Derzeitiger Regen nur der „Tropfen auf den heißen Stein“

Sollte sich das Trockenjahr 2018 in 2019 wiederholen, befürchten Forstexperten große Probleme für die 180.000 Waldbesitzer im Freistaat. Die Austrocknung der Böden, die trotz aktueller Regenereignisse ausgeprägt ist, stellt hierbei die größte Herausforderung dar (Foto: Dr. Horst Sproßmann)

Bis sich die ausgetrockneten Waldböden wieder mit Regenwasser sättigen dauert es Monate. Waldbrandgefahr ist Dauerrisiko

An den 14 forstlichen Wald- und Hauptmessstationen der ThüringenForst-AöR ist seit Jahresbeginn nahezu keine nachhaltige Durchfeuchtung der Waldböden nachweisbar. Einzig in den Hoch- und Kammlagen des Thüringer Waldes sorgten im Januar reichlich Niederschläge und große Schneemengen für einen Wassernachschub. Hingegen waren die Monate Februar und März überdurchschnittlich warm, an der Messstation „Großer Eisenberg“ war 2019 der bislang wärmste Februar seit Messbeginn 1995 festzustellen. Besonders dramatisch ist die Lage für Waldbesitzer im Thüringer Becken und im Thüringer Holzland. Dort lagen die Bodenwassergehalte schon Ende März auf einem Niveau wie ansonsten erst Anfang Juni. Selbst sehr große Regenmengen sorgen bei diesen Voraussetzungen nur kurzzeitig für Entspannung. Die Waldbrandgefahr wird zum Dauerrisiko.

Wenig Bodenwasser, welches nur bedingt genutzt werden kann
„Bodenfeuchteuntersuchungen zeigen, dass das wenige im Boden vorhandene Wasser sehr fest an die Bodenpartikel gebunden ist und somit nur bedingt für die Bäume genutzt werden kann“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Vor allem in 50 cm Bodentiefe sind die Wassergehalte z. B. im Ostthüringer Schiefergebirge extrem niedrig. Für die dort stockende Fichte sind die tiefer liegenden Wasservorräte wegen des baumtypischen Flachwurzelsystems kaum erreichbar, ihr Überleben ist von ausreichenden Niederschlägen abhängig. Aufgrund der milden Temperaturen begann der gefürchtete Fichtenborkenkäfer schon Anfang April mit dem Schwarmflug, nochmals 14 Tage früher als 2018 und einen Monat früher als in Durchschnittsjahren. Damit ist eine Voraussetzung gegeben, dass der Borkenkäfer auch 2019 wieder eine vollständige 3. Generation ausbilden und sich damit erneut, wie schon 2018, explosionsartig vermehren kann. Für 2019 stellt das Land insgesamt 4,4 Mio Euro Fördermittel als Hilfen für die Waldbesitzer bereit, um die Kalamität zu bekämpfen und das anfallende Holz bestmöglich zu verwerten. Die sich daran anschließende Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen durch Waldbesitzer wird vom Land mit bis zu 85 Prozent der Ausgaben gefördert. Thüringens Forstministerin Birgit Keller kündigt weitere Hilfen an: „Aktuell arbeiten wir daran, Waldbesitzern möglichst unbürokratisch weitere Zuschüsse für Aufforstung, Schädlingsbekämpfung und zur Prävention von Folgeschäden zu gewähren. Eine Ergänzung der Förderrichtlinie wird derzeit behördlich abgestimmt. Ab jetzt können dazu Anträge, die auch einen vorzeitigen Vorhabensbeginn zulassen, gestellt werden.“ Neben der Fichte sind inzwischen auch Lärche und Kiefer vom Borkenkäferbefall betroffen. Damit nicht genug: Der Gestreifte Nadelnutzholzborkenkäfer, ein Schädling, der bereits eingeschlagenes Holz befällt, begann seinen Schwarmflug in diesem Jahr so früh wie noch nie – bereits Mitte Februar. Der Schädling verursacht eine technische Entwertung des geernteten Nadelholzes – mit besonders hohen wirtschaftlichen Verlusten für die betroffenen Waldbesitzer.

Waldbrände im Freistaat in nie gekanntem Ausmaß
Fast zeitgleich wüteten in Thüringen wegen der milden Temperaturen und der ausgeprägten Bodentrockenheit zwei sehr große Waldbrände. Rund 13 Hektar Wald wurden in Ostthüringen Opfer der Flammen, weitere 10 Hektar im südlichen Ilm-Kreis. Dies sind mit Abstand die flächengrößten Einzelbrände im Freistaat seit der deutschen Wiedervereinigung. Noch ein weiterer trauriger Rekord: Erstmals registrierte ThüringenForst am 26. Februar den ersten Waldbrand diesen Jahres – noch bevor die offizielle Waldbrandüberwachung zum 1. März überhaupt gestartet war. „Die Forstwirtschaft in Thüringen ist durch den Klimawandel einem erhöhten Risiko von Wetterextremen ausgesetzt. Sollte das Jahr 2019 einen ähnlichen Witterungsverlauf wie 2018 zeigen, werden die rund 180.000 Waldbesitzer im Freistaat weitere große Probleme bekommen“, so Gebhardt abschließend.

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Dr. Horst Sproßmann