Das gibt´s doch nicht - Bäume kriegen Sonnenbrand

Sturmwürfe sind oft Ausgang für nachfolgende Sonnenbrandschäden an Waldbäumen: Auf der Sturmfläche verbliebene Einzelbäume sind der Sonne und damit der Hitze ausgesetzt. (Dr. Horst Sproßmann)

Der Mensch schützt seine Haut mit Kleidung und Creme, Tieren hilft ein Fell vor den Sonnenstrahlen. Bei Bäumen verhindert die Rinde einen Sonnenbrand – wenn sie denn dick genug ist

Es klingt für den Laien unglaublich: Unseren wichtigsten Baumarten in Thüringen droht auch diesen Sommer Sonnenbrand. Schon vergleichsweise geringe Hochsommertemperaturen können über den Tag hinweg die Holztemperatur unter einer durchschnittlich dicken Rinde auf 45° C ansteigen lassen. Und damit ein flächiges Absterben von Stammteilen zur Folge haben.

Ausgerechnet die beiden häufigsten Baumarten in Thüringen, die Fichte und die Buche, sind durch ihre vergleichsweise dünne Rinde sonnenbrandgefährdet. Besonders kritisch ist dies, wenn bisher stammbeschattete Bäume, durch Sturmwurf oder Borkenkäferbefall in der Baumnachbarschaft, plötzlich schutzlos freistehen.

Dann sind thermische Rindenschäden, einem schweren Sonnenbrand auf der Haut des Menschen vergleichbar, fast unvermeidlich. Und oft folgt dann die Pilzfäule, die den Baum über kurz oder lang schwächt und zum Absterben bringt.

Der Klimawandel ist die wichtigste Ursache für thermische Rindenschäden

„Die steigenden Sommerhöchsttemperaturen, der Juni 2021 war der drittwärmste Juni in Deutschland seit 1881, lassen die temperaturbedingten Rindenschäden an unseren Hauptbaumarten stetig steigen“, so Jörn Ripken, ThüringenForst-Vorstand.

Forschungen zeigen, dass selbst bei moderaten 26° C Tageshöchsttemperatur unter der dünnen Rinde einer Buche 50° C, unter der dünnen Rinde einer Fichte 49° C auftreten können. Da direkt unter der Rinde das Kambium des Baumes liegt, welches das Zellwachstum im Stamm steuert, sind Schäden durch Sonnenbrand unvermeidbar.

„Neben Buchen und Fichten sind auch die dünnrindigen Ahorne, Linden, Eschen und Erlen gefährdet – allesamt wichtige Mischbaumarten im Wald“, so Ripken weiter. Neben der Tageshöchsttemperatur ist die Ausrichtung der ungeschützten Stammfläche nach Süden oder Südwesten -der Mittagsseite- ein kritischer Faktor.

Nach dem Sonnenbrand kommt oft die Pilzfäule

Wird durch starke Sonneneinstrahlung der Stamm geschädigt, bildet das nekrotische Gewebe die Eingangspforte für Fäulepilze. Mit Fortschreiten der Fäule wird der Baum als solcher instabil. Während im Garten- und Landschaftsbau ein einzelner Baum, etwa in Parks oder entlang von Straßen, nur mittels Weißanstrich oder auch Schilfmatte vor Sonnenbrand geschützt werden kann, bleiben dem Waldbesitzer gleich mehrere Optionen: Vorsorgend kann er durch regelmäßige Waldpflege hin zu gemischten, naturnahen und stabilen Wäldern das Sonnenbrandrisiko grundsätzlich senken, ebenso durch Verzicht auf das plötzliche Freistellen einzelner Bäume.

Gut gestufte, breite Waldränder verhindern, dass zu viel Sonnenlicht ins Waldinnere dringt. Auch mit schnellwachsenden Pionierbaumarten, wie etwa die Birke, kann für zusätzliche Beschattung gesorgt werden. Die Birke selbst benötigt nur einen geringen Sonnenschutz: Sie verfügt über eine weißlich-silbrige Rinde, die sich unter Sonneneinstrahlung - einem weißen Autolack vergleichbar- nicht so stark erwärmt.

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Dr. Horst Sproßmann