Borkenkäferschäden: Weiter auf hohem Niveau

Trotz diesjährig viel Niederschlägen und eher milden Temperaturen sind selbst vitale Fichten fast chancenlos: Der Fichtenborkenkäfer befindet sich weiterhin in Massenvermehrung. (Foto: Andreas Knoll)

Nach Rekordmengenbefall im Juni sinken die Borkenkäferschäden an der Fichte, bleiben aber auf historischem Hoch – von Entwarnung kann keine Rede sein

Allein im vergangenen Monat August befiel der Fichtenborkenkäfer über alle Waldeigentumsformen im Freistaat rund 568.000 Festmeter Holz. Er lag damit etwas unter der Schadholzmenge vom August 2020 mit rund 600.000 Festmetern. Gleichwohl befindet sich auch die diesjährige Entwicklung der Borkenkäfer-Schadholzmenge an der Baumart Fichte auf sehr hohem Niveau.

Nach einer historischen Rekordmenge im Monat Juni von knapp 800.000 Festmetern, sank diese im Juli und August um insgesamt etwa 200.000 Festmeter. Trotz dieser ersten Zeichen einer Entspannung in der diesjährigen Waldschutzsituation sind die Experten nur sehr vorsichtig optimistisch: Die Bemühungen in der Käferholzsanierung müssen seitens der betroffenen Waldbesitzenden und Forstleuten in den Fichtenbeständen konsequent fortgeführt werden.

Klimawandel als Ursache nicht aus den Augen verlieren

„Die Brennpunkte bezüglich der Fichtenborkenkäferschäden haben sich teilweise von Südthüringen nach Ostthüringen verlagert. Die Waldschutzsituation verschärft sich in den Thüringer Forstämtern Schleiz und Neuhaus. Die Südthüringer Forstämter Schönbrunn und Sonneberg bleiben weiterhin im Fokus unserer Sanierungsbemühungen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Er erwartet bis zum Jahresende eine durch den Borkenkäfer verursachte Gesamtschadholzmenge in der Fichte von etwa 4 Mio. Festmetern (2020: 3,5 Mio. Festmeter). Dies wäre die höchste jemals erfasste Fichtenschadholzmenge im Freistaat. „Man darf die Ursache dieser Entwicklung nicht aus den Augen verlieren“, so Gebhardt weiter: „Der Klimawandel schreitet weiter voran, die Dürrejahre 2018 bis 2020 waren wohl nur der Prolog “.

Ebenfalls lässt sich in diesem Jahr erkennen, dass ein vergleichsweise niederschlagsreicher und nicht ganz so heißer Witterungsverlauf dem Ökosystem Wald nach einer mehrjährigen Dürrephase eben nicht sofort zu alter Vitalität verhilft. Je nach Baumart sind spezifische Schäden, insbesondere im Feinwurzelbereich, aufgetreten, die nicht so ohne Weiteres mit einem ausreichenden Wasserangebot innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden können. Experten vermuten, dass Bäume, je nach genetischer Ausstattung, eine ausreichende Phase der Gesundung benötigen, um das Feinwurzelwerk wieder zu erneuern.

Erhebliche Investitionen für Wiederbewaldung und Waldumbau notwendig

„Mit der Sanierung der Sturm-, Dürre und Borkenkäferschäden enden die Anstrengungen der Waldbesitzenden und Forstleute allerdings nicht“, so Gebhardt abschließend. Im Gegenteil: Die Wiederbewaldung der landesweit über 42.000 Hektar Schadflächen und der Waldumbau von rund 100.000 Hektar durch den Klimawandel gefährdeter Bestände in klimaresiliente Mischwälder wird noch Jahre und Jahrzehnte andauern.

Und zukünftig erhebliche Investitionen erfordern. Die Thüringer Landesregierung hat reagiert und deshalb zusätzliche Förderprogramme für den Privat- und Kommunalwald initiiert sowie die Landesforstanstalt mit problemadäquaten Finanzmitteln langfristig ausgestattet.

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ThüringenForst Zentrale

Dr. Horst Sproßmann