteil des Nachwuchses. Durch die an der Hochstubbe vereinfachte Anflug- und Landemöglichkeit für Vögel, werden nicht nur weitere Baumsamen, etwa der Vogelbeere, natürlich verbreitet: Auch Greifvögel nutzen die Hochstubbe für die Mäusejagd, was deren biologische Bekämpfung verbessert. Den vielen Vorteilen bei Hangbepflanzungen steht nur ein Nachteil gegenüber: So verlangt der Rüsselkäfer, ein Waldschädling der sich -ausgerechnet- in frischen Baumstubben vermehrt, intensiver Beobachtung, da er sehr gern an Wurzeln junger Forstpflanzen frisst. Folglich muss der Waldbesitzende mit Augenmaß und Sachverstand vorgehen – hier helfen die 281 Revierförsterinnen und Revierförster der ThüringenForst-AöR gerne.

Haben die Wälder unter überhöhten Rot- und Rehwildbeständen zu leiden, so kann der Waldbesitzende einen weiteren Vorteil nutzen: An der Hochstubbe lässt sich hervorragend ein Drahtschutz befestigen oder gar ein Zaun stabil aufhängen, der die jungen klimastabilen Weiß-Tannen, Douglasien oder Eichen vor dem Verbiss durch das Rot- und Rehwild schützt. Das spart bares Geld beim teuren Waldumbau.

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Dr. Horst Sproßmann