Die Braut ist eine Eiche

Forstreferendar Richard Wiehe hat die Braut des Forstamtes selbst mit aussortiert: 1489.- € pro Kubikmeter war die durch Trockenheit geschwächte Eiche aus dem Wittedaer Forst einem Furnierhersteller aus Mainfranken wert. (Foto: Dr. Chris Freise)

Die Braut aus dem Forstamt Erfurt-Willrode ist eine Eiche. Wertholzkauf mit Allzeithoch von Preisen trotz Schadholzsanierung

Bei der Laub- und Nadelholzsubmission auf dem zentralen Lagerplatz bei Egstedt hat Holz aus dem Forstamt Erfurt-Willrode so hohe Preise wie noch nie erzielt. Die „Braut“, so wird der teuerste Stamm im Holzgeschäft genannt, aus dem Forstamt Erfurt-Willrode ist eine Eiche aus dem Witterdaer Forst. „1.489 Euro war dieser Stamm den Holzkunden wert“, zeigt sich Forstamtsleiter Dr. Chris Freise zufrieden.

Die „Braut“ des Forstamtes, wie die Spitzenstämme im Holzgeschäft genannt werden, habe damit bestimmt einen der kürzesten Anfahrtswege zum Submissionsplatz gehabt. Das freut auch Revierförster Alexander Albrecht, der den durch Schwächeparasiten geschädigten Baum bei einer einzelstammweisen Durchforstung mit Waldarbeitern des Forstamtes eingeschlagen mit Pferden gerückt hat.

Das Preisniveau der Submission ist im Vergleich zum Vorjahr vor allem bei der Leitbaumart Eiche um beachtliche 40 % angestiegen und hat bei den Waldbesitzenden für zufriedene Gesichter gesorgt, so das Forstamt. „Die gestiegenen Preise freuen uns als Signal für die Wertschätzung des nachhaltigen Rohstoffes Holz. Sie sind aber auch Ausdruck der Rohstoffunterversorgung unserer Marktpartner in Laubholz verarbeitenden Gewerbe“, erläutert Freise. Nach dem vierten Katastrophenjahr in Folge sei der Waldbesitz immer noch mit der Aufarbeitung von Trocken- und Borkenkäferschäden beschäftigt. Da sei kaum Zeit für die Pflege von Laubholzbeständen gewesen. Daher liege die Gesamtangebotsmenge der Submission mit knapp unter 1000 Kubikmetern auch 50 % unter dem Vorjahr. Und selbst dieses Holz sei zum Großteil durch die Sanierung von Trockenschäden angefallen.

„Dass dieses zwangsweise angefallene Schadholz mit seiner sehr breit gestreuten Qualität auf eine so gute Nachfrage gestoßen ist, freut uns natürlich sehr“, sagt der Forstamtsleiter. Anscheinend habe das gesamte Team gemeinsam im Vorfeld bei der Angebotszusammenstellung den richtigen Riecher gehabt. „Das Holz der Submission stammt grundsätzlich nur aus regulären Durchforstungen, mit denen einzelstammweise naturnahe und gemischte Wälder gepflegt werden oder aus der Schadholzsanierung“, unterstreicht Freise. Die Stämme werden also nicht extra für die Submission geschlagen, sondern aus dem sowieso anfallenden Mengen aussortiert, um sie bestmöglich zu vermarkten. Das geschehe bereits weit im Vorfeld mit viel Aufwand und einer großen Portion Fingerspitzengefühl.

Bei den angebotenen Hölzern handele es sich trotz Trockenschäden um die besten Stämme der Saison. Angeliefert worden auf den zentralen Lagerplatz bei Egstedt sei das Holz aus ganz Thüringen und sogar von zwei Forstämtern aus Sachsen-Anhalt. Positiv sei, dass zum Teil auch sehr merkmalsreiches Holz mit eingewachsenen Ästen und Farbkernen auf gute Nachfrage gestoßen sei.

Etliche Stämme bleiben auch gleich zur Veredelung und optimalen Wertschöpfung bei Handwerksbetrieben in der Region. Dafür biete das Forstamt im Vorfeld für heimische Betriebe einen speziellen Beratungsservice an. 39 Bietern aus ganz Deutschland, Frankreich und Dänemark konkurrierten um das angebotene Holz. Die Weiterverarbeitung erfolgt zu langfristigen Produkten wie Möbeln, Fußböden, Instrumenten, Kunstobjekten oder Weinfässern. Die Submission zeige, dass eine naturnahe Forstwirtschaft, die auf Artenvielfalt, Mischung und starkes Holz setzt, sich auch ökonomisch für die Waldbesitzenden lohne.

Eine öffentliche Führung auf dem Submissionsplatz bei Egstedt zu den wertvollsten Hölzern Thüringens bietet das Forstamt am Sonntag, 30.01. um 11.00 Uhr an. Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos aber auf zehn Teilnehmer begrenzt und nur unter Einhaltung des 2G-Standards und nach Voranmeldung möglich. Anmeldungen nimmt das Forstamt Erfurt-Willrode gerne per E-Mail forstamt.erfurt-willrode@forst.thueringen.de oder telefonisch (036209/43020) entgegen

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Dr. Chris Freise