Extreme Borkenkäferwelle bald für jeden Waldbesucher sichtbar

Das Ausmaß der Schäden wird hier am Königsstuhl bei Riechheim deutlich sichtbar (Foto: Forstamt Erfurt-Willrode)

Forstamt hilft mit Trockenlagern - auch Totholz ist Teil der Strategie

Auf Thüringens Wälder rollt eine extreme Borkenkäferwelle zu, warnt das Forstamt Erfurt-Willrode. Waldbesucher müssen sich auf Bilder einstellen, die man mit absterbenden und toten Bäumen bis jetzt eigentlich nur aus Nationalparken gekannt hat.

Die Wälder im Forstamt Erfurt-Willrode leiden schon seit drei Jahren extrem unter dem Klimawandel und der Trockenheit. Das habe Schwächeparasiten wie den Borkenkäfer geradezu explodieren lassen, erklärt Forstschutzexperte Stephan Fabig. Die Borkenkäfer haben inzwischen Dichten erreicht, mit denen sie auch noch gesunde Bäume erfolgreich angreifen können: „Die Vermehrungswelle läuft gerade und wird bald einen traurigen Höhepunkt erreichen. In wenigen Wochen wird auch der normale Waldbesucher das ganze Ausmaß der Schäden erkennen können, die sich bereits jetzt mit absterbenden Fichten und roten Nadeln andeuten.“ Trotz intensiver Gegenmaßnahmen seien die Wälder durch den Klimawandel so geschwächt, dass dem Schädling ganze Fichtenbestände zum Opfer fallen werden. „In den Nadelholzgebieten des Forstamtes Erfurt-Willrode läuft der Einschlag von befallenen Käferholzbäumen daher schon in der zweiten Welle auf Hochtouren“, erläutert Forstamtsleiter Dr. Chris Freise. Das betreffe vor allem die Fahner Höhe, den Riechheimer Berg, den Werningsleber Wald, Teile der Reinsberge bei Arnstadt sowie die Nadelholzwälder um Kranichfeld, Stadtilm und Osthausen. „Wer jetzt als Waldbesitzer befallenes Holz nicht so schnell wie möglich einschlägt und abtransportiert oder es vor Ort entrindet oder mit Holzschutzmitteln behandelt, der hat den Schuss wirklich noch nicht gehört und gefährdet seine Nachbarn“, unterstreicht Forstschutzexperte Fabig.

Das Forstamt habe bereits mehrere hundert Hinweisschreiben versandt und schlage seit Wochen Alarm. Für die Käfersanierung stehen auch Fördermittel bereit. Das wichtigste sei, so schnell wie möglich mit dem örtlichen Revierförster oder dem Forstamt Kontakt aufzunehmen und mit den Arbeiten anzufangen.

Erschwerend komme hinzu, dass der Holzmarkt vom Schadholz überschwemmt sei. „Die Industrie wird nicht in der Lage sein, das gesamte Käferholz so schnell aufzunehmen, wie es für den Wald wünschenswert wäre. Wenn das Holz überhaupt noch einen Käufer findet, decken die Erlöse die Aufarbeitungskosten oft nicht mehr“, beschreiben die Förster die Lage. Der Waldbesucher müsse sich daher nicht nur darauf einstellen, dass es durch die laufenden Sanierungshiebe immer wieder zu Beeinträchtigungen komme, auch das Holz werde länger als sonst unverkauft am Waldweg lagern. Das Forstamt empfiehlt die schnelle Selbstverwertung und Aufarbeitung des Schadholzes als Brennholz und hat in der Vermarktung bis zum Handel nach China und Österreich neue Absatzkanäle eröffnet. Weitere Marktentlastung sollen kleinere Zwischenlager im Wald und ein größeres Trockenlager von Käferholz auf dem Submisssionsplatz bei Egstedt in Kooperation mit einem heimischen Sägewerk bringen.

„Bei der Borkenkäferbekämpfung versuchen wir unsere Kräfte dort zu konzentrieren, wo sie den größten Nutzen bringen“, sagt der Forstamtsleiter. Man arbeite nach einem abgestuften Sanierungskonzept je nach Lage in verschiedenen Intensitätszonen. Zur Strategie des Forstamtes gehöre auch das Belassen von Totholz. „Und zwar dort, wo die abgestorbenen Bäume nicht mehr als Brutbaum vom Borkenkäfer genutzt werden können und sie mit entsprechender Entfernung von Hauptwegen keine Gefahr für Waldbesucher darstellen.“ Das Totholz könne dann bei der natürlichen Wiederbewaldung helfen. Dieser Prozess brauche aber 10 bis 20 Jahre und sei kein Allheilmittel. Die Förster planen tote Bäume nur in Maßen dauerhaft zuzulassen und sie mit aktiven Wiederbewaldungsflächen zu kombinieren.

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Forstamt Erfurt-Willrode

Dr. Chris Freise