Faszination Waldameise – Jeder erkennt sie, wenige kennen sie

Waldameisen transportieren Holzteilchen, die ein mehrfaches ihres Körpergewichts ausmachen, für den nahegelegenen Nestbau ab (Foto: Andreas Knoll)

Kaum ein Waldinsekt ist so bekannt wie die Waldameise. Und trotzdem ist das Wissen um ihre wichtige ökologische Rolle als „kleine Waldpolizei“ leider oft gering

Waldameisen spielen eine wichtige Rolle in unseren Wäldern. Während wohl jeder Waldbesucher Waldameisen kennt, herrscht über ihre vielfältigen Leistungen für das Ökosystem wie auch ihre Ansprüche an den Lebensraum oft nur geringe Kenntnis. Faszinierend ist bei diesen Insekten, dass sie, wie die Honigbiene, in straff organisierten Staatengemeinschaften mit verschiedenen Kasten leben, die jeweils klar definierte Aufgaben besitzen. Und als wäre das nicht schon genug, sind Waldameisen auch noch herausragende Bauingenieure. Ameisenhügel sind wie Eisberge, der sichtbare Teil auf dem Waldboden ist nur ein kleiner, gleichwohl wichtiger Teil des viel größeren unterirdischen Gesamtbauwerks. Und das besitzt insbesondere zum Schutz der Brut eine ausgeklügelte Thermoregulierung, vergleichbar einer Klimaanlage. „Forstleute haben die herausragende ökologische Rolle der Waldameisen schon im 19. Jh. erkannt, insbesondere in Bezug auf die Regulation von Schadinsekten. Der Schutz der Waldameisen ist deshalb geradezu traditionell ein forstliches Thema“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Um Ameisennester herum wachsen Bäume besonders gut
Die unterirdische Nestbautätigkeit der Waldameisen führt zu einer physikalischen, chemischen und biologischen Verbesserung des Bodens. Die Erde wird von den emsigen Krabblern durchwühlt, durchmischt und mit Nährstoffen angereichert. Die für das Baumwachstum ungünstige Bodenversauerung wird vermindert, die Krümelstruktur lässt mehr Sauerstoff in den Boden gelangen, auch das Regenwasser versickert leichter. Dies führt dazu, dass die Feinwurzeln umliegender Bäume in Richtung der Ameisennester wachsen, um ihre Vitalität zu verbessern. Bäume um Ameisennester herum blühen auch häufiger und produzieren mehr Blüten und Samen. Samen, der durch Ameisen auch noch verbreitet wird, da die Krabbler richtige Schwerlastträger sind. Und nicht zuletzt: Waldameisen sind wichtige Nahrungsquelle für viele Waldarten wie Spechte, Raufußhühner oder auch Wildschweine und Dachse.

Waldmeisen können Forstschädlinge regulieren helfen
Große forstliche Bedeutung haben die Waldameisen als Jäger anderer Insekten wie etwa Borkenkäferlarven oder Schmetterlingsraupen. Pro Jahr verfüttern sie Millionen dieser Beutetiere an Brut und Königin. Bei forstlichen Schädlingsvermehrungen können im Umkreis von 100 Metern um das Nest täglich bis zu 100.000 Schmetterlingsraupen vertilgt werden - etwa Eichenwickler-, Schwammspinner oder auch Eichenprozessionsspinnerraupen. Borkenkäfereier und –larven stehen ebenfalls in großen Mengen auf ihrem Speiseplan. Der Anstieg forstlicher Schadinsekten, sowohl in Nadel- wie Laubwäldern, können so in der Nestumgebung auf bis zu ein Hektar wirkungsvoll reduziert werden. Dieser Effekt ist deshalb so beachtlich, weil Waldameisen im Frühjahr ihren größten Hunger entfalten, just wenn viele Raupen schlüpfen bzw. Borkenkäfer zum Brutgeschäft übergehen. Forstleuten und Waldbesitzern liegt der Ameisenschutz deshalb besonders am Herzen.

Forstlicher Ameisenschutz beinhaltet vielfältige Maßnahmen
In jeder Hinsicht sind vielfältige Wälder auch für Ameisen ein attraktiver Lebensraum. Bei Gefahr der Ausdunkelung eines Volkes durch ein dicht geschlossenes Kronendach werden Äste, Kronenteile oder gleich der ganze Baum entfernt. Grundsätzlich wird beim Wegebau und bei der Holzernte, insbesondere bei der Rückung, Rücksicht auf vorhandene Nester genommen z. B. durch entsprechende Hinweise auf dem Arbeitsauftrag. Diese kleinen Investitionen machen die vielfältigen ökologischen wie waldhygienischen Vorteile der Waldameisen leicht wieder wett“, so Gebhardt abschließend.

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Kontakt

ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann