Die Lage wird ernst: Aufforstungen vertrocknen wegen Hitze

Vertane Arbeit: Jeder zweite im Frühjahr 2018 gepflanzte Baumsämling wird wegen der extremen und langanhaltenden Sommerhitze vertrocknen. (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Über 150.000 Bäumchen hat ThüringenForst im Frühjahr 2018 in die Wälder gepflanzt. Ihnen droht jetzt der Hitzetod

Im Frühjahr 2018 hat ThüringenForst rund 150.000 Jungpflanzen auf Sturmkahlflächen und im Rahmen des Waldumbaus in die Wälder gepflanzt. Vorwiegend Weißtannen, Buchen, Lärchen und Bergahorn. Fehlende Niederschläge und extreme Hitze gefährden jetzt akut die Aufforstungen. Gerade die jungen Bäumchen sind auf regelmäßige Niederschläge angewiesen, denn sie verfügen nur über ein verhältnismäßig kleines Wurzelwerk.

Das Eindringen in tiefere, feuchtere Bodenschichten ist ihnen nicht möglich. Jetzt droht der Hitzetod. Im Gegensatz zu Landwirten oder Gärtnern mit ihren Spezialkulturen ist die Bewässerung von Aufforstungskulturen im Wald unüblich und nahezu unmöglich. Die Landesforstanstalt rechnet mit Kulturausfällen bis zu 50 %, die ein teures Nachpflanzen in diesem Herbst bzw. folgenden Frühjahr notwendig machen. Der finanzielle Schaden geht allein im Staatswald in die Hunderttausende.

560 Hektar Aufforstung mit über 500.000 Pflanzen für 2018 geplant

„Unsere Planung für den Staatswald sieht vor, in diesem Jahr Aufforstungen mit 25 verschiedenen Baumarten auf rund 560 Hektar, was immerhin der kompletten Altstadtfläche von Waltershausen entspricht, durchzuführen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Zwei Drittel aller Pflanzen sind Rotbuchen, die sich als Mischbaumart in Thüringens Wäldern besonders gut eignen. Da Forstpflanzen im Frühjahr und im Herbst in den Boden gebracht werden, wurden rund 150.000 davon schon im April/Mai 2018 gepflanzt.

Freuten sich die Forstwirte zur Pflanzzeit noch über die milde Witterung, wich diese im Fortlauf der Sommermonate einer zunehmend großen Sorge. So zeigen die klimatischen Wasserbilanzen verschiedener Thüringer Waldmessstationen von April bis Juli erschreckend geringe Bodenwassergehalte in allen Bodentiefen. Dies erinnert die Experten an den Jahrhundertsommer 2003, der als mindestens vergleichbar, wenn nicht sogar weniger dramatisch angesehen wird.

Die Förster und Waldbesitzer hoffen auf einen kühlfeuchten Herbst 2018

Der Schwerpunkt der diesjährigen Aufforstungen wird im Herbst sein. Und Förster und Waldbesitzer hoffen auf regenreiche Herbstmonate. Zwar erschwert sich damit ggf. die Holzernte, den Hunderttausenden Forstpflanzen zwischen Harz und Heldburger Land, zwischen Rhön und Altenburger Land ist aber damit ein vitales Wachstum gesichert.  Und dieser Optimismus ist dringend notwendig: Die Wetterexperten des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Vorhersagen (EZMW) erwarten für 2019 nochmals eine außergewöhnliche Warmphase.

Im nächsten Jahr wird die kontinentaleuropäische Wetterlage voraussichtlich durch EL-NIÑO beeinflusst, einer außergewöhnlich warmen Strömung im äquatorialen Pazifik. 

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Dr. Horst Sproßmann