Die Birke – Überflieger und Hoffnungsträger auf Kahlflächen

Die Birke (im Vordergrund) kann Kahlflächen in relativ kurzer Zeit natürlich wiederbewalden. Im Schutz derartigen Birkenvorwälder können Waldbesitzer den klimagerechten Waldaufbau ggf. einfacher in Gang setzen (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Jüngste Forschungsergebnisse bestätigen, dass die Baumart Birke Millionen von Samenkörnern verlässlich und homogen auf Kalamitätsflächen verteilt

Selbst heimische, vermeintlich „ausgeforschte“ Baumarten können die Forstexperten überraschen und Waldbesitzer Hoffnung machen: Eine einzelne stattliche Birke produziert pro Jahr rund sechs Millionen Samenkörner, in Mastjahren noch mehr. Das Überraschende: Obwohl Birkensamen durch den Wind verbreitet wird, ergibt sich über den viermonatigen Zeitraum des Samenfluges eine nahezu kreisrunde Samenverteilung um jeden Mutterbaum. Unterschiedliche Windrichtungen und –geschwindigkeiten sorgen für diese harmonische geometrische Verteilung. Sehr unterschiedlich ist jedoch das Flugvermögen hangauf- bzw. abwärts. Dies ergab eine wissenschaftliche Untersuchung der TU-Dresden auf Versuchsflächen im Staatswald der ThüringenForst-AöR, die im renommierten Fachblatt „European Journal of Forest Research“ veröffentlicht wurde.

Bis 50 Meter rund um den Mutterbaum finden sich imposante zwei- bis zehntausend Samen pro Quadratmeter und Jahr, nur 100 bis 200 Birkensamen pro Quadratmeter wären für eine erfolgreiche Naturverjüngung erforderlich. Hangaufwärts fliegen Birkensamen knappe 100 Meter weit, bergab können sie im Mittel sogar bis 360 Meter Entfernung überwinden. Rund die Hälfte aller Samen schafft noch weitere Distanzen. Die Birke, als Sand-Birke „Baum des Jahres 2000“, ist also auf Kahlflächen, wie sie durch die Klimafolgeschäden derzeit in größerem Umfang in Thüringen zu finden sind, vielerorts ein respektabler Kämpfer für eine rasche Wiederbewaldung. „Waldbesitzer sind gut beraten, Birken-Samenbäume insbesondere in labilen Waldbeständen zu belassen und zu fördern, um sich für den Fall des Falles zu wappnen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Für eine derartige Risikovorsorge reichen je nach Geländesituation 4-16, möglichst gleichmäßig verteilte Mutterbäume pro Hektar. Die Birken sorgen so zügig für Vorwaldstrukturen, die den späteren Waldaufbau deutlich erleichtern.

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