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Neozoen-Arten

Fische

Die nachfolgenden Arten, Neozoen (Lebewesen), sind direkt oder indirekt durch den Menschen in Gebiete eingeführt worden und haben sich dort dauerhaft eingelebt.

Eine Auswahl zu den verschiedenen Neozoen Fischarten können Sie über die Navigation auf der rechten Seiten vornehmen.

 

Bachsaibling Bachsaibling
Bachsaibling Salvelinus fontinalis (MITCHELL, 1815)

Allgemein:
Der Bachsaibling wurde gegen 1890 aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nach Deutschland importiert und zur Aufzucht in Teichen ausgesetzt. In Teichwirtschaften und Rinnenanlagen werden auch heute Bachsaiblinge zu Speisefischen aufgezogen. Wegen der hohen Toleranz gegenüber niedrigen pH-Werten im Wasser wurde diese Art in der Vergangenheit auch in Fließgewässer besetzt, in denen andere Fischarten, wie z. B. die heimische Bachforelle, nicht überleben können. Da sich der Bachsaibling unter hiesigen natürlichen Bedingungen kaum fortpflanzt und der Besatz nicht zulässig ist, wird weitestgehend mit einem Rückgang dieser Art in unseren natürlichen Gewässern gerechnet.

Durch die Kreuzung von Bachforelle und Bachsaibling erhält man als Zuchtvariante den so genannten Tigerfisch, der an seiner typischen Marmorierung erkennbar ist. Allerdings sind diese Tiere nicht fortpflanzungsfähig.

Herkunft:
Der Bachsaibling hat sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet im Osten Nordamerikas.

Größe:
Größen von 45 cm und Stückmassen bis 2 kg gelten in Deutschland bereits als überdurchschnittlich.

Nahrung:
Der Bachsaibling ernährt sich in seinem gesamten Leben räuberisch. Im Jugendstadium sind hauptsächlich Bachflohkrebse, Insekten sowie deren Larven die Hauptnahrungsquelle. Mit zunehmendem Alter werden unter anderem kleinere Fische und Kleinkrebse erbeutet.

Merkmale:
Ein sehr gutes Erkennungsmerkmal sind die weißen Abschlussränder der Brust-, Bauch- und Afterflosse. Der Rücken ist meist braungrün marmoriert und auf den Körperseiten sind zahlreiche rote und gelbe Tupfen zu erkennen. Wie alle Lachsfische besitzt auch der Bachsaibling eine Fettflosse. Diese befindet sich zwischen Rücken- und Schwanzflosse.
 

Bachsaibling Salvelinus fontinalis (MITCHELL, 1815), LfL, Institut Starnberg
Bachsaibling Salvelinus fontinalis (MITCHELL, 1815) LfL, Institut Starnberg
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Blaubandbärbling Blaubandbärbling

Blaubandbärbling Pseudorasbora parva (TEMMINCK & SCHLEGEL, 1842)

Allgemein:
Der Blaubandbärbling bevorzugt warme, nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer. Bei entsprechenden Voraussetzungen neigt er zu Massenvermehrungen.

Durch hohe Bestandsdichten entsteht so eine enorme Futterkonkurrenz gegenüber anderen Fischarten, was in der Folge zu wirtschaftlichen Schäden, insbesondere in der Karpfenteichwirtschaft, führen kann.

Da die Fische unter hiesigen natürlichen Bedingungen zur Reproduktion in der Lage sind und immer wieder ganze Schwärme aus Fischzuchtanlagen in Fließgewässerabschnitte entweichen, ist mit einer weiteren Ausbreitung in unseren natürlichen Gewässern zu rechnen.

Herkunft:
Der Blaubandbärbling hat sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Fließ- und Stillgewässern Südostasiens. Um 1970 wurde die Art unbewusst durch Importe des Graskarpfens in Teichanlagen Rumäniens eingeschleppt. Von dort verbreitete sie sich wahrscheinlich durch weitere Importe in Europa. Der erste Nachweis für Thüringen stammt von 1985.

Größe:
Die Art kann unter hiesigen Voraussetzungen eine Durchschnittsgröße von 10 cm erreichen.

Nahrung:
Der Blaubandbärbling ernährt sich überwiegend von tierischem Plankton, Fischlaich und Fischbrut.

Merkmale:
Der Körper des Blaubandbärblings weist einen spindelförmigen, lang gestreckten Körper auf. Auf den Körperseiten ist jeweils eine dunkle Längsbinde schwach zu erkennen. Ansonsten erscheint der Fisch recht farblos, sogar fast durchsichtig. Deshalb ist der Blaubandbärbling auf den ersten Blick mit einigen heimischen Arten verwechselbar.
 

Blaubandbärbling Pseudorasbora parva (TEMMINCK & SCHLEGEL, 1842),  LfL, Institut Starnberg
Blaubandbärbling Pseudorasbora parva (TEMMINCK & SCHLEGEL, 1842), LfL, Institut Starnberg
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Graskarpfen Graskarpfen

Graskarpfen Ctenopharyngodon idella (VALENCIENNES, 1848)


Allgemein:
Beim Graskarpfen handelt es sich um eine Wärme liebende Art, welche stehende Gewässer bevorzugt. In der Teichwirtschaft wurde der Graskarpfen in Polykultur mit Silber- und Marmorkarpfen gehalten. Somit ließ sich das Nahrungsangebot des Gewässers optimal ausnutzen. Bei einem zu hohen Besatz mit Graskarpfen kann es allerdings zu Schädigungen der Unterwasserpflanzenbestände kommen.

In Schifffahrtskanälen oder Teichen bedient man sich dieser Eigenschaft und setzt die Fische zur „biologischen Entkrautung“ ein.

Herkunft:
Ursprünglich stammt diese Art aus dem Einzugsgebiet des Flusses Amur, welches sich von Nordchina bis nach Ostsibirien erstreckt.

Der Graskarpfen lebt dort vorzugsweise in großen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern mit einem hohen Anteil an Vegetation. Ab 1960 wurden die ersten Exemplare für den Einsatz in der Polykultur in Teichwirtschaften nach Deutschland importiert.

Größe:
Diese Art kann bei entsprechenden Temperaturverhältnissen unter hiesigen Bedingungen eine Stückmasse bis zu 25 kg und eine Körperlänge von mehr als 100 cm erreichen. Unter optimalen Warmwasserbedingungen sind Stückmassen bis zu 50 kg möglich.

Nahrung:
Der Graskarpfen ernährt sich hauptsächlich von weichen Wasserpflanzen. In der Teichwirtschaft wird mit Feldgetreidemahd zugefüttert.

Merkmale:
Der Körper des Graskarpfens ist relativ lang gestreckt und weist ein torpedoförmiges Aus-sehen auf. Die relativ großen Schuppen sind dunkel umrandet, sodass der Graskarpfen, aus einer gewissen Entfernung betrachtet, ein Netzmuster aufweist.
 

Graskarpfen Ctenopharyngodon idella (VALENCIENNES, 1848), LfL, Institut Starnberg
Graskarpfen Ctenopharyngodon idella (VALENCIENNES, 1848), LfL, Institut Starnberg
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Kamberkrebs Kamberkrebs

Kamberkrebs Orconectes limosus (RAFINESQUE, 1817)

Allgemein:

Der Kamberkrebs, der auch als Amerikanischer Flusskrebs bezeichnet wird, wurde gegen 1900 erstmals bei Frankfurt/Oder ausgesetzt. Hintergrund war, die stark durch die Krebspest dezimierten Edelkrebsbestände zu ersetzen und den Kamberkrebs wirtschaftlich zu nutzen. Durch sein enormes Reproduktionsvermögen und schnelles Wachstum mit früh einsetzender Geschlechtsreife breitete er sich, unterstützt durch weitere Besatzmaßnahmen, aus.

Die Art kann einen Pilz, welcher die Krebspest hervorruft, übertragen, ohne selbst daran zu erkranken. Aufgrund seiner geringeren Lebensraumansprüche ist er in der Lage, auch naturferne Ge-wässer mit fehlenden Unterschlupfmöglichkeiten zu besiedeln. Aus diesen Gründen kommt es bei gleichzeitigem Vorkommen beider Arten in einem Gewässer zur weiteren Verdrängung des Deutschen Edelkrebses durch den Kamberkrebs.

Herkunft:
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist der Osten der USA.

Größe:
Der Kamberkrebs ist ein kleinerer Vertreter der Flusskrebse. Männliche Exemplare mit 10 cm Körperlänge gelten bereits als groß.

Nahrung:
Als Nahrung dienen dem Kamberkrebs vor allem Wasserschnecken, Insektenlarven und falls vorkommend Muscheln. Es werden aber auch Wasserpflanzen vertilgt.

Merkmale:
Eindeutiges Erkennungsmerkmal sind die rostroten Querbinden auf der Oberseite des Hinterleibes. Seine Scherenspitzen sind rot-orange gefärbt.
 

Kamberkrebs Orconectes limosus (RAFINESQUE, 1817), Wolfgang Schmalz, FLUSS
Kamberkrebs Orconectes limosus (RAFINESQUE, 1817), Wolfgang Schmalz, FLUSS
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Marmorkarpfen Marmorkarpfen

Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis (RICHARDSON, 1845)


Allgemein:
Der Marmorkarpfen besitzt eine ähnlich große Bedeutung für die Speisefischproduktion wie der Silberkarpfen. Er wurde zu wirtschaftlichen Zwecken importiert und insbesondere zur Polykultur in Karpfenteichanlagen eingesetzt. Hierdurch konnten die Lebensraumkapazität und das angebotene Nahrungsspektrum optimal genutzt werden.

Durch gezielten Besatz gelangte der Marmorkarpfen auch in die großen Staugewässer Thüringens, wo er heute z. T. noch anzutreffen ist.

Da er unter hiesigen natürlichen Bedingungen nicht reproduktionsfähig ist, wird der Marmorkarpfen mit der Zeit aus diesen Gewässern wieder verschwinden, wenn kein weiterer Besatz mehr stattfindet.

Herkunft:
Ursprünglich stammt diese Art aus den großen, langsam fließenden und stehenden Gewässern Chinas.

Größe:
Der Marmorkarpfen kann unter hiesigen Bedingungen Stückmassen bis zu 25 kg erreichen.

Nahrung:
Der Marmorkarpfen ernährt sich hauptsächlich von kleinen Wasserschnecken, Muscheln sowie von Zooplankton.

Merkmale:
Er unterscheidet sich vom Silberkarpfen durch die dunkelbraune Marmorierung und den nicht durchgängigen Bauchkiel an der Bauchunterseite. Die Augen liegen nicht ganz so tief und er wirkt massiger als der Silberkarpfen.

Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis (RICHARDSON, 1845), LfL, Institut Starnberg
Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis (RICHARDSON, 1845), LfL, Institut Starnberg
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Regenbogenforelle Regenbogenforelle

Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss (WALBAUM, 1792)


Allgemein:
Die Regenbogenforelle gelangte aus wirtschaftlichen Erwägungen ca. 1882 nach Thüringen.

Sie weist ein sehr schnelles Wachstum auf und ist aufgrund ihrer im Vergleich zur Bachforelle geringeren Lebensraumansprü-he (Wassertemperaturen) gut als Wirtschaftsfisch in Fischzuchten zu halten. Zurzeit werden in Deutschland jährlich zwischen 21.000 t und 23.000 t Regenbogenforellen zu Speisefischen aufgezogen.

Ihre geringeren Ansprüche an den Lebensraum waren ein Grund dafür, dass Regenbogenforellen in der Vergangenheit auch in natürliche Gewässer gesetzt wurden. Daher und aufgrund des Entweichens aus Fischzuchtanlagen resultiert ihre heutige Verbreitung in unseren Fließgewässern. Mit der Verbesserung der Lebensraumsituation für die Bachforelle ist ein Besatz natürlicher Gewässer mit Regenbogenforellen nicht mehr zulässig und auch nicht mehr erforderlich.

Herkunft:
Die Regenbogenforelle stammt ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas.

Größe:
Sie kann unter guten Bedingungen Größen von 70 cm und Stückmassen bis 10 kg erreichen. In Fischzuchten sind 250 bis 300 g/Stück üblich.

Nahrung:
Die Regenbogenforelle ernährt sich vorwiegend räuberisch. Im Jugendstadium besteht ihre Hauptnahrung aus Bachflohkrebsen, an der Gewässeroberfläche schwirrenden Insekten und im Gewässer lebenden Insektenlarven. Als ausgewachsenes Tier fallen auch kleinere Fische in ihr Beutespektrum.

Merkmale:
Die Regenbogenforelle unterscheidet sich von der heimischen Bachforelle hauptsächlich
durch ihre Farbgebung. Sie besitzt ein rosafarbenes Querband (Namensgebung) auf den
Körperseiten sowie ausschließlich kleinere schwarze Tupfen auf den Körperseiten und den Flossen.
 

Regenbogenforelle 	Oncorhynchus mykiss (WALBAUM, 1792), LfL, Institut Starnberg
Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss (WALBAUM, 1792), LfL, Institut Starnberg
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Signalkrebs Signalkrebs

Signalkrebs Pacifastacus leniusculus (DANA, 1852)


Allgemein:
Der Signalkrebs wurde 1960 nach Schweden importiert. Hintergrund war, die stark durch die Krebspest dezimierten Edelkrebsbestände zu ersetzen und den Signalkrebs wirtschaftlich zu nutzen. Da der Signalkrebs selbst an der Krebspest erkrankt, wurde die Bestandssituation des Edelkrebses hierdurch eher verschlimmert als verbessert.

Die hohe Eiablagezahl (etwa 90 % höher als die des Edelkrebses) und die frühe Ge-schlechtsreife ermöglichten ihm eine schnelle Ausbreitung. Durch Besatz gelangte er noch schneller in weitere Gewässersysteme.

Die Lebensraumansprüche an das Gewässer sind höher als die des Kamberkrebses.

Herkunft:
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Signalkrebses ist der Nordwesten Nordamerikas.

Größe:
Der Signalkrebs kann bis zu 16 cm groß werden.

Nahrung:
Signalkrebse sind Allesfresser.

Merkmale:
Der Signalkrebs kann leicht mit dem heimischen Edelkrebs verwechselt werden. Ein-deutiges Erkennungsmerkmal sind die weißblau gefärbten Scherengelenke.

Signalkrebs Pacifastacus leniusculus (DANA, 1852),Wolfgang Schmalz, FLUSS
Signalkrebs Pacifastacus leniusculus (DANA, 1852),Wolfgang Schmalz, FLUSS
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Silberkarpfen Silberkarpfen

Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix (VALENCIENNES, 1848)

Allgemein:
Der Silberkarpfen ist weltweit der am häufigsten produzierte Speisefisch. Er wurde zu
wirtschaftlichen Zwecken importiert und insbesondere zur Polykultur in arpfenteichanlagen eingesetzt. Hierdurch konnten die Lebensraumkapazität und das angebotene Nahrungsspektrum optimal genutzt werden.

Durch gezielten Besatz gelangte der Silberkarpfen auch in die großen Staugewässer
Thüringens, wo er heute z. T. noch anzutreffen ist.

Da er unter hiesigen natürlichen Bedingungen nicht reproduktionsfähig ist, wird der
Silberkarpfen mit der Zeit aus diesen Gewässern wieder verschwinden, wenn ein Besatz
unterbleibt.

Herkunft:
Ursprünglich stammt diese Art aus den großen, langsam fließenden und stehenden
Gewässern Chinas und Ostsibiriens.

Größe:
Diese Art kann unter hiesigen Bedingungen Stückmassen bis zu 25 kg erreichen.

Nahrung:
Der Silberkarpfen ernährt sich hauptsächlich von Phytoplankton.

Merkmale:
Er ist leicht mit dem Marmorkarpfen zu verwechseln und unterscheidet sich von diesen
durch die silbrige Färbung und vor allem durch die tiefer liegenden Augen. Der Bauchkiel
erstreckt sich beim Silberkarpfen durchgängig über die gesamte Bauchunterseite.
 

Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix (VALENCIENNES, 1848), LfL, Institut Starnberg
Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix (VALENCIENNES, 1848), LfL, Institut Starnberg
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