Freistaat Thüringen Freistaat Thüringen - Thüringer Landesforstverwaltung

Inhalt

Waldzustandsüberwachung

Die Überwachung des Waldzustandes im Rahmen des Forstlichen Umweltmonitoring ist eine der grundlegenden Aufgaben der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei. Das forstliche Umweltmonitoring ermöglicht durch ein umfassendes Stichprobennetz sowie durch standortspezifische, langfristige und intensive Untersuchungen Aussagen zur Entwicklung von Waldökosystemen und der sie beeinflussenden Faktoren.

Nationale und internationale Zusammenarbeit

 
Das Forstliche Umweltmonitoring ist in bundesweite und europaweite Programme eingebunden. Die Thüringer Hauptmessstationen Großer Eisenberg, Possen und Holzland sowie 26 Punkte der Waldschadenserhebung sind Bestandteil eines aufeinander abgestimmten europaweiten Messnetzes im EU-Projekt „FutMon“ ("Further Develompment and Implementation of an EU-level Forest Monitoring System").
Insgesamt sind 38 Partner aus 24 Europäischen Staaten mit 303 forstlichen Messstationen und 3649 Aufnahmepunkten der Waldschadenserhebung am Projekt „FutMon“ beteiligt.  Die Erfassung und Auswertung von Daten auf europäischer Ebene wird im Rahmen des Förderprogramms „Life+“ durch die Europäische Kommission kofinanziert. Ausführliche Informationen, aktuelle Hinweise sowie eine Dokumentation aller Erhebungsparameter erhalten Sie unter:

 

Icon externer Link EU-Projekt „FutMon“ ("Further Develompment and Implementation of an EU-level Forest Monitoring System")
Life+ co finanziertes Projekt für die Weiterentwicklung und Umsetzung des forstlichen Umweltmonitorings auf EU-Ebene. Ein europaweiten Messnetzes von Waldmessstationen.

Icon externer Link LIFE + das Finanzinstrument der EU zur Förderung von Umwelt-und Naturschutzprojekte in der gesamten EU
Das neue Finanzierungsinstrument für die Umwelt.

Logo von LIFE, Finanzinstrument der Europäischen Union  zur Förderung von Umwelt- und Naturschutzprojekten in der gesamten Europäischen Union
Logo von LIFE, Finanzinstrument der Europäischen Union zur Förderung von Umwelt- und Naturschutzprojekten in der gesamten Europäischen Union

Waldschadenserhebung

Die Entwicklung der Waldschäden in Thüringen wird jährlich im Rahmen der landesweiten Waldschadenserhebung (WSE) erfasst und analysiert. Ziel der Waldschadenserhebung ist es, mit vertretbarem Aufwand gesicherte Aussagen über den Gesundheitszustand des Waldes zu treffen. Neben der aktuellen Zustandsbeschreibung sollen Schadensschwerpunkte lokalisiert, Entwicklungstendenzen aufgezeigt und Hinweise auf Waldgefährdungen gegeben werden.

Den aktuellen Waldzustandsbericht finden Sie im aktuellen Publikationsverzeichnis.
 

Warum führen wir Waldschadenserhebungen (WSE) durch? 

Der Zustand des Waldes gilt heute nach wie vor als eines der Hauptkriterien zur Beurteilung einer intakten Umwelt. Um auftretende Waldschäden langfristig zu erfassen und die Entwicklung des Waldzustandes angemessen bewerten zu können, sind jährliche, jeweils zum selben Zeitpunkt durchgeführte Waldschadenserhebungen (WSE) unerlässlich. Die Waldschadenserhebung ist derzeit das einzige großräumig anwendbare Verfahren, um zeitnah flächendeckende und zuverlässige Aussagen über den Waldzustand in Thüringen zu erhalten.

Hauptziele der Waldschadenserhebung sind:

  • Beurteilung des Gesundheitszustandes der Wälder anhand des sichtbaren Kronenzustandes
  • Lokalisierung regionaler Waldschadensschwerpunkte
  • Ableitung von Tendenzen der Schadentwicklung
  • Wertung kronenbeeinflussender biotischer und abiotischer Merkmale
Gesunde Wälder erfüllen vielfältige Funktionen
Gesunde Wälder erfüllen vielfältige Funktionen

Wie erfolgt die Durchführung?

Die Waldschadenserhebung wird in Thüringen seit 1991 in Form einer Vollstichprobenerhebung im 4 x 4 km Raster durchgeführt.
Bei der jährlichen Erhebung werden die 353 systematisch über die Waldfläche Thüringens verteilten Aufnahmepunkte im Sommer von geschulten Aufnahmetrupps aufgesucht. An jedem Stichprobenpunkt sind 24 Probebäume der herrschenden Baumschicht systematisch ausgewählt und dauerhaft markiert worden. An diesen Bäumen wird der Kronenzustand als aussagekräftiger und leicht anzusprechender Weiser für die Vitalität eines Baumes bewertet.
Als Hauptkriterien dienen dabei der „Nadel-/Blattverlust“ und die Vergilbung von Nadeln/ Blättern. Der Nadel-/ Blattverlust wird als prozentuale Differenz zu einer für den betrachteten Stichprobenbaum möglichen Vollbenadelung/-belaubung in 5 %-Stufen eingeschätzt. Er ist die Grundlage zur Berechnung der mittleren Kronenverlichtung eines Baumes. Zur besseren Ergebnisdarstellung werden europaweit einheitliche Kombinationsschadstufen verwendet, welche aus dem prozentualen Nadel-/Blattverlust und dem Grad der Vergilbung ermittelt werden. 
Zusätzliche Aufnahmeparameter wie erkennbarer Insekten- und Pilzbefall, eine gesteigerte Blüh- und Fruktifikationsintensität oder Schäden durch Witterungseinflüsse geben Aufschluss über mögliche Schadursachen und werden in die Auswertungen mit einbezogen.

 
Aufnahmetrupp, Kronenansprache mit Fernglas
Kronenansprache mit Fernglas

Wie geht es dem Wald in Thüringen?

Im Rahmen der Waldzustandserhebung 2012 wurden insgesamt 3649 Fichten, 1564 Kiefern und 272 sonstige Nadelhölzer sowie 1496 Buchen, 464 Eichen und 859 sonstige Laubhölzer angesprochen und bewertet.

Das diesjährige Inventurergebnis zeichnet für den Wald ein etwas besseres Bild als 2011.
Die Waldschadenserhebung 2012 weist in Thüringen:
  • 32 % der Waldfläche gilt als deutlich geschädigt (Schadstufen 2-4),
  • 45 % als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und nur
  • 23 % sind ohne Schadmerkmale (Schadstufe 0).
Es folgt die Grafik  mit den Ergebnissen zu der Schadstufenentwicklung alle Baumarten
(in %), ein Erläuterungstext steht neben dem Bild.  Zur Vergrößerung des Bildes klicken Sie bitte auf das kleine Vorschaubild.
Abb1: Schadstufenentwicklung alle Baumarten (in %)
Abb1: Schadstufenentwicklung alle Baumarten (in %)

Erläuterungen zur Abbildung 1:

Die Abbildung eins zeigt einen Überblick über die Schadstufenentwicklung aller Hauptbaumarten (in Prozent) in Thüringen.
Die Messungen und Auswertungen ergaben für das Jahr 2012 folgende Ergebnisse, zweiunddreißig Prozent der Waldfläche gelten als deutlich geschädigt (Schadstufen 2-4), vierundvierzig Prozent als schwach geschädigt (Schadstufe 1) und nur dreiundzwanzig Prozent sind ohne Schadmerkmale (Schadstufe 0).
Die Fichte, welche in Thüringen auf 44% der Waldfläche stockt, weist von den Hauptbaumarten die geringsten sichtbaren Schäden auf. In diesem Jahr beträgt die mittlere Kronenverlichtung 18,6%. 
Der Waldflächenanteil der Kiefer beträgt in Thüringen rund 15 %. Die mittlere Kronenverlichtung liegt in diesem Jahr bei 25,7%. Gegenüber dem letzten Jahr ist somit eine Erholung um 1,6 Prozentpunkte zu verzeichnen.
Mit einem Waldflächenanteil von 21 % ist die Buche die häufigste Laubbaumart in Thüringen. Ihre mittlere Kronenverlichtung sank 2012 um 2,7 Prozentpunkte auf jetzt 25,9%.
Die Baumart Eiche, welche rund 6% der Waldfläche einnimmt, weist eine Verlichtung von durchschnittlich 31,3% auf.

 

Mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten in Thüringen vom Jahr 1991 bis 2012 als Grafik
Mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten in Thüringen vom Jahr 1991 bis 2012 als Grafik
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Tab.1: Mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten in Thüringen vom Jahr 1991 bis 2012 als Grafik als Tabelle
Witterung Witterung
Was wird zur Vermeidung von Waldschäden getan?

Die langfristige Erhaltung der Gesundheit und Stabilität von Waldökosystemen erfordert neben politischen Entscheidungen auch geeignete forstliche Maßnahmen zur Erkennung von Gefahren, zur Vorbeugung und Begrenzung von Schäden sowie zur Reduzierung von Schadwirkungen. Forstliche Maßnahmen können witterungsbedingte Einflüsse und Schadstoffeinträge zwar nicht verringern - jedoch können deren negative Auswirkungen gemildert werden. So sind ökologisch stabile, standortgerechte Wälder mit einer angepassten Arten- und Strukturvielfalt im Hinblick auf biotische und abiotische Einflüsse weit weniger gefährdet und sollten konsequent gefördert werden.

Durch die gezielte Kalkung von Waldböden  kann der schadstoffbedingten Versauerung entgegen gewirkt werden.

 

 

Bodenschutzkalkung mit dem Hubschrauber Bodenschutzkalkung mit dem Hubschrauber

Intensiv-Monitoring an den Wald- und Hauptmessstationen

Im Rahmen des Forstlichen Umweltmonitoring betreibt das Service- und Kompetenzzetrum in Gotha derzeit elf Waldmessstationen und drei Hauptmessstationen. An den Wald- und Hauptmessstationen werden neben meteorologischen und bodenhydrologischen Einflussgrößen insbesondere die Stoffeinträge aus der Atmosphäre und deren Auswirkung auf den Waldzustand untersucht. Die Bewertung des Kronen- und Bodenzustandes, die Beurteilung der Nährstoffsituation und die Beobachtung des Waldwachstums sind weitere wichtige Komponenten, die Aufschluss über ökosystemare Zusammenhänge geben und Gefahren für den Wald rechtzeitig erkennen lassen.

Mehr Informationen zu den einzelnen Messstationen:

Icon interner Link Mehr Informationen zu den einzelnen Messstationen:

Die Messstationen gliedern sich in eine Messfläche im Freiland, eine Messfläche im Waldbestand und eine repräsentative Waldquelle. Die Messfläche im Freilland und die Bestandesmessflächen grenzen in der Regel unmittelbar aneinander.
Im Waldbestand sind 20 Niederschlagssammler, eine Anlage zur Gewinnung von Bodensickerwasser und in den Buchenbeständen spezielle Vorrichtungen zum Auffangen des an der glatten Rinde ablaufenden Stammabflusswassers installiert. An den Hauptmessstationen befinden sich zusätzliche Instrumente und Sensoren zur Bestimmung bodenhydrologischer Kennwerte.
Die Ausstattung im Freiland besteht aus 5 Niederschlagssammlern. An den drei Hauptmessstationen befindet sich außerdem ein spezieller Messcontainer zur Erfassung meteorologischer und luftchemischer Parameter, welcher in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie betrieben wird.

 

Icon Download Wald und Hauptmessstationen
Aktuelles Informationsblatt zu den Wald und Hauptmessstationen
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