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Naturnaher Waldbau

Leitbild des naturnahen Waldbaus in Thüringen

Das Leitbild der Waldbewirtschaftung in Thüringen ist ein naturnaher, reich strukturierter Wald, der eine geringe Anfälligkeit gegenüber abiotischen und biotischen Gefährdungen aufweist und die von ihm erwarteten vielfältigen Leistungen in dauernder (nachhaltiger) und optimaler Weise erbringt.

Damit dieses Ziel erreicht wird, werden die Wälder Thüringens nach definierten Grundsätzen ("Waldbaugrundsätze") bewirtschaftet.

Was ist Wald?

Wald ist eine komplexe Erscheinungsform der Natur. Jeder Mensch hat seine Vorstellung vom Wald. Für manche ist der Wald ein „Spaziergängerwald“, ein „Beerensammlerwald“ oder ein „Försterwald“. Kinder sehen oft im Wald den Märchenwald, in dem sich Hänsel und Gretel verirrten. Zwei Drittel aller Märchen sind Waldmärchen. Wald ist fest im Volksliedgut verankert.

Kann man ein so komplexes Gebilde wie den Wald definieren?
Man kann! Hier ein Beispiel:

"Als Wald wird jede Pflanzenform verstanden, die im wesentlichen aus Bäumen aufgebaut ist und eine so große Fläche bedecken, dass sich darauf ein charakteristisches Wald-Klima entwickeln kann."
(Burschel / Huss, 1997 Thüringer Walddefinition )

Was ist Waldbau?

"Waldbau“, ein Begriff der an „Ackerbau“ und damit an Landwirtschaft erinnert.

Doch was verbirgt sich dahinter?

Waldbau ist ein Zweig der Forstwissenschaft und -wirtschaft, der sich mit der Begründung (Anzucht), Erziehung (Aufzucht) und Behandlung (Pflege) des Waldes befasst.
Entscheidende Unterschiede zur Landwirtschaft sind die Langfristigkeit der forstlichen Produktionszeiträume sowie die Multifunktionalität der Wälder.

Multifunktionalität bedeutet, dass ein Waldbestand gleichzeitig Schutz- , Nutz- und Erholungsfunktionen wahrnimmt, also gleichzeitig z. B. Staub filtert und Lärm dämmt, Stammholz und Weihnachtsbäume liefert und dem Jogger und Skiläufer Raum bietet.
Der Begriff „Waldbau“ ist vor ca. zweihundert Jahren entstanden. Heute ist er ein alter Begriff mit neuen Inhalten.

Die Ansprüche der Gesellschaft an die natürliche und erneuerbare Ressource "Wald" wachsen und werden vielfältiger.

Der Wald besitzt multifunktionale Bedeutung für die gesamte Gesellschaft. Dies bedingt eine hohe Verantwortung beim Umgang mit ihm.

Die Vielfachleistungen, die der Wald für die Gesellschaft erbringt, müssen im Interesse nachfolgender Generationen sichergestellt werden.

Diesem Generationenvertrag ist der moderne, naturnahe Waldbau Thüringens verpflichtet.

In einem Bundesland mit 33 % Waldanteil und einer sehr waldverbundenen Bevölkerung verstehen wir Waldbau als Kulturaufgabe in einer ausgeprägten Kulturlandschaft.

„Aufgabe des Waldbaus ist es, die Pflanzenformation Wald so zu gestalten, dass ihre biologischen Eigenarten erhalten bleiben, aber dem Menschen auf nachhaltige Weise nutzbar werden. Dies gilt insbesondere für die Fähigkeit des Waldes zur Produktion großer und wertvoller Holzmengen. Der Waldbau hat eine breite naturwissenschaftliche Grundlage, ist aber ein Fach, das seinen Sinn aus der Anwendung zieht. Vor dem Hintergrund der unaufhaltsamen Zerstörung der ursprünglichen Wälder kommt dem Waldbau eine besondere Bedeutung zu, und zwar sowohl für die Wiederbegründung von Wald auf erheblichen Teilen der entwaldeten Flächen, als auch für die nachhaltige Nutzung dort, wo er erhalten geblieben ist.“
Burschel / Huss, 1997

„Als Zweig der Forstwirtschaft hat der Waldbau die Aufgabe, vorhandene Wälder zu pflegen und zu verjüngen, aber auch neue Wälder zu begründen und heranzuziehen. Waldbauliches Handeln ist darauf gerichtet, die von der Natur gegebenen Standorte in ihrer Produktionskraft zu erhalten oder zu verbessern, ihnen dabei einen möglichst hohen nachhaltigen Ertrag abzugewinnen und zugleich die Stabilität der Waldbestände gegen biotische und abiotische Gefährdungen zu sichern.“
Dengler, Röhrig, Gussone, 1990

Was verstehen wir unter Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit – ein Begriff der seit einigen Jahren als Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung ("sustainable development") der Menschheit gilt. Insbesondere die Agenda 21 und die Lokale Agenda 21 setzen zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Umweltprobleme auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Die Idee der Nachhaltigkeit wurde sozusagen im Wald geboren. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde bereits im 18. Jahrhundert von Forstleuten geprägt. Seit mehr als 200 Jahren ist somit das Nachhaltigkeitsprinzip die Handlungsnorm der geregelten Forstwirtschaft.


Nachhaltigkeit ist kein naturwissenschaftliches Merkmal des Waldes oder eine Rechengröße der Forstplanung, sondern eine Verhaltensnorm für den verantwortungsbewussten Umgang der Menschen mit der Natur.

Nachhaltigkeit bedeutet: „Immer nur so viel dem Naturhaushalt entnehmen, wie dauerhaft wieder nachwächst.“ Das ist ökonomisch vernünftig und sichert dauerhaft die ökologischen Funktionen des Waldes. Den sich ändernden gesellschaftlichen Ansprüchen entsprechend entwickelte sich das Prinzip von der Nachhaltigkeit der Holzerträge hin zur umfassenden Nachhaltigkeit der Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion des Waldes.

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Waldbaugrundsätze

Waldbaugrundsätze für den Staatswald Thüringens einschließlich der Behandlungsrichtlinien der Hauptbaumarten